BGD - Bund für Gesamtdeutschland

Unsere Deutsche Heimat

Ausgabe 82  ¦  Juli – September 2007


„Erzwungene Wanderschaft“ statt „Brutale Vertreibung“
und
„Verlagerung“ statt „Kunstraub“

von Friedrich Kurreck

Richard von Weizsäcker, gewesener Hauptmann d.R. der Deutschen Wehrmacht mit umstrittenem Abgang von der im Osten verzweifelt kämpfenden Truppe, wurde im Mai 1984 von der „Bundesversammlung“ zum Präsidenten der Bundesrepublik Deutschland gekürt. Das „Deutsche Volk“ darf — im Gegensatz zu anderen Völkern — Bundespräsidenten, anscheinend weil es zu dumm dazu ist, nicht selbst wählen, oder vielleicht auch deswegen nicht, weil es womöglich einen Politiker zu seinem Präsidenten bestimmen könnte, den es für geeignet hält, sich knallhart für deutsche Interessen einzusetzen.

Dieses in Nachkriegsdeutschland geschaffene Organ besteht aus den Mitgliedern des Bundestages und einer gleichen Zahl von Mitgliedern, die von den Landtagen nach den Grundsätzen der Verhältniswahl gewählt werden. Die Zahl der von jedem Land zu wählenden Mitglieder richtet sich nach seiner Einwohnerzahl. Die Bundesversammlung wird vom Präsidenten des Deutschen Bundestages einberufen.

Richard von Weizsäcker, der schon 1974 das Verlangen verspürte, „Präsident der Deutschen“ zu werden, unterlag damals noch Walter Scheel (FDP), dem „Hoch auf dem gelben Wagen“ fröhlich trällernden Bundespräsidenten. Zehn Jahre später schaffte er es dann endlich und wurde Nachfolger seines Parteifreundes Karl Carstens. Hielt dieser während seiner Amtszeit die Schuljugend dazu an, die Vergangenheit ihrer Eltern zu erforschen, und nicht an seine Pflicht gedacht hatte, unser Volk zu versöhnen, statt es schon in seinen Familien zu spalten, so handelte auch sein Nachfolger gewiß nicht verantwortungsbewußt, als er in öffentlicher Rede unser Volk in „Befreite“ und „Besiegte“ zerriß, wobei er sich, seiner Gesinnung gemäß, natürlich zu den „Befreiten“ zählte. Das waren Untaten der Würdelosigkeit, die ebenso an den Pranger der Nation gehören, wie das verachtenswerte Verhalten der Büttel der Siegermächte.

Herr von Weizsäcker bekam, kaum im Amt des höchsten Repräsentanten der Bundesrepublik Deutschland, die Gelegenheit, am 8. Mai 1985, anläßlich des 40. Jahrestag der „Niederknüppelung seines Volkes“, im Plenarsaal des Deutschen Bundestages eine Rede zu halten. In dieser Ansprache, übertitelt „Zum 40. Jahrestags der Beendigung des Krieges in Europa und der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft“, bewies er uns Zeitzeugen, daß er von den „wahren“ Ursachen, die zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges führten, insbesondere von den deutsch-polnischen Beziehungen (wenigstens der Zwischenkriegsjahre) nicht einmal den blassesten Schimmer hat. So faselte er doch davon, daß Hitler die Herrschaft über Europa wollte, und zwar durch Krieg. „Den Anlaß dafür suchte und fand er in Polen“, meinte dieser Herr.

Demzufolge verniedlichte derselbe Bundespräsident auch die brutale Vertreibung der (echten) Ostdeutschen durch die landfräßigen Polen mit der Vokabel „erzwungene Wanderschaft“.

Herr von Weizsäcker sollte sich bei Peter H. Nicoll, dem schottischen Geistlichen und „angelsächsischen“ Historiker, der, obwohl er zwei Söhne als „Flieger gegen Deutschland“ verlor, dennoch der Aufgabe eines Historikers, „die Wahrheit zu erforschen“, gerecht wurde, schlau machen. Aus Nicolls Buch, „Englands Krieg gegen Deutschland — Ursachen, Methoden und Folgen des Zweiten Weltkrieges“ kann dieser Geschichtsanalphabet lernen, wer Europa in den „unnötigen Krieg“ getrieben hat und deswegen die Hauptschuld für die tragische Entwicklung in Europa trägt. Es war nicht Hitler. Es waren verblendete Politiker in England, die, unterstützt von US-Präsident Roosevelt, Polen die Blankovollmacht vom März 1939 lieferten und alle Friedensbemühungen der deutschen Regierung ablehnten. Ebenso gründlich behandelt Nicoll die Methoden der alliierten Kriegsführung und die Nachkriegsbehandlung Deutschlands seitens der Sieger. Und er beschreibt das große „Schuldkonto der Alliierten“. Dieses unerschrockene Werk eines „nichtdeutschen“ Historikers rückt die Verhältnisse zurecht, indem er das historische Geschehen so beschreibt, wie es wirklich war.

