BGD - Bund für Gesamtdeutschland

Unsere Deutsche Heimat

Ausgabe 90  ¦  Juli – September 2009


offener Brief

Leserbrief:

Gerhard Kitschke

Hohenstein-Ernstthal, 07.05.09

 

Lieber Herr Zaborowski
Ich lese gern die Zeitschrift „Unsere Deutsche Heimat“. Die bewegenden Schicksale der Heimatvertriebenen teile ich mit vielen schlesischen Landsleuten. Den Streit um die Gedenkstätte für Versöhnung, Flucht und Vertreibung kann ich nicht verstehen.

Solange es noch eine Erlebnisgeneration gibt, sollte nun endlich dieses Denkmal in Berlin errichtet werden.

Dieses Problem und die ungerechte Politik in unserem Staat der BRD, in dem Demokratie für eine bestimmte Schicht der Gesellschaft gilt, haben mich veranlaßt, an den Bundespräsidenten zu schreiben; eine Antwort habe ich erhalten. Er ließ mir mitteilen, daß er keinen Einfluß auf die Gestaltung der Politik habe.

Ich habe nun an die Bundeskanzlerin ein Schreiben gerichtet mit fast dem gleichen Inhalt.

Ich möchte viele Mitbürger ermutigen vor den nächsten Wahlen an die Kanzlerin Eingaben zu machen, daß sie sich für eine gerechtere Gesellschaft einsetzt.

In der Anlage das Schreiben an die Kanzlerin.


Offener Brief:

Gerhard Kitschke

Hohenstein-Ernstthal, den 04.05.2009

 

Offener Brief

Erlauben Sie mir, daß ich mich mit diesem Schreiben an Sie, unsere deutsche Bundeskanzlerin, wende.

Ich habe in meinem 74-jährigen Leben schon viel erlebt. Als Zwölfjähriger wurde ich 1946 mit meinen Eltern und Geschwistern aus unserer geliebten Heimat Schlesien vertrieben.

Unsere Familie mußte Haus, Hof, Hab und Gut verlassen; wir wurden zum Abtransport in einen geschlossenen Waggon der Bahn gebracht, in dem 34 Personen acht Tage eingeschlossen waren. Einmal am Tag gab es einen Schlag Krautsuppe und eine Scheibe Brot pro Person. Von Breslau bis Forst waren die acht Tag unerträglich, Essen und die Notdurft alles mußte im geschlossenen Waggon erledigt werden. 15 Millionen Vertriebene haben dieses Schicksal erfahren müssen. Noch immer gibt es im Bundestag Streit um die Gedenkstätte für Versöhnung, Flucht und Vertreibung. Den vielen Vertriebenen sollte nun endlich dieses Denkmal in Berlin errichtet werden.

In Sachsen fanden wir ein neues Zuhause. Es war für uns nicht einfach, sich in der neuen Umgebung zu integrieren, aber mit Geduld und Fleiß haben wir uns in Sachsen eingelebt, und haben aktiv am Wiederaufbau der zerstörten Städte und Gemeinden sowie der Neugestaltung der Gesellschaft teilgenommen.

Nach der Wende 1989 wurde uns DDR-Bürgern ein neues politisches System „Demokratie des Bürgertums“ übergestülpt, unser Rechtsempfinden wurde auf den Kopf gestellt. Im Grundgesetz heißt es, alle Macht geht vom Volke aus! Wer aber ist das Volk? Ist das Volk die übergroße Mehrheit der Arbeiterschaft, die sogenannte Mittelschicht und Gewerbetreibenden, oder sind es nur die Bundestagsabgeordneten und die Bosse der Konzerne und der Großindustrie, der Banken, der Justiz, als auch die Manager von Sportclubs?

Einen solchen Brief habe ich schon mal an den Bundespräsidenten Herrn Köhler geschrieben; eine Antwort habe ich auch bekommen, aber der Präsident hat keinen Einfluß auf die Politik in unserem Staat. Deshalb wende ich mich an Sie, verehrte Bundeskanzlerin. Sie als Bundeskanzlerin haben den Eid gesprochen, für das Wohl aller Bürger Verantwortung zu übernehmen; dazu gehören auch die sogenannten „Unterschichten“.

