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Ausgabe 82  ¦  Juli – September 2007


Buchbesprechung

Philosophie für Neugierige

Der Philosoph ist ein „Freund der Weisheit“ — einer Weisheit, die er sich durch Nachdenken über die Dinge, Zustände und Ereignisse, die auf der Welt ablaufen, verschafft. In der Vergangenheit war die Philosophie eine hoch angesehene Wissenschaft. Platon und sein Schüler Aristoteles aus dem griechischen Altertum zählen heute noch zu den größten Philosophen.

Derzeit ist die Philosophie ein wenig ins Hintertreffen geraten. Die Naturwissenschaften haben sich zu einem eigenen konkreten Forschungsthema entwickelt. Für die Philosophie blieben abstrakte Themen zurück, die aber, wie alle Lebensvorgänge auf der Welt, das tiefgründige Durchdenken bitter nötig haben. Doch solcher Unanschaulichkeit fühlen sich viele Menschen heute nicht gewachsen. Die Denkaufgaben scheinen ihnen „zu hoch“; sie wollen keine Philosophen sein.

Das ist ein Fehler, findet Werner Kunze und schrieb eine „Philosophie für Neugierige“. Gerade in unseren heutigen verworrenen Umbruchzeiten kann es gar nicht genug „Freunde der Weisheit“ geben, die sich bemühen, das Chaos zu ordnen. Das Buch ist eine sehr gute leicht verständliche Einführung in das Wesen der Philosophie. Was will diese? Wozu braucht man sie überhaupt? Welche geistigen Voraussetzungen erfordert das philosophische Denken? Weshalb erscheint sie vielen so schwierig und widersprüchlich? Und eine letzte, die wichtigste Frage: Warum bedürfen wir gerade heute dringend wahrer Philosophie?

Kunze beantwortet diese Frage, und er gibt einen Abriß der Entwicklung und Geschichte der Philosophie, verschweigt aber auch nicht die Voraussetzungen, die heute ein angehender „Freund der Weisheit“ mitbringen muß, wenn er in dieses Gebiet tiefer eindringen möchte.

„Die erhabene Philosophie schließlich ist und bleibt unerläßlich, um uns vom Getöse der Welt zu lösen, von den uns umgarnenden Manipulationen und der Übermacht des Unwichtigen und Kleinen. Man muß sie sich, denke ich, einfach gönnen, um wenigstens von Zeit zu Zeit über den alltäglichen Dingen zu stehen. Wer nur in der Froschperspektive verharrt, wird zumeist nur Schlamm zu Gesicht bekommen.

Sich mit der Philosophie zu beschäftigen, heißt hingegen wieder, groß vom Menschen zu denken. Vielleicht liegt hierin ihr größter Nutzen. Sie erhebt den im Staub liegenden Mensch durch die Faszination dessen, wozu der menschliche Geist fähig ist“. (S. 11)

Im zweiten Teil des sehr lehrreichen Buches gibt Kunze die Abrisse von Leben und Werk einer Reihe großer Philosophen — 19 an der Zahl, angefangen mit Sokrates (469-399), endend mit Hans-Georg Gadamer (1900 — 2002). Acht von ihnen sind Deutsche. — Man sollte sich diese Einführung in diese auch heute noch lebensnotwendige Wissenschaft zunutze machen, statt zaghaft vor ihr zurückzuschrecken, wie es derzeit viele Menschen tun.

Erdmuthe Idris-Schimmel

Kunze, Werner: Philosophie für Neugierige. Geist, der die Welt bewegt.
416 Seiten, Lexikonformat, Leinen, 170 Abbildungen, 24,80 €
Grabert-Verlag, Postfach 1629, 72006 Tübingen


UDH Nr. 82

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