BGD - Bund für Gesamtdeutschland

Unsere Deutsche Heimat

Ausgabe 97  ¦  Mai – August 2011



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Simon Dach begegnete der Pfarrerstocher Anna („Ännchen“) Neander auf einer Fähre — so erzählt man sich. Er soll von ihrer Schönheit so betört gewesen sein, daß sie ihm nicht mehr aus dem Kopf ging. Als sie später den Pfarrer Johannes Protatius heiratete, schrieb er ein Hochzeitsgedicht für sie. Sein Freund Heinrich Albert, Domorganist und Komponist zu Königsberg, vertonte das Gedicht. Allerdings anders, als wir es heute kennen. Die heute weltweit bekannte Melodie stammt von Friedrich Silcher.


Ännchen von Tharau

von Simon Dach

Ännchen von Tharau ist's, die mir gefällt,
Sie ist mein Leben, mein Gut und mein Geld.

Ännchen von Tharau hat wieder ihr Herz
Auf mich gerichtet in Lieb und in Schmerz.

Ännchen von Tharau, mein Reichthum, mein Gut,
Du meine Seele, mein Fleisch und mein Blut!

Käm alles Wetter gleich auf uns zu schlahn,
Wir sind gesinnet bei einander zu stahn.

Krankheit, Verfolgung, Betrübnis und Pein
Soll unsrer Liebe Verknotigung sein.

Recht als ein Palmenbaum über sich steigt,
Je mehr ihn Hagel und Regen anficht;

So wird die Lieb' in uns mächtig und groß
Durch Kreuz, durch Leiden, durch allerlei Noth.

Würdest du gleich einmal von mir getrennt,
Lebtest, da wo man die Sonne kaum kennt;

Ich will dir folgen durch Wälder, durch Meer,
Durch Eis, durch Kerker, durch feindliches Heer.

Ännchen von Tharau, mein Licht, meine Sonn,
Mein Leben schließ' ich um deines herum.

Was ich gebiete, wird von dir getan,
Was ich verbiete, das lässt du mir stahn.

Was hat die Liebe doch für ein Bestand,
Wo nicht ein Herz ist, ein Mund, eine Hand?

Wo man sich peiniget, zanket und schlägt,
Und gleich den Hunden und Katzen begeht.

Ännchen von Tharau, das wolln wir nicht tun;
Du bist mein Täubchen, mein Schäfchen, mein Huhn.

Was ich begehre, begehrest du auch,
Ich lass den Rock dir, du lässt mir den Brauch.

Dies ist dem Ännchen die süßeste Ruh',
Ein Leb' und Seele wird aus Ich und Du.

Dies macht das Leben zum himmlischen Reich,
Durch Zanken wird es der Hölle gleich.


Der Förderkreis Kirche Tharau

wurde 1999 gegründet. Mit Hilfe erster Privatspenden konnten die Aufräumungs- und erste dringend notwendige Bauarbeiten durchgeführt werden. Das Aufbauwerk wurde dadurch erleichtert, daß der russische Staat den großen Wert der Kirche erkannte, sie in die Liste der schützenswerten Denkmäler aufnahm und eine finanzielle Hilfe für die Restaurierungsarbeit leistete.

Wichtig waren auch die Überlegungen zu einer künftigen Nutzung des Gebäudes, und so wurden viele Gespräche mit kommunalen und regionalen Behörden, aber auch mit Museen und Vertretern der russisch-orthodoxen Kirche geführt. Ende 2009 konnten Letztere als Partner gewonnen werden, sodaß die Kirche letztendlich einen Ausstellungsraum, eine Aussichtsplattform, sowie Andachtsräume für Christen aller Konfessionen unter ihrem Dach vereinigen wird, wobei das Hauptschiff für die Russisch-Orthodoxe Kirche geplant ist.

Viel konnte erreicht werden, doch sind noch große Anstrengungen bis zu einer Nutzung der Kirche erforderlich. So gilt es jetzt vorrangig den Turm zu sanieren. An Gewölbe und Fußboden des Kirchenschiffs sowie an den Außenmauern müssen weitere Arbeiten durchgeführt werden.Das alles ist nur Schritt für Schritt und — leider — mit größeren Pausen zu leisten, da der noch kleine Förderverein die notwendigen Mittel nicht alleine aufbringen kann.

Inspektion der Bausubstanz der Kirche durch den Architekten Dipl. Ing. Dieter Haese:
Der neu errichtete Dachstuhl im Februar 2006:
Das neu gedeckte Kirchendach im Juni 2009:

Liebe Freunde
wir bitten Sie, diese Aktion der Rettung des Kulturgutes Kirche in Ostpreußen nach Ihren Möglichkeiten zu unterstützen.

Vor 12 Jahren faßten zwei Preußen, ein in Ostpreußen und einer in der Rheinprovinz geborener den Entschluß, die Kirche in Tharau vor dem entgültigen Verfall zu retten. Bei dieser Aktion fanden sich eine „Liebe zur Heimat“ und eine Begeisterung für eine Kirche (weit ab des eigenen Geburtortes) zu einer sich ergänzenen Gemeinschaft zusammen. Viele hier nicht Genannte trugen durch menschliche Kontakte zum Erreichten bei. Ein weiter Weg von Bonn nach Tharau/Wladimirowo, und dies nicht nur in km gerechnet, um ein Tauroggen Wirklichkeit werden zu lassen.

Horst Zaborowski


UDH Nr. 97

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