BGD - Bund für Gesamtdeutschland

Unsere Deutsche Heimat

Ausgabe 90  ¦  Juli – September 2009


Brückenbauer mit gezinkten Karten

Brückenbauer reisen durchs Land. Hier wird nicht von den fleißigen Arbeitern und Ingenieren gesprochen, die über Täler und Flüsse Brücken erstellen, die dem Verkehr dienen. In diesem Artikel versuchen wir hinter die Kulissen zu schauen, die Kulissen der ehrbaren Mittler mit den viel weniger ehrbaren Motiven. Dabei können wir die Mittler aus der großen Politik außer acht lassen. Ihnen nimmt man ehrbare Motive sowieso nicht ab. Hier geht es um die vielen Mittler auf den unteren Ebenen, die sich mit dem Hauch der Volksnähe umgeben. Unter dem Mantel dieser Volksnähe injizieren sie eine menschliche und politische Situation, die jeglichen Wahrheitsgehalt vermissen läßt. Der Bogen, über den sich diese Brückenbauermentalität spannt, umfaßt das gesamte Spektrum der Beziehungen zwischen den Völkern.

Hier wollen wir einen kleinen Ausschnitt herausgreifen, die Brückenbauer zwischen den deutschen Heimatvertriebenen und den polnischen Gutmenschen, die auf dem Privat-Eigentum von Millionen Heimatvertriebener aus den Ostprovinzen des Zweiten Deutschen Reichs sitzen. Wenn Brücken dauerhaft Verbindungen ermöglichen sollen, müssen die Fundamente, auf denen sie ruhen, die Lasten der Brücken und des über sie fließenden Verkehrs aufnehmen können. Wie tragfähig sind die Fundamenten hüben wie drüben?

Da ist das Fundament in der Bundesrepublik Deutschland. Dieses wurde mit aufgebaut mit deutschen Menschen, die nur, weil sie Deutsche waren, aus ihrer Heimat, dem zur Zeit unter polnischer Verwaltung stehenden Fundament vertrieben worden sind. Sie schworen in der Charta der Heimatvertriebenen unter anderem: „…1. Wir Heimatvertriebenen verzichten auf Rache und Vergeltung. Dieser Entschluß ist uns ernst und heilig im Gedenken an das unendliche Leid, welches im besonderen das letzte Jahrzehnt über die Menschheit gebracht hat…“.

In dieser Charta steht nicht ein Satz, ein Wort einer Forderung nach Rückkehr in die angestammte Heimat. Nicht ein Satz, ein Wort über die freie Verfügbarkeit ihrer Immobilien, die in vielen Fällen nachgewiesenermaßen seit mehreren Jahrhunderten im Familienbesitz sind. Ich schreibe hier bewußt sind. Privat-Eigentum ist im europäischen Kulturkreis unabhängig vom Staat, auf dessen Boden es sich befindet. Eingriffe eines Staates sind nur in Einzelfällen, auf gesetzlicher Grundlage, in der die Entschädigung für die Enteignung geregelt ist, erlaubt. In der Bundesrepublik Deutschland, dem einen Fundament der Brücke, wurde Forderungen vieler Staaten und Völker entsprochen. Diese Belastungen trugen die Heimatvertriebenen mit ihren Steuern mit. Und viele darüber hinaus leisteten freiwillige Beiträge, um in ihrer Heimat den Menschen das Leben zu erleichtern.

Im großen und ganzen ein Fundament mit vielen Spannungen, jedoch ruht das Fundament auf einem tragfähigen Untergrund.

Das andere Fundament der Brücke, über die die Verständigung fließen soll, wird zusammengehalten von eisernem Chauvinismus. Verständigung wird als Einbahnstraße benutzt. Mit dem Hinweis auf das auch vom polnischen Volk erlittene Leid werden alle Forderungen — und sie noch so utopisch seien — von der polnischen Regierung und insbesondere von den in der Bundesrepublik Deutschland agierenden Brückenbauern mit List und Tücke vertreten.

Wie tragfähig ist ein Fundament, das auf dem Untergrund eines Völkermordes ruht? Einem Völkermord, in dem zweieinhalb Millionen deutscher Frauen, Kinder und Greise oft auf das grausamste ermordet wurden. Dieses vergossene Blut weicht jeden Untergrund auf. Um ein Fundament darauf errichten zu können, müßte dieses Blut erst einmal trocknen. Der erste Schritt, es zu trocknen ist die Anerkennung der Mörder, daß sie diese (Un)-Taten begangen haben. — Ohne diese Anerkennung wird das Fundament tiefer und tiefer sinken, bis die Brücke eines Tages, so sie gebaut sein sollte, einstürzt.

Eine Hilfe zur Stabilisierung des Untergrundes für dieses Brücken-Fundament kann die Herstellung der freien Verfügbarkeit über das Privat-Eigentum der durch Erbnachweis legitimierten deutschen Privat-Eigentümer sein.

Der Wahlkampf in der Bundesrepublik Deutschland treibt wunderbare Blüten, die in ihrer moralischen Kategorie mit von den Brückenbauern angewandten Listen und Tücken in einen Topf zu werfen sind. Seit Gründung der Bundesrepublik Deutschland versuchten, und in vielen Fällen ist es ihnen auch gelungen, etablierte Parteien Stimmen der Heimatvertriebenen zu „kaufen“. Heimatliebe macht anfällig. Fakt ist: Die Hoffnung der Heimatvertriebenen auf „Europa“ wie bereits in der Charta der Heimatvertriebenen zum Ausdruck gebracht ist, war eine trügerische und hat die Erwartung auf Herstellung des Rechtszustandes nicht erfüllt.

Horst Zaborowski


UDH Nr. 90

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