BGD - Bund für Gesamtdeutschland

Unsere Deutsche Heimat

Ausgabe 88  ¦  Januar – März 2009


Die Garnisonkirche von Potsdam soll wieder aufgebaut werden.

Das von vielen ehedem als schönste Barockkirche Norddeutschlands bezeichnete Bauwerk mit seinem fast 89m hohen Turm galt als Wahrzeichen Potsdams und Sinnbild Preußens.

Das Bauwerk hatte eine bewegte Geschichte: Auf Befehl Friedrich Wilhelms I., des Soldatenkönigs, wurde es zwischen 1735 und 1737 errichtet. Nach seinem Tode 1740 wurde der Herrscher in der Gruft der Kirche beigesetzt, 1786 fand Friedrich der Große an der Seite seines Vaters seine Ruhestätte. 1747 hatte Bach in der Kirche vorgespielt, seit 1797 erklang vom Turm der Kirche das berühmte Glockenspiel mit der Weise „Üb' immer Treu und Redlichkeit“. 1806 besuchte Napoleon I. die Gruft und meinte angesichts des Sarges Friedrichs des Großen: „Lebte er noch, stünde ich nicht hier.“ Im März 1933 fand in der Kirche ein Festakt zur Eröffnung des neugewählten Reichstages statt. Der Handschlag zwischen dem Reichspräsidenten und Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg und dem neuen Reichskanzler, dem Gefreiten des Ersten Weltkrieges, Adolf Hitler, sollte den Gleichklang zwischen preußischer Tradition und der NS-Bewegung versinnbildlichen. Das verzeihen die Gutmenschen dem Gebäude bis heute nicht.

Im April 1945 setzten britische Flieger Kirchenschiff und Turm in Brand. 1968 verfügte die kommunistische SED die Sprengung der Kirchenruine. 40 Jahre danach — im Juni 2008 — wurde die kirchliche „Stiftung Garnisonskirche Potsdam“ gegründet, die den äußerlich unveränderten Wiederaufbau durchführen soll. Bis 2017 soll der Turm, später das Kirchenschiff neu errichtet werden. Die Kosten werden mit insgesamt 100 Millionen Euro veranschlagt.

Dem Wiedererrichtungsbeschluß waren 15 Jahre heftigen Streites vorausgegangen.

Daß die Enkel des Sprengkommandos gegen den Wiederaufbau sind, ist nicht verwunderlich, weil sie in ihrem Wahn eine Verschwörung von Rechtsextremismus und Militarismus vermuteten. So demonstrierten die Linken mit dem Ruf: „Preußen ist Scheiße!“ gegen den Neubau.

Vor Jahren hatte sich eine Traditionsgemeinschaft „Potsdamer Glockenspiel“ (heute: „Stiftung preußischer Kulturbesitz“) gebildet, die bisher 5,8 Millionen Euro gesammelt hat. Die sollten aber nur zur Verfügung gestellt werden, wenn die Kirche originalgetreu aufgebaut und aus der Politik herausgehalten werde. Das fand wieder nicht die Billigung der Evangelischen Kirche, die ein internationales Versöhnungs­zentrum errichten wollte. Zum äußeren Zeichen sollte auf der Kirche ein Kreuz aus Holzbalken der 1940 bombardierten Kathedrale von Coventry angebracht werden. Wollten die Protestanten damit vielleicht auch Reue für die antisemitischen Ausfälle von Martin Luther zeigen?

An diesen Vorgängen läßt sich das nationale Irresein der Deutschen sehr gut darstellen.

Friedrich Kurreck, Offenbach am Main


UDH Nr. 88

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