BGD - Bund für Gesamtdeutschland

Unsere Deutsche Heimat

Ausgabe 98  ¦  September – Dezember 2011


Theaterkritik

Eine satirische Abhandlung Bayreuth, 100. Wagner Festspieltage 2011. Am Beispiel „Lohengrin“, Romantische Oper in drei Akten, Libretto Richard Wagner, Zeit: Erste Hälfte des 10. Jahr­hunderts nach Christi Geburt, Regie: Hans Neuenfels

Es ist schon bemerkens­wert, im 20. Jahrhundert begriff man noch Wagners Bemühen um christlich-germanische Mythen, um die Sagen- und Heldenwelt unserer Vorfahren. Die Intentionen der Erben Wagners, des beginnenden 21. Jahrhunderts sind nur noch mit dem Stilmittel der Satire zu beschreiben.

Entsetzliche Erinnerung an Schlingensief

Mit Entsetzen erinnert man sich an Christoph Schlingen­sief, dessen einzige Über­einstimmung mit Wagner darin bestand, tagelang auf einer Säule auf dem Marktplatz von Venedig zu sitzen. Zu seinen Gunsten nehmen wir mal an, daß er dabei auch gelegentlich an Richard Wagner dachte, der ja in Venedig verstarb. Schlingen­siefs ungebremste Assoziations­wut verfremdete Wagners Werke dermaßen, daß viele Menschen dachten oder sprachen: Schlimmer geht's nimmer!

Doch es kam schlimmer.

Deshalb schauen wir nun beispielhaft auf die Oper „Lohengrin.“

Bühnenbild: Minimalistische künstlerische Ausstattung. Das Werk wurde in ein Labor heutiger Zeit verfrachtet. Im Labor werden ja Tier­experimente und Sezierungen vorgenommen, so verwundert es auch nicht, wenn Scharen von Ratten in Menschengestalt und Menschen im Rattengewand agierten. So ganz nebenbei wurde die Ratte, sonst ein Symbol für die stinkende Unterwelt von Abwasser­systemen, dermaßen auf­gewertet, daß die Aussage der Bibel, daß der Mensch die Krone der Schöpfung sei, geradezu auf den Kopf gestellt wurde. Elsa dagegen wälzte und räkelte sich auf dem staubigen Boden! Wenn die Elsa (Anette Dasch) mal in höherer Tonlage sang, hatte man eher den Eindruck Edvard Münchs „Schrei auf der Brücke“ zu sehen, denn Wagners Oper zu hören.

Lohengrin zu dick, zu alt und schwarzhaarig! Der junge lettische Dirigent Andris Nelson bemühte sich redlich; doch wer begreift denn sonst noch, was Wagner wirklich aussagen wollte? Wagner versenkte das Orchester, so daß man Musiker und Dirigent nicht sehen kann. Durch moderne Technik sah man dennoch den Dirigenten. Auch hierin hatte man Wagner nicht verstanden.

Kultur- und Geschichtszerstörung

Der Höhepunkt an Geschmack­losigkeit dieser Inszenierung war zweifellos die Schlußszene im dritten Akt. Vom Symbol des Schwans zog man, wie es zuweilen die Illusio­nisten tun, ein Tuch — und übrig blieb ein riesengroßes Ei. Dem Ei entstieg eine fürchterliche Mißgeburt, halb Embryo, halb häßlicher Gnom, eher aus den Grusel­kellern Hollywoods mit Anklängen an außerirdische Gestalten aus Roswell, angetan mit zwei Nabelschnüren, wobei dieses Wesen auch noch daran ging, die eine Nabelschnur in handliche Stücke zu zerreißen, etwa so, wie ein geschickter Metzger gefüllte Bratwurst­därme in mund­gerechte Länge teilt. Dabei ist den Theater­leuten in ihrer moder­nistischen Verblendung nicht einmal bewußt geworden, daß das Ei für die Vogel­metamorphose verantwortlich ist und Nabel­schnüre nur bei Säugern in der Tierwelt und beim Menschen vorkommen! Nachdem nun diese gräßliche Mißgestalt ihre eine Nabelschnur zerteilt hatte, sagte eine Stimme aus dem „Theater­himmel“: „Dies ist der Herzog von Brabant“. Mit diesem Ruf aus dem Nichts wurden zwar einige drama­turgische Miß­verständ­nisse klar, die Frage aber steht unüber­sehbar und unüber­hörbar im Raume: Muß eine Wagner-Oper mit solchen kaum zu über­bietenden Geschmack­losig­keiten in den Schmutz gezogen werden?

Schlußbeleuchtungen

Es ist den Erben Wagners gelungen aus Bayreuth, einem mythischen Ort, in dem die christlichen Werte, deutsche Geschichte, sowie die Götter- und Heldenwelt unserer Vorfahren gewürdigt wurden, zu einem jämmer­lichen Experimental-Theater zu machen. Wenn das so weitergeht, können wir künftig Wagners Opern nur noch als „Musical“ in Hamburg erleben und der grüne Hügel, samt Festspiel­haus kann geschliffen werden.

Siegfried Neubacher
August 2011




Zu dieser beein­druckenden Schilderung erlaubt sich derjenige, der seit Jahren Satz, Layout und Druck­vorstufe für diese Zeit­schrift stets kommentar- und klaglos erstellt hat, hier einmal eine ganz persön­liche Anmerkung — sozusagen als Leserbrief:

Man weiß doch längst schon, was unter „Kunst“ in der heutigen Zeit in der BRD noch zu verstehen ist…! Wer sich also solchen Schund und abartige Aus­schwitzungen kranker Hirne anschaut — und dafür in Bayreuth ggfs. auch noch eine ganze Menge Geld hinblättert, ist ganz alleine selber schuld!

Diese Art von „Kunst“ würde spätestens dann aufhören, wenn derartiger Mist nur noch vor leeren Plätzen aufgeführt werden könnte — aber leider, den „tumben Teutschen“ kann man heute ganz offen­sichtlich alles vorsetzen…!

Johannes Raddatz


UDH Nr. 98

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