BGD - Bund für Gesamtdeutschland

Unsere Deutsche Heimat

Ausgabe 90  ¦  Juli – September 2009


Buchbesprechung:

„Innere Verfassung“

In welcher „inneren Verfassung“ befindet sich die BR Deutschland? Eine materialreiche und kritische Bewertung aller dafür wesentlichen Lebens- und Politikbereiche gibt Prof. Johann Braun, Ordinarius für Rechtsphilosophie an der Universität Passau. Er beginnt außerordentlich pessimistisch:

„Nach normalem Ermessen hat Deutschland seine Zeit hinter sich. Das heißt nicht, daß es keine Zukunft mehr hätte. Aber an das, was es einmal war, wird dabei immer weniger angeknüpft werden können. Diesem Faktum gilt es nüchtern ins Auge zu sehen“ (S. 11).

Hier hätte der Rezensent beinahe die Lektüre abgebrochen. Aber die Studie des 1946 geborenen Professors verdient dennoch gründliche Lektüre! Sie bringt eine anregende und belehrende Fülle vielfältig miteinander verknüpfter Fakten und Überlegungen über „unseren“ Staat, sein Volk, seine Gefährdung und seine Perspektiven.

Wichtiger Gedanke Brauns: Die Degradierung des „mündigen Bürgers“, der in der Theorie Träger der „Demokratie“ sei, durch die inzwischen eingerissene Vermassung, Entpersönlichung, die „Proletarisierung seiner Eliten“ (S.210) — hin zum manipulierbaren „Verbraucher“. Die Gesellschaft scheidet sich zunehmend in solche, die den Eindruck haben, in prätotalitären Zuständen zu leben, und andere „die sich des demokratischen Verfahrens als eines effizienten Herrschaftsmittels zu bedienen wissen“ (S. 17).

Hintergrund ist die Vermassung von Einzelnen ohne Gemeinschaftsbewußtsein — sowie Abkehr von der eigenen Vergangenheit und Bruch mit allen positiven Traditionen. Das seien „deutsche Eigentümlichkeiten“. Die BRD „ist mit ihrem Selbstverständnis ein traditionsloses Gebilde, das zu sich selbst bisher kein positives Verhältnis entwickeln konnte“. Das ist wahr — und sehr höflich formuliert!

Der „Verbraucher“ sehnt sich anscheinend immer mehr nach „Schutz vor der Freiheit“ (S. 29). Der Verbraucher sucht im Gegensatz zum Bürger „Schutz vor der Freiheit, und zwar nicht nur vor der Freiheit des anderen, sondern auch vor seiner eigenen“. Wie soll der unmündige feige „Verbraucher“ gleichzeitig noch „mündiger Bürger“ sein?

Diese Besprechung kann das ungeheuer weitläufige Gedankengut des Buches nicht in Kurzfassung darstellen. Wer die Studie gründlich durcharbeitet, wird seine Auffassung über den Verlust nationaler und persönlicher Identität der Deutschen nicht nur bestätigt finden, sondern kann sich umfänglich seinen Kampf für eine lebens- und volkserhaltende innere Verfassung Kleindeutschlands „munitionieren“.

Einige Teilaspekte seien kurz gestreift:

Das Kapitel über das „Kulturvernichtungsprogramm“ sollte man mehrfach lesen (S. 272 ff.). Über die treffend dargestellte „zunehmende Vermischung von Recht und Moral“ sollte man nachdenken.

„Die Antisemitismuskeule“ (Kap. 15, S. 231 — 251) wird anhand bekannter, aber prägnant zusammengefaßter „Fälle“ (Walser, Hohmann, Latussek u.a.) dargestellt. Das Schema der Instrumentalisierung des „Holocaust“ zur Ausschaltung oder gar Vernichtung selbstdenkender politischer Gegner wird dargelegt.

„Je weiter das Dritte Reich (…) in die Ferne rückte, je mehr die Verwaltung der deutschen Schuld in die Hände der Nachgeborenen überging, desto mehr wurde sie zu einem Teil des politischen Geschäfts. Man schmiedete den Vorwurf des Antisemitismus so lange, bis er zur furchtbarsten Waffe in der politischen Auseinandersetzung wurde, zum vergifteten Dolch jeder öffentlichen Kontroverse“ (S. 232).

Zur Verkommenheit einer politischen Justiz: „Das deutsche Recht kennt also offiziell anerkannte Wahrheiten, die öffentlich anzuzweifeln mit Strafe bedroht ist. Unter diese Wahrheiten fällt zwar nicht die Existenz Gottes, wohl aber die Zahl der Auschwitzopfer“ (S. 237).

Die Gefahren durch den eingerissenen Relativismus in einer Gesellschaft, die keine Gemeinschaft mehr sein darf (vielleicht auch schon gar nicht mehr kann), werden klar angesprochen: „Man kann sich nicht vorstellen, daß jeder, der die geistige Lebensgrundlage eines anderen in Frage stellt, notwendig zu dessen Feind wird, weil er ihn im Innersten und Wichtigsten attackiert, was es für ihn gibt. Erst recht fehlt das Verständnis dafür, daß man die Lebensgrundlage eines anderen bereits dadurch in Frage stellen kann, daß man vor seinen Augen ein Leben führt, das ihn im Innersten empören muß. Aber wie soll auch jemand, dem alles gleichermaßen gültig ist, ahnen können, wie derjenige denkt und empfindet, dem nur eines gültig erscheint? Woher soll einem Materialisten das Verständnis dafür kommen, welche Potentiale in einer Weltanschauung enthalten sind, die auf die Kraft des Geistes setzt?“ (S. 329 f.).

Ein schwieriges, ein wichtiges, ein vielleicht notwendendes Buch.

Michael de Braga

Johann Braun: Wahn und Wirklichkeit. Über die innere Verfassung der BR Deutschland. Hohenrain, Tübingen 2008, 349 S., ¤ 19,80, ISBN 978-3-89180-082-9.


UDH Nr. 90

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