BGD - Bund für Gesamtdeutschland

Unsere Deutsche Heimat

Ausgabe 93  ¦  Mai – August 2010


Offener Brief

Personalnot in deutschen Alten- und Pflegeheimen

Friedrich Kurreck
Heidenheim, den 19. 03 2010

An
den Deutschen Bundestag
Ressort Alten- und Pflegeheime
10000 Berlin

Betr.:
Personalnot in deutschen Alten- und Pflegeheimen

Sehr geehrte Damen und Herren,
im sechsundneunzigsten Lebensjahr stehend hat ein doppelter Beckenbruch mich von Offenbach am Main nach Heidenheim an der Brenz verschlagen, wo meine Tochter wohnt.

Hier bin ich im Alten- und Pflegeheim Lindenhof gut untergebracht. Das Personal ist freundlich, zuvorkommend und allzeit hilfsbereit, wegen Personalmangel aber stark überfordert. Was ich, der einst vom ersten bis zum letzten Kriegstag im Kampfeinsatz an der Front stand und der bis zur “bedingungslosen“ Kapitulation bis zur letzten Patrone für sein Vaterland kämpfte, das damals auf der Tagesordnung unserer „neidischen“ Nachbarn zur Vernichtung anstand, dieses Mal aber zur „endgültigen“ Vernichtung, heute im hohen Alter zu beanstanden habe, ist, daß unsere heutigen Kriegseinsätze für die Interessen einstiger Feindstaaten, vor allem für die Interessen der skrupellosen USA, die uns Kosten von Milliarden und Abermilliarden an Euro bescheren, diese Kosten auch beim Personal der Alten- und Pflegeheime eingespart werden. Im Blick auf die Zahl der Pflegebedürftigen, die durch höhere Lebenserwartung ständig im Steigen begriffen ist, halte ich eine solche Handlungsweise für total hirnrissig. Was kostet uns z. B. unsere Beteiligung am Krieg der Amerikaner gegen Afghanistan, an einem Krieg gegen ein Volk, das uns nie etwas zu Leide getan hat, sondern uns stets freundlich gesinnt war und auch heute (noch) ist? Können Sie mir diesen Betrag nennen? Ihnen müßte er doch bekannt sein. Dieses Geld könnte in eine bessere personelle und materielle Ausstattung der Alten- und Pflegeheime gesteckt werden und ist dann zum Wohle aller Alten, insbesondere unserer Kriegsveteranen, besser verwendet. Können Sie, meine sehr geehrten Damen und Herren Volksvertreter, mir sagen, warum wir unsere Grenzen am Hindukusch zu verteidigen haben, wie Bundesverteidigungsminister Struck einst fabulierte? Weil es uns die USA so befohlen haben? Als Kriegsveteran bitte ich Sie, die Vertreter der Interessen des deutschen Volkes, höflich, sich darum zu bemühen, daß im Deutschen Bundestag unsere Interessen vorrangig behandelt werden, die Belange unserer ehemaligen Feinde dagegen unberücksichtigt bleiben, und daß sie künftig der Weisung des Grundgesetzes folgend, „ihre ganze Kraft (nur) zum Wohle des deutschen Volkes einsetzen, seinen Nutzen mehren und Schaden von ihm wenden“.

Es darf doch nicht sein, daß jemand, der in einem Alten- und Pflegeheim das Bedürfnis hat, zu Bett gebracht zu werden, bis an die dreißig Minuten mitunter auch noch mehr — zu warten hat, bis sein Wunsch in Erfüllung geht. Geschieht das nur einmal, so wäre das noch zu vertreten, öfter aber nicht. Es darf auch nicht sein, daß jemand die gleiche Zeit auf dem Clo sitzen bleiben muß, ehe sich jemand seiner erbarmt. Vor allem aber darf es nicht sein, daß man vor der Einnahme „seiner“ Tabletten diese daraufhin überprüfen muß, ob es auch die ihm vom Arzt verordneten Medikamente sind. Alte, die geistig noch fit sind, können das prüfen, nicht aber geistig weniger auf der Höhe stehende Heimbewohner. So erhielt ich an einem Morgen Tabletten in doppelter Menge wie bisher, die nach Befragung dann auf die Hälfte reduziert wurden. Kann ich nun davon ausgehen, daß mir anschließend nur die mir vom Arzt auch verordneten Tabletten verabreicht wurden? Ich hege meine Zweifel. Und: Welche körperlichen Schäden können infolge Einnahme nicht verordneter Arzneien für denjenigen entstehen, der einnimmt, was er nicht einnehmen darf? Und wer kommt letztendlich für die körperlichen Schäden auf, die infolge dieses katastrophalen Personalmangels in Alten- und Pflegeheimen entstehen? Die gehen voll zu Lasten der Gesundheit derer, die die falschen Medikamente schlucken. Sie müssen halt damit fertig werden. Finden Sie solche Mißstände im Gesundheitswesen etwa für vertretbar? Fragen Sie doch mal den Gesundheitsminister Rösler, was er davon hält. Also künftig: Weniger Geld für Bomben und Granaten zur Vernichtung von Menschenleben, dafür umso mehr Geld für die Alten- und Pflegeheime, um unseren Alten ein menschenwürdiges Leben im Alter auch garantieren zu können.

Von folgender Begebenheit möchte ich Sie — der Vollständigkeit halber — auch noch kurz in Kenntnis setzen: Während meines zehntägigen Krankenhausaufenthaltes in den Medizinischen Kliniken in Offenbach am Main, Anfang Dezember 2009, erlebte ich folgendes: Dort erlaubten sich Nachtschwestern, Patienten, die dringend auf die Pfanne mußten und, weil es dringend war, Sturm läuteten, im barschen Ton anzuschnauzen: „Wir werden doch wohl auch mal schlafen dürfen.“ Was soll man von solchen auf hilflose Kranken losgelassenen Schwestern halten, die nicht einmal wissen, was ihre Aufgabe als „Nachtschwester“ ist?

Hätte ich im Kriege, bei nicht minder vorhandenem Schlafbedürfnis, mir einmal die Freiheit genommen, auch einmal „schlafen zu dürfen“, dann würde ich heute bestimmt nicht mehr leben.

Entschuldigen Sie mir bitte, daß ich Sie mit solchen Lappalien überhaupt habe belästigen müssen. Aber es war mir ein dringendes Bedürfnis, den Herren Abgeordneten des Deutschen Bundestages die Augen über derartig unglaubliche Vorfälle zu öffnen, damit sie über den Zustand im sozialen Bereich der Bundesrepublik Deutschland einmal Kenntnis erhalten.

Denn: Wer von ihnen kennt schon diese katastrophalen Mißstände? Ich glaube annehmen zu dürfen, niemand.


UDH Nr. 93

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