BGD - Bund für Gesamtdeutschland

Unsere Deutsche Heimat

Ausgabe 83  ¦  Oktober – Dezember 2007


Buchbesprechungen

Gedanken zu Deutschlands Erneuerung

Ist Deutschland wirklich verloren? Haben unsere Feinde mittels zweier Weltkriege ihr Ziel erreicht? Gerade befinden wir uns in einem Zeitabschnitt, in dem die Deutschen, die es noch sein wollen, fast jeden Tag eine Verschlimmerung unseres Zustandes feststellen. Verzagtheit breitet sich aus. Viele suchen Ablenkung in allerlei Klamauk; anderen scheint nur die Resignation zu bleiben.

„Wende zur Wiedergeburt“ heißt ein Buch von Alois Mitterer, das in dieser Situation Mut machen kann. Es enthält Beiträge, die der Verfasser vor allem „zum Gedankenaustausch eines lockeren Freundeskreises“ geschrieben hat, und zwar während der zurückliegenden anderthalb Jahrzehnte. Einiges davon ist auch schon an anderer Stelle veröffentlicht worden.

An den Kommentaren und Analysen politischer Zustände und Abläufe ist vor allem die Scharfsichtigkeit und Feinfühligkeit des Autors zu bewundern — eines schließt das andere keineswegs aus. Beides führt beim lesen zu „Aha-Erlebnissen“. Mitterers Kritik trifft immer wieder ins Schwarze — ob es sich nur um die „unehrenhafte Kriegsführung“ der Amerikaner handelt oder den „Fall Hohmann“, den Nobelpreis für Frau Elfriede Jelinek oder eine Rüge an Frau Merkel, die mehr von „Führung“ als von Volkeswillen hält: Es sei „sehr gefährlich“, politische Absicht durch den Volkswillen legitimieren zu lassen. Deshalb hat man bei der Einführung des Euro lieber ohne das Volk entschieden.

Mitterer geht in der Regel von den politischen Tagesthemen aus, stellt sie aber in einen größeren Zusammenhang und zeigt auf, wo die Entwicklung sich gegen die Feinde eines geordneten Völkerlebens zu wenden beginnt. Er hält sich zurück mit dem Hinweis auf (noch?) unerfüllbare Hoffnungen, aber er spricht seinen Lesern Mut zu. Immer wieder trifft man in dem Buch auf den Begriff „Natur“, den er allerdings nicht im rein biologischen Sinne verwendet, sondern als eine weltenlenkende Macht, die zurückschlägt, wenn man sie mißachtet oder mißbraucht.

Die Dimension „Natur“ in diesem Sinne zu verwenden, ist neu in Politik und Geschichte, aber vermutlich sehr nützlich. Vielleicht könnte das hypertrophe = größenwahnsinnige Sieger mitunter zum Nachdenken anregen… Die „Natur“ läßt sich nicht täuschen. Sie wird sich an der „Wende zur Wiedergeburt“ beteiligen. Dennoch bleibt offen, ob die Deutschen aus der politischen Misere wieder herauskommen. Aber es zeigen sich kleine Anzeichen einer Veränderung in der politischen Weltsituation, auf die man achten sollte. Vielleicht wird Deutschland doch noch einmal wiedergeboren.

Dieses Buch ruft auf zu Mut und Zuversicht. Alle, denen Deutschland noch am Herzen liegt, sollten es lesen.

Erdmuthe Idris-Schimmel
Mitterer, Alois: Wende zur Wiedergeburt. 400 Seiten, Leinen, ¤ 19,90. — ISBN 978-3-87847-238-4. Grabert Verlag, 72006 Tübingen, 2007

Ein deutsches Trauerspiel

Dieses Trauerspiel besteht darin, daß die Deutschen durch die Umerziehung die Achtung vor sich selbst und vor ihrer Geschichte verloren haben, was freilich das offen ausgesprochene Ziel der Sieger war. Sie habe es in hohem Maße erreicht. Die Deutschen schleppen ein schlechtes Gewissen mit sich herum, dessen Bohren am liebsten mit Klamauk — man denke an Oktoberfest, Fernsehen und Fußball, an Doping und dergleichen Skandale — übertönt wird: Wir sind und bleiben dennoch die ewig Schuldigen. Und Mahnmale aller Art sorgen dafür, daß wir nicht auf andere Gedanken kommen.

Das Buch von Wolfhard Welzel „Ein deutsches Trauerspiel“ trägt den Untertitel „Die Tragödie der Millionen vergessener Opfer von Flucht, Vertreibung, Bombenkrieg und Gefangenschaft“. Seine Mutter flüchtete mit dem Säugling Wolfhard im Winter 1945 aus Schlesien, beide haben diese entsetzliche Zeit überlebt, und schließlich hat ihm die Mutter die Erlebnisse dieser Flucht und was danach kam, aufgeschrieben.

Welzel empfindet es als einen „ungeheuren Skandal“, der in der Geschichte ohne Beispiel ist, daß es in der Bundesrepublik zwar zahllose Mahnmale gibt, die an die Taten der „deutschen Kriegsverbrecher“ erinnern sollen, aber noch immer „keine zentrale Gedächtnisstätte, keinen Ort der Trauer und kein Museum, die an die Millionen Toten des eigenen Volkes erinnern. Welzel sieht darin einen Skandal, der in der Geschichte beispiellos ist. Um den heutigen Deutschen diese Vergangenheit nahezubringen, hat er die Ereignisse nach Art eines Skizzenbuches zusammengestellt:

Verluste durch Krieg, Bombenangriffe, Hunger, Versenkung von Flüchtlingsschiffen, Flucht im Winter, Sterbenlassen in Gefangenenlagern, Vertreibung, Erfrieren, Vergewaltigungen, Folter, Schauprozesse, Hinrichtungen, Verschleppung als Arbeitssklaven und was der Vernichtungsmöglichkeiten mehr sind. — Fakten und Zahlen werden in knapper Form dargeboten.

Zuletzt ist auch noch die Rede von der Gedächtnisstätte in Borna, die an die vielen Millionen deutscher Opfer erinnern soll. Wie bei dem, was Welzel einen „ungeheuren Skandal“ nennt, werden auch der Durchführung dieses Planes viele Hindernisse in den Weg geworfen. Es liegt an uns, daß wir uns nicht beeindrucken lassen und endlich unser Gedenken an die Opfer des Zweiten Weltkrieges in eine würdige Form bringen. — Und haben wir nicht, wenn auch im Kleinen — gerade den → Fall Böblingen erlebt?

Erdmuthe Idris-Schimmel
Welzel, Wolfhard: Ein deutsches Trauerspiel. 299 Seiten, gebunden, zahlreiche Abbildungen, 14,80 ¤ — ISBN 978-3-87847-240-4; 2007 Grabert Verlag, Postfach 1629, D-72006 Tübingen

UDH Nr. 83

Sprung zur Indexseite Sprung zur Seitenübersicht