BGD - Bund für Gesamtdeutschland

Unsere Deutsche Heimat

Ausgabe 97  ¦  Mai – August 2011


Was haben die Landtagswahlen mit Japan zu tun?

Es sind mal wieder Wahlen im teil­vereinigten Deutschland angesagt. Wie jedesmal vor diesen Veran­staltungen hört man großmundige Versprechungen von allen Seiten. Die einen versprechen uns „blühende Landschaften“ und eine „strahlende Zukunft“, die anderen die „reine Lehre vom Kommunismus“ und wieder andere eine „grüne Umwelt­politik vom Feinsten“.

Und nun kommt zu dieser Zeit der großen Versprechungen die Natur­katastrophe im fernen Japan dazwischen und bringt die heile Wahl­versprechungs­welt durch­einander. Jetzt sind die Wahlkampf­tourenden gefragt; es ist doch Wahl, und sie wollen ihre Macht erhalten oder wollen sie erringen.

Zuerst ist es „nur“ eine Natur­katastrophe, aber dann geschieht das Unfaßbare. Für die Strahlemänner und Frauen in der Regierung in Berlin, die mit der Laufzeit­verlängerung der alten AKWs und dem „C“ und „F“ im Namen, bricht plötzlich eine Welt zusammen.

Gestern wurde noch im Wahlkampf gesagt: Unsere AKWs sind sicher und können noch sehr lange laufen, plötzlich ein Moratorium zur Überprüfung und vorläufiger Abschaltung von den alten AKWs.

Um es direkt am Anfang zu sagen, diese schwere Natur­katastrophe kann sich hier so nicht wiederholen und ich möchte auch nicht einen wissen­schaftlichen Vortrag zur Kernenergie halten.

Was war hier passiert? Zuerst wurden vor einigen Wochen die Laufzeiten der deutschen AKWs, gegen den Widerstand eines großen Teils der Bevölkerung verlängert. Der Umbau der Energie­wirtschaft auf erneuerbare Energien wurde uns wieder einmal versprochen. Aber wann — das wurde uns nicht mitgeteilt. Die Endlagerfrage kam auch wieder ins Spiel: Wohin mit dem strahlenden Müll? Asse oder Gorleben war die Frage. Die Asse schied aus, weil sie, laienhaft ausgedrückt, undicht ist. Gorleben, der Salzstock? Die Bundes­regierung favorisierte wieder einmal Gorleben und ließ weiter prüfen. Die Bewohner des Wendlandes wehrten sich heftig, als wieder neue strahlende Transporte aus Frankreich kamen. Die Minister­präsidenten von Bayern und Baden-Württemberg wehrten sich heftig, als Geologen vorschlugen, insbesondere in Bayern geeignete Endlager zu erforschen. Sie wollten ihre Landschaft nicht mit diesem Müll belasten. Es wurde fleißig weiter gemacht wie zuvor. Die Regierungschefs fühlten sich schon sicher, daß sie die bevorstehenden Wahlen heil überstehen könnten.

Und dann kam die Atomkatastrophe in Fukushima nach dem Tsunami in Japan. Es ist doch Wahlkampf und noch die heiße Phase; guter Rat war teuer. Tagelang keine Antwort auf die Sicherheit der deutschen AKWs. Dann wie aus heiterem Himmel die „Erleuchtung“ der Machthaber in Deutschland. Ein Moratorium, eine Aussetzung der Verlängerung und Abschaltung von sieben alten AKWs in Deutschland. Der Rest wird einer genauen Prüfung unterzogen. Nun, meinten sie, ist alles „in Butter“ und sie könnten weiter Wahlkampf machen. Eine alte Forderung der SPD und den „Grünen“ schien erfüllt.

Mitnichten, die wollten den sofortigen Ausstieg aus der Kernenergie und hoffen beim Wähler damit zu punkten. Sie haben es geschafft. In Baden-Württemberg wird es erstmals seit 58 Jahren einen Machtwechsel geben. Der neue Minister­präsident wird ein Grüner sein. Menschlich ist er sympathisch, hoffentlich kann er halten, was er verspricht, und alle AKWs im Ländle werden abgeschaltet. Zum Wohle der ganzen Menschen und zum Wohle der Umwelt.

Die Umwelt braucht den Menschen nicht, aber der Mensch die Umwelt.

Die Atomlobby und die Regierung in Berlin haben einen starken Dämpfer bekommen. Die Regierung muß sich überlegen, gegen Volkeswillen zu regieren oder für das Wohl des Volkes, wie sie es im Amtseid geschworen haben. Hat Brüderle doch recht gehabt mit seiner Äußerung, es sei alles nur Wahlkampf­taktisch? Das werden wir in den nächsten Monaten sehen, was in Berlin und Stuttgart passiert.

Wird bald aus dieser unbeherrsch­baren Technik ausgestiegen oder nicht?

Deutschland war in vielen Dingen Vorreiter für neue Technologien in der Welt; machen wir den Anfang mit den erneuerbaren Energien. Unsere Wissen­schaftler haben nun die große Chance, etwas Neues zu entwickeln und auf Altem aufzubauen.

Wenn in Deutschland abgeschaltet wird, geht zwar nicht das Licht aus, aber um uns herum in Frankreich und insbesondere im Sudetenland stehen gefährliche Meiler. Brauchen wir dann hier auch „Wegwerf­arbeiter“ wie die 20 Freiwilligen in Fukushima einmal in den Nachrichten genannt wurden?

In diesem Punkt brauchen wir wirklich eine europäische Lösung — auch und im Besonderen zur Schaffung von alternativen Energien. Die Nord- und Ostsee­anrainer haben den Wind, Flüsse haben wir alle für Flußturbinen, der Süden hat die Sonne, Erdwärme gibt es in der Pfalz in geringen Tiefen, Landwirtschaft für Biokraftwerke gibt es überall. Das Fraunhofer-Institut forscht an Kombi­kraftwerken und Speicheranlagen für Energie, wie z. B. durch Wasser­speicher, die bei Bedarf zugeschaltet werden können. Auch wir selbst können was machen: Sparen wir soviel Strom wie nötig und zeigen der Atomlobby die rote Karte.

Das wäre im wahrsten Sinne des Wortes eine strahlende Zukunft, die wir unseren Kindern hinterlassen könnten. Auch der Verfasser war einmal ein Anhänger der Kernkraft, steht dieser aber zwischen­zeitlich sehr kritisch gegenüber.

Es waren Wahlen in Deutschland, und jeder versuchte, das Beste aus Fukushima zumachen. Ein Schelm, der dabei Böses denkt, oder ?!

Steigen wir endlich aus, das Gebot der Stunde! Wir wollen kein Fukushima hier und auch nicht in Europa.

Ich bin beileibe nicht zu einem Grünen oder Roten mutiert, ich mache mir nur Gedanken um die Zukunft unserer Kinder und um Deutschland, unserer angestammten Heimat.

Ihr Wolfgang Maikranz,
stellvertretender Bundesvorsitzender


UDH Nr. 97

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