BGD - Bund für Gesamtdeutschland

Unsere Deutsche Heimat

Ausgabe 93  ¦  Mai – August 2010


Marceli Reich Ranicki

Hätte er doch lieber geschwiegen…. Es ist mir nicht bekannt, nach welchen Kriterien manche Menschen vorgeschlagen werden für eine Ehrung oder Preisverleihung. Würde es sich um eine deutsche Person handeln, man würde seine Vergangenheit wenigstens bis zu seiner Geburt prüfen, bei verschiedenen anderen Personen ist man großzügiger. Doch, auch in einer guten Demokratie sollte man nicht mit zweierlei Maß messen und auch bei einer „Auszeichnung“ den Menschen, nicht einen Namen auszeichnen oder ehren. Dafür sollte man schon nach der Vergangenheit urteilen.

Es bleibt jedem überlassen, ob er die Meinung glaubt oder nicht, es ist jedem freigestellt ob er diese Meinung teilt oder nicht. Wer austeilt, der muß auch „einstecken“ können; der Titel ist dabei nicht maßgebend. Auch das Alter sollte für eine Beurteilung nicht so sehr in Betracht gezogen werden. Seine Meinung, die er einmal ausgesprochen hat, hätte besser „verstanden“ werden müssen. Hier irrte er als er sgte: „Was geht denn die Deutschen an, was ich in fremden Diensten getan habe?“

Wer aber beurteilen wollte, worum es sich hier gehandelt hat, der sollte schon vor Jahren in das Land fahren, in dem sich einiges abgespielt hat. Gemeint sind hier nur zwei Orte, wo heute Mahnmale für die Opfer stehen. Gemeint ist Lamsdorf/Oberschlesien und das Vernichtungslager Zgoda (Swientochlowitz). Dort konnte man sich mit den Menschen (erst nach 1990) unterhalten, die sich dort getroffen haben, um über ihre Haftzeit, oder über ihre Familienangehörigen, die in diesen Lagern umgekommen sind weil sie Deutsche waren. Sie legten vor diesen Mahnmalen Blumen nieder, um der Opfer zu gedenken. Dort finden auch heute Gedenkveranstaltungen statt. Auch ich war einige Male vor diesen Gedenktafeln, da auch mein Vater in einem dieser Lager war. Er hatte aber Glück, da er Tischler und Zimmermann war und als „Fachmann“ in andere Arbeitslager verlegt wurde.

Hier sollte Herr Reich-Ranicki, auch im fortgeschrittenen Alter, nachdenken, daß er ein Rad dieses „Getriebes“ war. Hätte er die erste Ehrung oder Auszeichnung abgelehnt und die nächsten auch, ich hätte Achtung vor diesem Menschen gehabt, denn damals war die Zeit sehr turbulent und sehr ungerecht. Heute aber sein „Ich“ auf die Waage zu werfen, ist nicht sehr ehrlich und fein.

Über diese Sendung, wo Herr Reich-Ranicki die Ehrung nicht angenommen hat, möchte ich mich nicht äußern; viele Köche verderben den Brei.

Vor längerer Zeit hat man sich für Marceli Reich-Ranicki auch in Polen interessiert, da in diesen Lagern auch polnische Staatsbürger, wenn auch mit deutschen Namen, umgekommen sind. Man ließ diese Angelegenheit fallen, denn mit einer Auslieferung war nicht zu rechnen. Neben der Gedenktafel in deutscher und polnischer Sprache steht ein schlichtes Holzkreuz mit einem Stacheldrahtring und einer Inschrift nur in polnischer Sprache.

Übersetzung: Hier ruhen vom Leben befreit im Jahre 1945 Gefangene des Arbeitslagers „Zgoda“ in Swientochlowitz.

Wir Deutsche haben eine besonders glückliche Hand, Menschen, die uns nicht gut gesonnen waren oder sind zu „ehren“ oder „auszuzeichnen“, ohne deren Vergangenheit zu prüfen; deren Aufzählung soll hier nicht erfolgen. Genug Beweise sind in der Literatur nachzuschlagen, leider sind manche Bücher bis heute noch nicht in die deutsche Sprache übersetzt, gemeint sind hier auch polnische Ausgaben.

Florian Mierzwa


UDH Nr. 93

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