BGD - Bund für Gesamtdeutschland

Unsere Deutsche Heimat

Ausgabe 97  ¦  Mai – August 2011


Pommernreise 15. — 22. August 2010

Bernd v. Knebel Doeberitz, Kleine Heide 2, 31737 Rinteln-Strücken Tel. 05751 / 445357


Wir trafen uns alle am 15. August in Eberswalde bei der Tochter unseres ehemaligen Försters König aus Groß Grünow, die uns mit Streuselkuchen und Kaffee empfing und gute Reise nach Pommern wünschte. Sie hatte mit ihrer Familie im Frühling im jetzt von uns gebuchten Quartier am Zetzinsee „Rancho w dolinie“ übernachtet.

Am 16. August konnten wir zu Fuß am Zetzinsee das Elternhaus ansehen, in dem unser Mitreisender Horst Schmidt geboren ist. Die jetzigen Eigentümer wußten von dem Vorhaben und hatten den Schlüssel unserem Hotelier leihweise übergeben.

Es war für ihn eine große Freude, da er das Haus bisher nicht von innen besichtigen konnte.


v. Knebel Doeberitz
Dietersdorf (Bobrowo)

Schloß Dietersdorf

Sehr gut gepflegt ist das mit Kindern belegte Schloß. Die Innenausstattung, neue Betten, Stühle und Unterrichtsmaterial, entsprechen westlichem Standard.

Der Park ist auch sehr gut gepflegt, und alter Baumbestand wurde erhalten.

Auf dem Hof nebenan konnten wir den Schweinestall besichtigen. Pferde und Kühe sahen wir nicht. Nur Landmaschinen standen auf dem Hof. Der Sohn des Eigentümers im Büro hatte wenig Zeit, da gerade Erntezeit war.

Auf Grund fehlender Polnischkenntnisse konnten wir uns jedoch nicht unterhalten.

Schloß Dietersdorf Schloß Dietersdorf

Zülshagen (Suliszewo)

Schloß Zülshagen

Das Geburtshaus meines Vaters Hasso (geb. am 28 12.1893) ist heute eine Schule. Vor der Hauswand stand eine Steintafel mit unserem Wappen. Wir konnten das Gebäude nicht besichtigen, da Ferien waren. Äußerlich ist es gut gepflegt mit rosafarbenem Anstrich!

Schloß Zülshagen Schloß Zülshagen

Rosenhöh (Slowianki)

Schloß ?

Es ist äußerlich ziemlich verkommen, auch der Pferdestall. Es fehlt die äußere und innere Renovierung seit mehr als 40 Jahren! Die Grabsteine meiner Großeltern stehen im Park.

Der im polnischen Grundbuch eingetragene „Besitzer“ hatte seine Freunde aus Lodz eingeladen und seine Mutter verweigerte mir sehr ernstlich den Zutritt ins Gebäude.

Nur mein Wort „Foto“ machte es möglich, aus dem ersten Stock doch noch eine Aufnahme Richtung Zetzinsee zu machen. Den See selbst sieht man auf Grund der hoch gewachsenen Bäume nicht mehr.

Eine Dolmetscherin und 2 Herren von Teen Challenge Polen waren wie verabredet zur Stelle.

Es fand aber nur vor dem Haupteingang eine Diskussion statt mit dem Ergebnis: Man wäre bereit, 250.000,– Euro in die Renovierung zu investieren, wenn die Eigentumsfrage geklärt sei. Die Mutter des „Besitzers“ hatte von ihrem Sohn aus Kanada den Auftrag, uns den Kaufpreis von 1.000.000,– Euro zu nennen.


Friedrichsdorf (Darskowo)

Schloß ?

Das Schloß ist gut erhalten und mit kranken, alten und behinderten Menschen belegt.

