BGD - Bund für Gesamtdeutschland

BGD — Unsere Deutsche Heimat

Nr.80 (1. Quartal 2007)

Auszug


„Moral Bombing“ — Luftterror — ein Jahrtausendverbrechen

Die englischen Worte „moral bombing“ bedeuten nicht etwa, daß Bombenkrieg eine moralische — oder unmoralische — Handlung sei, sondern daß sie den Zweck haben, die Moral der davon Betroffenen zu zerstören. Bei aller infernalischen Grausamkeit, mit der sie den Bombenkrieg gegen Deutschland führten, haben die Alliierten diesen Zweck nie voll erreicht.
Die ihn nicht direkt erlebt haben, können sich kaum eine wirklich realistische Vorstellung von den Auswirkungen des Luftterrors machen — von deren Größenordnung schon gar nicht. Es ist Günter Zemellas Verdienst, hierüber eine exakte Chronik verfaßt zu haben. In zeitlicher Reihenfolge werden die Angriffe auf deutsche Städte aufgeführt — beginnend mit einer kurzen Schilderung der betroffenen Stadt; es folgen der Verlauf der Attacke, ihr Ausmaß, die Größe der Zerstörung von Kulturgütern und von Menschenleben. Viele Städte mußten zahlreiche Angriffe über sich ergehen lassen.

Erschütternd und kaum glaublich sind die brutalen Überfälle auf Dresden; keine Grausamkeit, keine Gemeinheit, die überhaupt denkbar war, wurde ausgelassen. 17 Seiten umfaßt die Schilderung dieser Horrorveranstaltung in Zemellas Buch. Als Churchill Dresden als Ziel eines Terrorangriffs auswählte, hatte er die Tatsache einkalkuliert, daß viele deutsche Flüchtlinge aus dem Osten, besonders aus Schlesien, dort erste Zuflucht suchen würden…

Das höllische Massaker von Dresden war keineswegs mehr kriegsentscheidend. Churchill war persönlich verantwortlich dafür, als aber sogar in den USA dieser Terrorangriff eine sehr ungünstige Aufnahme gefunden hatte, „versuchte er, seine Verantwortung für den Angriff zu vertuschen.“ Auf einmal hieß es:

Es ist bezeichnend, daß man sich niemals auf die Zahl der Opfer einigen konnte, die der Angriff auf Dresden gefordert hatte. Es wurden, so Zemella, „geradezu zynisch niedrige Zahlen veröffentlicht, die inzwischen bei 30.000 angelangt sind.“ (Eine inoffizielle Schätzung spricht von 400.000 Toten. Sie stammt von einem Lokomotivführer, der Flüchtlinge aus Schlesien nach Dresden transportierte und eine brauchbare Vorstellung davon hatte, wie sehr die Stadt mit Menschen überfüllt war.) „Warum tabuisiert die Bundesregierung Verbrechen an Deutschen?“ fragt Zemella. „Die Wahrheit ist unteilbar. Von einem Volk, dem so viele Verbrechen vorgeworfen werden, kann man doch nicht auch noch verlangen, daß es über die Untaten der Gegenseite schweigt.“ (Seite 241)

Interessant ist daher auch der Schlußteil des Buches, der von der „Bewertung“ des Bombenkrieges handelt. Sogar in England gab es Schriftsteller, die ihn als Massenmord bezeichneten. Aber während des Nürnberger Tribunals fiel kein Wort über den Luftterror. Zemella: Die Alliierten klammerten den Bombenkrieg bewußt aus. „Sie wußten wohl, daß dieses Thema, wie auch das der Vertreibung, sich keinesfalls dazu eignete, der deutschen Seite Kriegsverbrechen anzulasten.“ (S.279)

Seither hat es — mit inzwischen von den Siegern verbesserten Methoden — weitere Kriege gegeben, in denen Bomben fielen, z. B. in Madagaskar, Kenia, Vietnam, Irak. — Die Angriffe auf Japan, zuletzt mit Atombomben, gehören allerdings noch zum 2. Weltkrieg. Wenig bekannt ist, daß die „konventionelle“ Bombardirung von Tokio viel größere Verluste gefordert habe als die Atomschläge auf Hiroshima und Nagasaki. Aber man wollte — kurz vor Kriegsende — diese neue Waffe doch wenigstens einmal ausprobiert haben…

Erdmuthe Idris-Schimmel

Zemella, Günter: Moral Bombing — Die Chronologie des Luftterrors 1939–45. 352 Seiten, Leinen, 218 Abbildungen.
ISBN 3–87847–224–2. € 18,00
Grabert–Verlag, Postfach 16 29, 72006 Tübingen


UDH Nr. 80

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