BGD - Bund für Gesamtdeutschland

Unsere Deutsche Heimat

Ausgabe 93  ¦  Mai – August 2010


Ostbrandenburg und Niederlausitz

von Manfred Weinholt

Ostbrandenburg, verschiedentlich auch als Neumark bezeichnet, wird der Provinzteil Brandenburgs östlich von Oder und Neiße genannt, der 1945 unter polnische Verwaltung gestellt wurde.

Er umfaßt die Neumark im engeren Sinne, das Land Sternberg (d. h. den östlich der Oder gelegenen Teil des historischen Landes Lebus), das ehemals schlesische Herzogtum Crossen mit Crossen, Bobersberg-Sommerfeld und Züllichau-Schwiebus, die östlichen Teile der niederlausitzischen Stadt- und Landkreise Forst, Guben und Sorau sowie die Posener Kreise Schwerin, Meseritz und Bomst der 1938 aufgelösten Provinz Grenzmark Posen-Westpreußen.

Von größeren Gebietsabtretungen nach dem Ersten Weltkrieg aufgrund der Beschlüsse von Versailles war Brandenburg nicht betroffen. Bis auf die Abgabe eines kleinen unbewohnten Waldgebietes von 0,05 qkm an Polen hatte Brandenburg keine Gebietsverluste hinzunehmen. Verwaltungsmäßig gehörte Ostbrandenburg mit allen Teilgebieten zum Regierungsbezirk Frankfurt/Oder.

Neumark

Die Neumark, nördlich der Warthe gelegen, war vor der deutschen Besiedlung von slawischen Pomoranen bewohnt, die der germanischen Vorbevölkerung gefolgt waren. Bis zur Völkerwanderung war bis auf das Land östlich der Weichsel der gesamte ostdeutsche und ostmitteleuropäische Raum von germanischen Völkern besiedelt, in den nach Abzug der Germanen vom 6. Jahrhundert an slawische Stämme einwanderten. Anfangs pommerscher Besitz, wurde das später Neumark genannte Gebiet zu Beginn des 13. Jahrhunderts vom schlesischen Piastenherzog Heinrich I. erworben und fiel nach Aufgabe der außerschlesischen Besitzungen an Brandenburg. Um 1260 entstand dort die brandenburgische Neumark, die 1297 mit Dramburg und Schivelbein ihren größten Umfang erhielt.

Erst 1815 fielen diese beiden Kreise innerhalb Preußens an Pommern zurück. 1402 wurde die Neumark von Brandenburg an den Deutschen Orden verpfändet und diesem 1429 endgültig überlassen, jedoch 1455 wieder zurückgekauft.

Von 1535 bis 1571 war die Neumark unter einer Nebenlinie der brandenburgischen Hohenzollern von der Kurmark getrennt.

Land Sternberg

Das gesamte, vormals teils sorbisch besiedelte Land Lebus, nicht nur das östlich der Oder gelegene Land Sternberg, war um das Jahr 1000 ein von Großpolen erobertes Gebiet. Das Land Sternberg gehörte wie die Neumark zwei Jahrhunderte später zu den Außenbesitzungen Heinrichs I. von Schlesien. Nach anfänglichem Gemeinschaftsbesitz mit dem Erzbistum Magdeburg kam das Land Sternberg um 1250 unter den Askaniern an Brandenburg.

Niederlausitz

Der lausitzische Anteil Ostbrandenburgs teilt die Geschichte der Niederlausitz. Seit 965 in das von der Saale bis zum Bober und dem Queis reichende Markensystem des Deutschen Reiches einbezogen und anfangs der Ostmark eingegliedert, wurde die spätere Mark Lausitz für knapp drei Jahrzehnte, nämlich von 1002 bis 1005 und erneut von 1007 bis 1031, von Polen erobert. 1018 wurde Polen gezwungen, den Besitz der Lausitz als deutsches Reichslehen anzuerkennen. In den folgenden Jahrhunderten gehörte die Niederlausitz von 1136 bis 1304 den wettinischen Markgrafen von Meißen, Teilgebiete im 13. Jahrhundert auch zum Herrschaftsbereich Heinrichs I. von Schlesien. Von 1304 bis 1367 war die Niederlausitz überwiegend brandenburgisch, der Südosten des Landes hingegen von 1319 bis 1346 im Besitz des schlesischen Herzogs von Jauer, bevor er anschließend böhmisch wurde. 1353 wurde der brandenburgische Teil vorübergehend wettinischer Pfandbesitz, jedoch ohne Senftenberg und die ostbrandenburgischen Gebiete Sorau und Triebet.

Wechselnder Herrschaft unterstand auch das weit in die Lausitz hineinreichende schlesische Ländchen Priebus. Vorher zur Lausitz gehörig, kam das Priebuser Gebiet um 1210 an das schlesische Herzogtum Glogau. Es verblieb dort bis 1319 und gehörte von 1320 bis 1413 wieder zur Niederlausitz. Priebus war von 1320 bis 1346 im Besitz des Herzogs von Jauer und war anschließend unter verschiedenen Herren böhmisch. 1413 kam Priebus an das im selben Jahr vom Herzogtum Glogau getrennte Herzogtum Sagau und verblieb bis 1932 bei diesem neuen Herzogtum und späteren Landkreis. Von 1932 bis 1945 gehörte Priebus zum oberlausitzischen Kreis Rothenburg. Die Herrschaft über Sorau wechselte ebenfalls mehrere Male. So war das Gebiet um 1477 kurzfristiger Pfandbesitz der wettinischen Markgrafen von Meißen, von 1552 bis 1556 Eigentum des Königs von Böhmen und anschließend des Bischofs von Breslau. Es behielt seine Sonderstellung als königliche Standesherrschaft auch nach dem Übergang der Niederlausitz an Preußen.

