BGD - Bund für Gesamtdeutschland

Unsere Deutsche Heimat

Ausgabe 96  ¦  Januar – April 2011


Die alte Heimat

von Amalie Schöller

Weihnachten kam. Vom nahen Osten.

Schritt müde eine alte Frau, schneeweiß das Haar, vom Leid gezeichnet, die Hände welk, das Antlitz grau.

Sie trug ein Bündel auf dem Rücken, stützte sich schwer auf einen Stock, das Kleid genäht aus bunten Flicken und altergrau der dünne Rock.

Als sie so müde schritt des Weges, da sprach sie an ein junger Mann. Oh Mütterlein, woher des Weges, wo gehst du hin, wie ist dein Name?

Ich bin die Heimat, sprach die Alte. Will drüben geh'n von Stadt zu Stadt. Will suchen alle meine Kinder, die man dereinst vertrieben hat.

Man hat mir alles abgenommen, die Städte, Dörfer und den Wald, die Berge, Flüsse und die Seen, der Kummer macht mich krank und alt.

Und alle Menschen, die mich lieben, sie sind zerstreut in aller Welt, und viele sind zurückgeblieben, von roher Hand zu Tod gequält.

Auch die bist einer von den Meinen, ich habe dich sofort erkannt. Geh heim und grüße mir die Deinen, von ihrem alten Heimatland.

Da fiel der Jüngling vor ihr nieder und küsste ihres Kleides Saum: „Oh Heimat, dich vergess ich nimmer, du meiner Kindheit schönster Traum“.

Und leuchtet uns in dunklen Nächten, Advent mit seinem Kerzenschein, dann zieht in unser aller Herzen, die alte Heimat ein.

Sie steht vor uns, zerstört, zerrissen, doch ewig neu und ewig jung. Mit ihrem Brauchtum, ihren Sitten, bleibt sie uns in Erinnerung.

Sie mahnt uns Treue ihr zu halten — in ihren Liedern, ihrem Wort, in tausend ewigen Gestalten, lebt sie für immer in uns fort.

Und schlägt man dir auch tiefe Wunden, bleibt uns're Liebe doch besteh'n. Wir bleiben, Heimat Dir verbunden und möchten Dich einst wiederseh'n.

Amalie Schöller


UDH Nr. 96

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