Wird das Volk nur benutzt, um Wahlen zu gewinnen, danach aber können die Wahlversprechungen unter den Teppich gekehrt werden? Die soziale Gerechtigkeit ist in Schieflage geraten. Wie kann es sein, daß ein Herr Ackermann ein Monatsgehalt von einer Million Euro erhält, ein Industrieboss ein mehrhundertfaches Gehalt eines Arbeiters erhält, ein Bundestagsabgeordneter einer Nebenbeschäftigung als Aufsichtsrat bei einem Konzern mit einem zweiten Gehalt nachgehen darf, bei Bundestagssitzungen aber durch Abwesenheit glänzt. Einem Arbeitslosen werden seine Bezüge gestrichen, wenn er nur einige Euros durch Nebenerwerb bezieht. Arm soll arm bleiben!

Abgeordnete des Bundestages und der Parteien werden vom Volk gewählt, um für das Volk Politik zu gestalten und nicht, um in Aufsichtsräten bei Banken, Konzernen und Großbetrieben als Vasallen oder Knecht tätig zu sein.

Ein Ministerpräsident, ehemaliger Finanzminister, der einen Milliardenverlust einer Bank mit verursacht hat, wird nicht zur Verantwortung gezogen, dafür mit einer Riesenabfindung aus dem Amt verabschiedet.

Die Bänker, die Milliarden Verluste verursacht haben und dann noch hohe Dividenden kassieren. Das gemeine Volk kann solche Praktiken nicht verstehen. Ein Herr Mehdorn, der die Bundesbahn in die Personalkrise getrieben hat, bekommt noch über Jahre ein Gehalt und obendrein eine Abfindung von fünf Millionen Euro.

Einer Kassiererin, der in einem Supermarkt wenige Cents bei der Abrechnung fehlen, wird gekündigt; sie verliert den Arbeitsplatz, ohne Abfindung, ohne soziale Absicherung. Es ist soweit gekommen, daß die Arbeitnehmer in unserem Staat der Bundesrepublik rechtlos sind und der Willkür der Arbeitgeber ausgeliefert, zu Sklaven wurden. Wo bleibt der Staat mit der Verantwortung den Bürgern gegenüber? Sollte ein einfacher Bürger sich eines Vergehens schuldig machen, wird er bestimmt zur Verantwortung gezogen; Abgeordnete und Beamte, die Fehlentscheidungen mit großen volkswirtschaftlichen Schäden verursachen, werden nicht zur Verantwortung gezogen. Im Gegenteil: Bei Ausscheiden aus dem Amt erhalten sie noch eine hohe Abfindung und eine hohe Pension.

Ich mache mir große Sorgen um meine Kinder und Enkel, die in dieser Gesellschaft Ausbeutungsobjekte sind, ja wie Sklaven behandelt werden, die ihre Arbeit verrichten, für einen geringen Lohn und dann noch Monate, bis zu einem halben Jahr im Lohnrückstand bleiben.

Das Gesundheitswesen ist unbedingt reformbedürftig. Wir brauchen nicht die große Anzahl von Krankenkassen. Die Wasserköpfe dieser Einrichtungen verschlingen einen Großteil der Beiträge der Versicherungsnehmer; es können große Summen eingespart werden, die für Patienten und Bedürftige zum Beispiel für Kinder von Hartz-vier-Empfängern zur Befreiung von Zahlungen für Arzneimittel. Es wird viel über Kinderarmut gesprochen, aber viel zu wenig dagegen getan!

Die Milliardenverluste, die Bänker verursacht haben, muß nun das Volk wieder erwirtschaften, und es wird mit Steuern sowie mit Preiserhöhungen aller notwendigen Waren fürs Leben belastet.

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, bitte nehmen Sie Kraft Ihres Amtes Einfluß auf eine gerechte Gesellschaft. Zum Wohle des ganzen Volkes, dazu gehören auch die Minderbemittelten, die so genannten „Unterschichten“.

Ihrer Antwort zu meinem Schreiben sehe ich erwartungsvoll entgegen.
   gez. Gerhard Kitschke


UDH Nr. 90

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