BGD - Bund für Gesamtdeutschland

Unsere Deutsche Heimat

Ausgabe 96  ¦  Januar – April 2011


„Im Traum des Erfinders kündet sich die neue Zeit an“

(Alfred Rosenberg, 1893-1946; ermordet)

Es war im Jahre 1950, vielleicht 1949, da fuhren wir im Bus. Erich Jäger und ich. Mit ihm musizierte ich. Er Klavier, ich Geige. So z.B. die e-moll/ Sonatine von Paganini, mit der ich mich an der staatlichen Hochschule für Musik in Frankfurt am Main bewarb. Die Prüfer ein Professor Davidson und Lewinski. Ja, ich wurde genommen, mußte aber in die Adler-Werke als kaufmännischer Stift. Diese Arbeit beendete ich nach einem Jahr.

Aber zur eigentlichen Sache. Wir, Erich und ich, sprachen über die Zukunft. Mein Wunschziel war, „Erfinder“ zu werden oder zu sein. Ich weiß es nicht mehr genau. Jedenfalls entgegnete mir Erich: „Ach, es ist doch schon alles erfunden.“ Diese Aussage ging mir bis heute nach. Und es ist interessant, daß es Ereignisse gibt, die „ewig“ schmoren — bis sie dann, wie eben jetzt im September 2010, verarbeitet werden. Wieso sagte der gute Freund, es sei „alles schon erfunden“? Heißt doch „Erfinden“ aus der Nacht schöpfen, der Dunkelheit. Welches aber sind die Motive, der Nacht etwas zu entreißen, das nicht vorhanden ist, das es gar nicht gibt? Den neuen Gedanken zu kreieren aus dem völligen Nichts? Wirklich aus dem Nichts? Der Erfinder hat der Welt das Wesentlichste voraus. Es ist zunächst nicht der Wille, sondern ein Wunsch, der Instinkt heißt. Der Neandertaler in seiner Höhle hat gewißlich nicht von einem Fernseher geträumt, das wäre doch etwas zu weit hergeholt. Aber ich bringe ein einfaches Beispiel aus meinen Experimenten im Klavierbau: Es ist allgemein bekannt, daß Klaviere sich verstimmen und darum öfter neu gestimmt werden müssen. Zunächst hat der Tatbestand mich geärgert. Und dann dachte ich: Es wäre ein Stimmwirbel zu erfinden, den der Saitenzug selber festzieht, und je stärker der Zug, umso fester! Paradox? Mir ist es gelungen. Aber ich gebe mein Geheimnis hier nicht preis! Letztendlich ärgerte ich mich, daß ich erst jetzt nach so viel Jahren drauf gekommen bin, sagte mir aber: Die Klavierindustrie ist ja bis dato nicht drauf gekommen. Das Geheimnis liegt in einem geometrischen Trick so simpel, daß man staunen müßte. Aber wie bei allen genialen Erfindungen ist es so, daß der Beurteiler sagt: „Ist ja alles logisch und einfach“. Instinkt — das ist zunächst eine Wunschvorstellung, vielleicht ein Spaß! Aber Intelligenz muß dabei sein, sonst funktioniert gar nichts. Was heißt „Intelligenz“?