Auch der Park und der Hof machten einen sehr ordentlichen Eindruck. Man konnte jedoch mit niemandem sprechen. Der Zugang zum Schloß wird nicht mehr kontrolliert. Schön anzusehen ist ein großes Schild vor dem Schloß, welches die Geschichte unserer Familie in deutscher und in polnischer Sprache wiedergibt. Die dazugehörige Kirche wurde von meinen Verwandten renoviert.


Gr. Grünow (Gronowo)

(Das Schloß wurde 1945 zerstört.)

Schloß Grünow ?

Der Eigentümer Herr Nowak und seine Frau haben uns pünktlich sehr freundlich empfangen und uns sowohl Privat-Gästehaus, Tennishalle, Pferdestall, Forellenzucht, neue Maschinenscheune und das riesige Freigehege mit 700 Stück Damwild gezeigt. Das damalige Krebsflies wurde umgeleitet, damit ein Forellenteich entstehen konnte. Der angelegte ein- und auszuschaltende, kleine Wasserfall auf dem neu gepflasterten Hof ist Herrn Nowaks besondere Erfindung. Ein großes Motorrad und die gummibereifte Kutsche scheinen sein Hobby zu sein.

Zum Abschied stellte er eine Tafel aus dünnem Metall (ca. 50 x 50 cm) mit unserem Wappen an die Hauswand mit dem Hinweis: „mitnehmen!“ Er hatte dieses antike Andenken für einen Liter Schnaps auf dem Trödelmarkt Falkenburg eingetauscht! Zum Mitnehmen fehlte mir jedoch der Platz im Auto und Herr Nowak versprach, diese Tafel an dem dritten, noch in Planung bestehenden Haus anzubringen, auf dem Platz, wo damals das Gutshaus stand.

Ehepaar Nowak, in Falkenburg geboren, hatten vor einigen Jahren eine Fahrradtour nach Grünow unternommen und an dem Teich (wo die alte Schmiede stand) eine Idee. Hier wollte er mit seiner Familie seinen Traum der Romantik erfüllen. Das ist ihm wirklich gelungen, ein hervorragender Beweis, wie sich Polen aufbauwillig mit Liebe eine neue Existenz suchten. Sie möchten weiterhin die Verbindung zu mir und meinen Freunden pflegen, ohne Vorbehalte oder politische Feindgedanken! Das gilt auf beiden Seiten. Massentourismus dagegen möchten Nowaks dort nicht. Die beiden Söhne, Rechtsanwalt und Bauingenieur, wohnen auch dort und teilweise in seinem zweiten Besitz, einem Flachbungalow in Falkenburg. In Grünow befinden sich zwei weitere Häuser (für seine Angestellten) im Bau. Im Dorf besuchten wir Mira, eine Deutsche, die ihre Mutter Lidia kürzlich beerdigen mußte.

Ich konnte auch vermitteln, daß sie zwei Herrn vom Johanniterorden (v. Diest) besuchten und eine finanzielle Unterstützung sowie Kleider brachten, so wie meine Freunde und ich es ebenfalls taten. Zum Besuch der erhaltenen kleinen Kirche, in der ich getauft wurde, war leider keine Zeit, da wir zum Abendessen in unserem Quartier erwartet wurden.

Reisegruppe in Drunowo ?

Gersdorf (Gawroniec)

Dieser Besitz gehörte früher der Gräfin v. Arnim, geb. v. Knebel-Doeberitz, und ist heute ein landwirtschaftliches Lohnunternehmen. Das Haus ist gut erhalten, ebenso die Rundkirche, die leider abgeschlossen war.


Bruchhoff (Wasosz)

Dieses Schloß gehörte früher der Familie v. Grünberg und ist heute ein Hotel. Es war aber kein Gast zu sehen, nur eine Frau im Haus, die uns Kaffee brachte. Wir durften anschließend die Zimmer besichtigen. Die Vermietung hat eine Berliner Firma übernommen.