1367 wurde der brandenburgische Anteil der Niederlausitz böhmisch, nachdem bereits 1346 der Südosten vom schlesischen Herzog von Fauer an Böhmen abgetreten worden war. Die gesamte Lausitz war nun unter einem Herrscher vereinigt.

Von 1397 bis 1411 gehörten die böhmischen Nebenländer dem Markgrafen Jobst von Mähren, bis sie wieder an den böhmischen König zurückfielen.

Die Grenzen der Niederlausitz unterlagen auch in böhmischer Zeit fortlaufenden Veränderungen. Mehrfach wechselten einzelne Herrschaften den Landesherrn. So wurden außer Sorau auch die Länder Beeskow und Storkow 1477 wettinischer Pfandbesitz und kamen 1555 endgültig zu Brandenburg.

1431 unterteilten die Herren von Teupitz ihre Herrschaft dem Kurfürstentum Brandenburg. 1442 besetzte Brandenburg die Herrschaft Peitz und kaufte 1445 und 2455 jeweils die Hälfte der Herrschaft Cottbus.

Nach dem kurzfristigen Pfandbesitz der Niederlausitz durch Brandenburg von 1448 bis 1462 (Frieden von Guben) verblieben als Exklave endgültig nur die Herrschaften Cottbus und Peitz sowie im Norden Teupitz und Bärwalde. Das übrige Gebiet erhielt erneut der König von Böhmen, bis es nach dem Prager Frieden von 1635 an Kursachsen abgetreten wurde.

1815 wurde die Niederlausitz preußisch und kam an die Provinz Brandenburg. Das östliche Gebiet mit Sorau wurde 1945 polnischer Verwaltung unterstellt und der westliche Hauptteil 1952 nach der Auflösung des Landes Brandenburg auf die DDR- Verwaltungsbezirke Frankfurt/Oder und Cottbus aufgeteilt.

Am 22. März 1990 wurde das Land Brandenburg mit geringfügigen Veränderungen wiederhergestellt und ist seit dem 3. Oktober 1990 ein Land der Bundesrepublik Deutschland. Heute erstreckt sich der deutsch verwaltete Teil der Niederlausitz größtenteils über die brandenburgischen Kreise Dahme-Spreewald, Oberspreewald- Lausitz, Spree-Neiße und die kreisfreie Stadt Cottbus, der polnisch verwaltete auf den Bezirk (Woiwodschaft) Lebus.

Herzogtum Crossen

1482 wurde das bislang schlesische Herzogtum Crossen bis auf das nun territorial von Schlesien getrennte Gebiet um Schwiebus an Brandenburg verpfändet und diesem 1537 endgültig überlassen. Bei der 1815 durchgeführten Provinzneubildung kam dann auch die schlesische Exklave Schwiebus zu Brandenburg.

Anteil der Provinz Posen

Die Kreise Schwerin, Meseritz und Bomst gehörten von 1163 bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts zum Herrschaftsbereich der schlesischen Herzöge, fielen 1259 an Polen, wurden 1296 von den brandenburgischen Askaniern erworben und in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts erneut von Polen erobert. 1793 gelangten die Kreise infolge der sog. zweiten polnischen Teilung an Preußen, verblieben dort bis 1807 und kamen anschließend bis 1813 an das napoleonische Herzogtum Warschau. Von 1813 bis 1815 unterstanden die drei Kreise russischer Militärverwaltung, bis sie vom Wiener Kongreß wieder an Preußen gegeben wurden.

Von 1975 bis 1998 bestand der polnisch verwaltete Teil Brandenburgs, abgesehen von dem zum Bezirk Stettin gehörigen kleinen Gebiet um Königsberg, aus Teilgebieten der Bezirke (Woiwodschaften) Landsberg und Grünberg.

Seit der Gebietsreform vom 1. Januar 1999 gehört fast ganz Ostbrandenburg, auch die bis zum 1. Oktober 1938 zur Grenzmark Posen-Westpreußen gehörenden Kreise Schwerin, Meseritz und Bomst, dem Bezirk Lebus (Woiwodschaft „Lebuskie“) an. Hauptstadt ist das schlesische Grünberg. Nur die Kreise Königsberg und Soldin sind dem Bezirk West-Pommern zugehörig. Zum Bezirk Lebus gehört auch Friedeberg, der vormals brandenburgische Kreis, der am 1. Oktober 1938 zu Pommern kam. Zum Bezirk Lebus gehören weiter von Niederschlesien die Altkreise Grünberg, Sprottau mit Sagan, Freystadt, Fraustadt, der nördliche Teil des Kreises Glogau und das östlich der Neiße liegende Gebiet des Kreises Rothenburg. Der erste polnische Regierungsentwurf sah keinen eigenständigen Bezirk für Ostbrandenburg vor. Der Norden sollte an den Bezirk West-Pommern fallen, der mittlere Hauptteil an den Bezirk Großpolen und der Süden an den Bezirk Niederschlesien.

Karte von Ostbrandenburg (15,5 MB, PDF)


UDH Nr. 93

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