BGD - Bund für Gesamtdeutschland

Unsere Deutsche Heimat

Ausgabe 90  ¦  Juli – September 2009


Buchbesprechung:

Der Mensch ist des Menschen Wolf…

Wenn Raubtiere Beute machen, benutzen sie vor allem ihre Beißwerkzeuge zum töten, die Extremitäten nur zum festhalten des Opfers. Beim Menschen ist das anders — er ist ein „prügelndes Tier“ mit einem leistungsfähigen Gehirn. Beides hilft ihm, Waffen zu erfinden, die zwar oft auch noch mit der Hand bedient werden, aber in unserer technisch hoch entwickelten Zeit das kaum noch nötig haben. Und seit es Atombomben gibt, ist das prügelnde Hirntier in der Lage, seinen irdischen Lebensraum total zu vernichten.

Hans Meisers Buch über „Völkermorde“ ist eine Lektüre, die wirklich weh tut. Der Autor geht chronologisch vor. Im Altertum ist das alte Testament eine ergiebige Quelle für Völkermorde; gefolgt von Griechenland und Rom. Im Mittelalter ging es gegen Moslems und Ketzer; Katharer, Albigenser, Waldenser, aber auch Juden wurden verfolgt. Mongolische Heere zogen gegen Westen und richteten fürchterliche Blutbäder an. — Im Mittelalter tobten sich auch die Hexenverfolgungen aus, denen bis in die beginnende Neuzeit zahlreiche Frauen zum Opfer fielen. Erst im 17./18. Jahrhundert wurde der Hexenwahn, der auch viele Männer unter Anklage gezogen hatte, allmählich überwunden.

In der Neuzeit entwickelte sich der rücksichtslose Kolonialismus, der mittels einer fortgeschrittenen Waffentechnik mörderisch geführt wurde. In Südamerika wurden von den Spaniern ganze Stämme als Arbeitssklaven mißbraucht und dadurch ausgerottet. — Die französische Revolution forderte unzählige Opfer. Die Kriege der Völker griffen immer weiter gegeneinander aus; die Waffen wurden technisch verbessert und erhöhten die Opferzahlen. Weltanschauliche Theorien schufen neue Feindbilder, deren „Anhänger“ von Gegnern rücksichtslos verfolgt wurden. Die sowjetische Revolution forderte unzählige Opfer, die Weltkriege des 20. Jahrhunderts ebenso.

Meiser führt eine Liste von „Vertreibungen als Humanitätsverbrechen“ an — insgesamt 43 Völker. Bei 15 von ihnen lag die Zahl der Vertriebenen über einer Million, bei acht über zwei Millionen: Deutsche, Griechen, irakische Kurden, Afghanen, Armenier, Bengalen, Inder/Pakistani, Vietnamesen. Auch unter diesen Vertreibungsopfern gab es natürlich viele Tote.

Je raffinierter und „stärker“ die modernen Waffen wurden, desto mehr Menschen fielen ihnen zum Opfer; das gilt vor allem für die Bomben, die jeweils auf die Städte der Feinde geworfen wurden. Jetzt sind wir — dank moderner Technik — endlich so weit, daß mit Hilfe eines Atom-Bombenkrieges das Völkerleben auf der Erde gänzlich vernichtet werden könnte.

Zum Abschluß dieser unrühmlichen Menschheitsgeschichte geht Meiser noch auf die Kriege in anderen Weltteilen ein, mit denen die Europäer nicht direkt etwas zu tun haben. Von diesen Beispielen menschlicher Unbarmherzigkeit ist vor allem Afrika betroffen, aber auch Asien.

Homo homini lupus — der Mensch ist des Menschen Wolf. Meisers Buch ist eine einzige, wenn auch unausgesprochene Mahnung, sich „menschlicher“ gegenüber seinen irdischen Mitbewohnern zu verhalten. Oder braucht es doch den Weltuntergang, um dieses mörderische Unrecht endlich auszuschalten?

Erdmuthe Idris-Schimmel

Meiser, Hans: Völkermorde vom Altertum bis zur Gegenwart. — 448 Seiten, Lexikonformat, Leinen. 180 Abbildungen. ¤ 22,80. ISBN 978-3-88847-236-0 Grabert-Verlag, Postfach 1629, 72006 Tübingen.


UDH Nr. 90

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