Teschendorf (Cieszyno)

Das Schloss gehörte der Familie v. Gordon. Es waren keine Anzeichen von Gästen zu sehen, obwohl uns ein „Hausmeister“ (?) rührend alles zeigte — leere Zimmer, leere Säle und dunkle Möbel wie auch die Treppe im Eingang zum 1. Stock, kaputte Fensterscheiben im Speisesaal und schlechte Luft in den Räumen. Nicht empfehlenswert!


Heinrichsdorf (Siemezyno)

Früher v. d. Goltz und v. Arnim und v. Bredow bis 1945. Ein Pole aus Kolberg hat es gekauft und ist dabei, das Schloß total zu renovieren und zu einem Museum zu machen. Er betreibt ein gutes Geschäft mit Back- und Küchenmaschinen und hat zwei nette Söhne, welche die die Führung machen. Bereits vorhanden waren ein Anbau mit ca. 10 Zimmern sowie daneben ein großer Saal mit Restaurant. Man arbeitet noch deutlich sichtbar an der Vollendung.

(Siehe auch Seiten 111-113 im Buch von Dr. Neuschäffer „Schlösser und Herrenhäuser in Hinterpommern“, sowie nachzulesen in „Schlösser und Herrenhäuser“ polnisch/deutsche Ausgabe 2006 ISBN Nr. 83-916790-9-8 und 978-83- 916790-9-8 Landesarchiv Greifswald.)


Mittelfelde (zerstört)

Dieser Besitz war Eigentum der Familie v. Brockhausen. Leider stellten meine Mitreisenden: v. Berg und Kobs fest, daß hier nur noch Trümmer zu finden sind. Ein trauriger Anblick, selbst vom Friedhof keine Spur!


Haseleu (Orle)

Dieser Besitz gehörte der Familie v. Alten, Vater von Cord v. Alten, der bei Hannover lebt. Leider waren Kirche und Grabstätten nicht mehr erhalten. Mein Mitreisender Jobst v. Alten-Dunau war 1997 zuletzt dort. Wir trafen einen deutschen, 85jährigen Mann, der mit seiner Familie in den alten Bauernhofgebäuden lebt und 12 Hektar Land bewirtschaftet. Er lud uns zu einem Kaffee und Gebäck in seinen Garten ein.

Seine kranke Frau und er selbst konnten sich an den Namen v. Alten noch erinnern.


Lekow (Lekowo) früher Familie Cleve

Die neuen Besitzer, Dr. Sinapius, haben uns an zwei Tagen sehr nett bewirtet, Orgelkonzert in der Kapelle sowie Klavier- und Gesangseinlagen beim gemütlichen Abend im Schloß sowie Führung durch das Schloß und Besichtigung des Parks mit See inbegriffen. Zum Abschied konnte ich vor dem Frühstück mit dem Senior der Familie im See baden.

Nähere Angaben dazu: www.schloss-lekow.de oder Tel. 02223-24932 (Königswinter).

Am letzten Tag zeigten uns die Gastgeber in dortiger Umgebung von Schivelbein die verfallenen Schlösser der Familie Henning v. Borke:

Stargordt (Starogord) eine Ruine.

Molstow (Molstowo) eine Ruine; Verwandtschaft zu Adda Gräfin Krockow.

Semerow eine Ruine; früher Besitzer: Major Claus Wolf Neumann.

Bottenhagen eine Ruine; früher zu Lekow gehörend; dort lebte Anna Cleve, geb. v. Sommerfeld.

Wegen diesen traurigen Erinnerungen, die wir zum Schluß unserer Reise zu sehen bekamen, kann man geteilter Meinung sein über die Bemühungen einer deutsch-polnischen Freundschaft. Es ist auf beiden Seiten Vergebung im christlichen Sinne notwendig, wie auch Aufbaubereitschaft durch richtige Handlungen von Politik und Wirtschaft.

Bernd v. Knebel-Doeberitz


UDH Nr. 97

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