Die deutsche Übersetzung ist „Einsicht.“ Also „einsehen.“ Und „Einsehen“ ist sowohl passiv als auch aktiv. Passiv bedeutet, eine Sache vorurteilslos aufzunehmen. Und da sind wir bei einem großen Problem. Es gibt nur ganz wenige Menschen, die ohne Vorurteil sind. Vorurteil bedeutet Argwohn, vielleicht Neid und Vorverurteilung aus den vielfältigsten Gründen. So bedeutet die aktive Seite der Intelligenz, sich mit dem Neuen auch zu beschäftigen. Dem steht zumeist die Vorverurteilung im Wege. Um es krass auszudrücken: Was kann denn „von dem“ schon kommen! Dabei spielt das historische Bewußtsein, das zumeist gering ausgebildet ist, die Hauptrolle. Welcher Normalbürger weiß denn, welcher Aufwand es ist, an einer neuen Sache zu arbeiten, zu probieren, wieder zu verwerfen und wieder neu anzufangen, wobei den meisten längst die Geduld vergangen wäre? Natürlich gibt es große Beispiele in der Geschichte. Aber “groß“ sind die Männer ja erst im Nachhinein und nach mühsamen Kämpfen. Dem Nürnberger Erfinder der Taschenuhr, Peter Henlein, passierte es, daß seine Frau das „Ei“, als sie hörte, es tickt nicht, wütend in eine Ecke schmiß. Der Friedrichsdorfer Philipp Reis, der mit 41 Jahren an Tbc starb, hat seine Erfindung der Post und einigen Bankern vorgestellt; die einhellige Meinung: „Spielerei!“ Gemeint ist das Telephon, das der Amerikaner Graham Bell schließlich „auswertete“.

Den Kosmos gibt es schließlich zweimal. Einmal als das All, wie wir es kennen, und dann in der Funktion des Gehirns. Hier schafft sich Welt neu in Instinkt, Wunsch, Traum und Erkennen. Über das Wesen der Welt, der Schöpferkraft, war sich der Schulfreund damals absolut nicht im klaren, als er sagte: „Es ist doch schon alles erfunden.“ Große Versäumnisse haben die Schulen, indem sie nicht imstande sind, über das Wesen der Schöpferkraft aufzuklären. Wie haben wir nach dem Kriege 1945 jene amerikanischen Filme verschlungen, die echt gut waren, Jugend und Leben großer Erfinder in Spielfilmen darzustellen, die Entdecker natürlich nicht ausgenommen. Drum bin ich, für viele unverständlich, wütend, wenn ich sehe, was die TV's an minderwertigem Zeug, zumeist! , über die junge Generation auskübeln. Da waren Filme wie „Edison“, „Paganini“ mit Stewart Granger, oder „Zauber der Musik.“ Nimm das so hin, wie ich es hier schreibe, junger Mensch. Du kannst es ja doch nicht nachempfinden!

Erfindungen betreffen ja nicht nur das Technische! Auf musikalischem Gebiete sind sie ebenbürtig, ja, der Bedeutung der Musik gemäß noch größer. Geh 300 Jahre zurück, da gab es noch keinen Gustav Mahler, noch keinen Nicolo Paganini! Und doch lagen beide schon in der Luft. Sie mußten „nur“ geboren werden! Höre die sechs Violinkonzerte Paganinis. Du „kennst“, sozusagen, alle die Melodien, obwohl Du sie vorher nie gehört hast. Seine Melodien sind ja keine „Spielereien“. Sie sind wiedergegebene Empfindungen, drum wirken sie so überzeugend. Ihre Mannigfaltigkeit ist, so empfinde ich es, weitaus größer als die eines Wolfgang Amadeus Mozart. Du bist ergriffen von Paganinis Musik und hast gleichzeitig das Gefühl: “Natürlich, kenne ich doch“, weil die Seele zur Seele schwingt. Mit Mahlers Sinfonien das gleiche. Die Sinfonie „Der Titan“. Hier brechen Welten auf. Hier wird Nacht zum Tage. Vorher war die Musik nicht da. Und doch war sie da! Natürlich Anton Bruckner nicht zu vergessen (z.B. die 7.Sinfonie). Und so sind es immer einzelne dieser Koryphäen, die wie Sterne in der Nacht leuchten und die Welt weiterbringen.

28. September 2010
Eckhard Schäfer
Klavierstimmer
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Das BAUHAUS-Klavier (Giraffe) von R.A.E. Schäfer
Die Baushausbewegung: Innovationen ohne Konventionenbindung


UDH Nr. 96

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