Sollte Herr von Weizsäcker, immerhin ein (gewesener) Bundespräsident, also ein Mann mit Hirn, sollte man annehmen, wirklich keine Kenntnis über das Zustandekommen des Zweiten Weltkrieges haben? Sollte er faktisch nicht wissen, daß England, das seine uralte und vorzüglich bewährte „balance of power“-Politik durch das Dritte Reich gefährdet sah, den Krieg wollte, und den Anlaß dazu in Polen suchte und dort auch fand? Kaum zu glauben! Muß man ihn an das Rundtelegramm seines Vaters erinnern, das dieser am 3. September 1939 an die „Deutschen Diplomatischen Missionen in aller Welt“ sandte, in dem er England die volle Verantwortung für den Kriegsausbruch anlastet? Immerhin war sein Vater als Staatssekretär des Auswärtigen Amtes erster Mann hinter Reichsaußenminister von Ribbentrop. Sollte er in dieser Funktion etwa ein Lügentelegramm in die Welt gesandt haben? Oder durfte auch der „smarte Richie“ als Bundespräsident die geschichtliche Wahrheit nicht publizieren? Dann wäre er ja, um seinen Thron behaupten zu können, zum Lügen gezwungen, und auch dazu, seinem Volk Verbrechen anzulasten und es dafür zum ewigen Kriechgang aufzufordern? Dann wäre das ein klarer Fall von „Erpressung“ und als solcher strafwürdig.

Soll denn so die „Demokratie“ aussehen, für die Amerika, sie auch zu bringen, angeblich in den Zweiten Weltkrieg gezogen ist?

Ein neues Kunststück der „Besiegtensprache“:
Aus Raub wird „Verlagerung“

Am 20. Mai feierte die Forschungsbibliothek Gotha (Thüringen) ihre vor 50 Jahren erfolgte Wiedereröffnung. Damals hatten die sowjetischen Sieger einen Teil der bei Kriegsende geraubten Bücher an das ihnen verbundene SED-Regime zurückgegeben. Im Programm der jetzigen Feier hieß es:

„Zahlreiche deutsche Bibliotheken und Museen haben, neben Kriegsverlusten an ihren Beständen, noch immer die Folgen von Kriegsverlagerungen (richtiger: „Kriegsraub“, d.Verf.) im Zuge des Zweiten Weltkrieges zu beklagen. Die musealen und die Buchbestände der Gothaer Museen und der Forschungsbibliothek Gotha wurden in östliche und westliche Richtung „verbracht“. Auch wenn in den 50er Jahren große Teile aus der Sowjetunion zurückgeführt werden konnten, klaffen noch immer empfindliche Lücken im Bestand.“

Wer ohne historisches Vorwissen solche Sätze liest, dürfte sich fragen, um was es da denn eigentlich geht. Da ist die Rede von Verlagerungen, Verbringen, Richtungen — so als handele es sich um ganz normale Weichenstellungen auf einem Güterbahnhof. Tatsächlich aber handelt es sich um die „Raubzüge“ der alliierten Siegermächte bei Kriegsende. Der Sachverhalt wird sprachlich verschleiert. Das Wort „Raubkunst“ gelangt nur zur Anwendung, wenn es sich um deutsche Täter handelt. Alliierte Mitbringsel aus Deutschland rangieren schlimmstenfalls unter dem Begriff „Beutekunst“. Soll heißen: die einen sind Räuber, die anderen machen lediglich Beute, was Siegern ja traditionell zusteht.

Peinlich nur, daß sich unter jener Beute Bücher und Kunstwerke befinden, die aus jüdischem Eigentum stammen. Zu diesem Ergebnis kommen Historiker und Bibliothekare in einem Zwischenbericht des vor einem Jahr gestarteten Forschungsprojektes „Beschlagnahmte Bücher — Reichstauschstelle und Preußische Staatsbibliothek zwischen 1933 und 1945“.

Konkret: Die Buchbestände und Kunstwerke, die Juden bei ihrer Emigration oder Deportation hinterließen, wurden zunächst von deutschen Ämtern gesammelt, sorgfältig registriert und in rund 40 Depots aufbewahrt. Darüber machten sich bei Kriegsende die Sieger her, ohne die Alteigentümer oder deren Erben auch nur zu benachrichtigen. Seitdem gelten die teilweise sehr wertvollen Werke als „verschollen“ — auch das ein verharmlosendes Hüllwort zur Unkenntlichmachung der Räuber.


UDH Nr. 82

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