BGD - Bund für Gesamtdeutschland

Unsere Deutsche Heimat

Ausgabe 99  ¦  Januar – April 2012


Leserbrief:

Geschichte Deutschlands und Polens

Als Altkollegianer (Abitur 1958) erhalte ich regelmäßig den Kolleg­brief. In der letzten Ausgabe habe ich mit Interesse Ihren Reise­bericht nach Polen „Alle Menschen werden Brüder“ gelesen. Diese Reise sollte dem gegen­seitigen Kennen­lernen, der Verständigung und somit dem Frieden dienen. Dazu bedarf es aber vor allem der Wahrheit und der Gerechtigkeit. Schließlich heißt es doch: „Primum veritas. Opus veritatis iustitia. Opus iustitiae pax.“ Daher muß man sich offen und unvor­eingenommen mit den geschicht­lichen Tatsachen auseinander­setzen und darf sich nicht von einer politischen Korrekt­heit, die aller­orten angepriesen wird, blenden lassen.

Ich möchte nun zu verschiedenen Punkten, die mir in Ihrem Bericht aufgefallen sind, einige Anmerkungen machen:

Die Geschichte Deutschlands und Polens sollte keineswegs auf die „oft auf leidvolle Weise eng mit­einander verwobene Geschichte“ eingegrenzt werden. Dies zeigt sich schon daran, daß zwischen Deutschland und Polen als Ganzem bis 1939 seit Jahr­hunderten keine Kriege statt­fanden, und „die Westgrenze der Ersten Republik Jahr­hunderte hindurch eine der fried­lichsten und dauer­haftesten in Europa gewesen ist“ (Jan Jozef Lipski). Es gab lediglich im 15. Jahrhundert Kriege Polens gegen den Deutschen Orden, um dessen Gebiet (West- und Ostpreußen) dem polnischen Staat einzu­verleiben. Dabei hatte der polnische Herzog Konrad I. von Masowien selbst im Jahre 1226 den Deutschen Orden zum Schutze seines Landes gegen das kriegerische heidnische Volk der Preußen zu Hilfe gerufen und ihm die eroberten Gebiete überlassen. (s. Anlage 1)

Friedlich hat sich auch die von den ein­heimischen Landes­herren seit dem 12. Jahrhundert geförderte Wieder­besiedelung Ost-Deutschlands durch Deutsche vollzogen. Slawen wanderten erst im 6. Jahrhundert in das bis zur Völker­wanderung Ende des 4. Jahrhunderts von germanischen Stämmen bewohnte Land ein. Deutsche gründeten in Polen zahlreiche Dörfer und Städte, so z. B. wurde um 1334 Warschau als deutsch-rechtliche Stadt gegründet (z. B. Magde­burger und Nürnberger Stadt­rechte). Begeistert schreibt der polnische Bischof Bogufal: „Keine anderen Völker stehen einander so nahe und sind so befreundet wie die Deutschen und die Slawen!“ (s. Anlage 2)

Auch in späteren Zeiten bekundete das deutsche Volk immer wieder seine Anteil­nahme am Schicksal der Polen. So z. B. mit der Unter­stützung während des polnischen Auf­standes gegen Rußland 1830/1831 und in den folgenden Jahren oder mit der massiven humanitären Hilfe der Bundesbürger wahrend der Zeit des Kriegs­rechtes 1981/1982 unter Jaruzelski.

Bei der Aufzählung von bedeutenden Schlachten im Zusammen­leben von Deutschen und Polen vermißte ich die Erwähnung des gemeinsamen Kampfes von Deutschen und Polen gegen die anstürmenden Mongolen.

Zwar unterlag 1241 das deutsch-polnische Heer unter Heinrich II. (Sohn der Hl. Hedwig) bei Liegnitz (Wahlstatt), die Mongolen brachen danach aber ihren Vormarsch nach Westen ab.

Bei der Schlacht von Tannenberg (in der polnischen Geschichts­schreibung „Schlacht bei Grunwald“) kämpften nicht Truppen aus Deutschland gegen ein national­polnisches Heer, sondern rund 30.000 Ordens­ritter, böhmische und deutsche Söldner gegen etwa 50.000 Polen, Litauer, Ukrainer, Tataren, Slowaken und Deutsche, also national gemischte Aufgebote.

Eine weitere Schlacht wurde 1914 bei Tannen­berg geschlagen, in der die Deutschen die in Ostpreußen einge­drungenen Russen besiegten (Hindenburg). (s. Anlage 3)

Der Polenkönig Jan Sobieski, der als Rang­höchster den Oberbefehl über das vereinigte Entsatz­heer hatte, wird oft als alleiniger Retter Wiens 1683 gefeiert. Gleicher Ruhm gebührt jedoch auch Herzog Karl von Lothringen, dem kaiser­lichen Heerführer, der die Schlacht­pläne entworfen hat und dessen Heer mehr als doppelt so stark war wie das polnische. Bei dem gemeinsamen Kampf waren Deutsche und Polen auf­einander angewiesen und hätten, jeder auf sich allein gestellt, die Türken nicht besiegen können. (s. Anlage 4)

Während die Gruppe in Deutschland „sich ausführlich nach den polnischen Sprach­kenntnissen der deutschen Bewohner der Grenzstädte erkundigte“, bestand bei der Gruppe jenseits der Oder anscheinend kein Interesse nach der deutschen Sprache und der deutschen Minderheit zu fragen. Warum wohl?

Der Satz „Wir vergeben und bitten um Vergebung“ ist ein oft zitierter, sehr inniger Ausspruch. Bei der Bitte um Vergebung stellt sich aber auch unweigerlich die Frage der Wieder­gutmachung. Davon ist aber von polnischer Seite nichts zu hören. Im Gegenteil; so hieß es 1966 im Hirten­schreiben des polnischen Episkopats an seine Gläubigen: „Wir sagten, wir bitten um Vergebung. Hat die polnische Nation einen Grund, unsere Nachbarn um Vergebung zu bitten? Sicherlich nicht. Wir sind überzeugt, daß wir als Nation im Laufe der Jahrhunderte dem deutschen Volke kein politisches, wirt­schaftliches und kulturelles Unrecht getan haben….“

Leider wurde das in seiner Dimension in der Welt­geschichte einmalige Verbrechen der Vertreibung, von etwa 15 Millionen Deutschen, wobei 2 bis 3 Millionen umkamen, nur beiläufig in einer Prozent­zahl angedeutet: „Der Anteil der polnischen Bevölkerung (in Breslau) lag unter 5 %“ (kaum eine deutsche Großstadt der BRD hat prozentual so wenig aus­ländische Einwohner!), um gleich relativierend anzumerken, daß „im Dritten Reich hier die Begeisterung für den National­sozialismus besonders hoch war“.

Die völlige Vertreibung der Deutschen hatte allerdings ihren Vorläufer, als schon nach dem I. Weltkrieg aus den von Polen annektierten Gebieten etwa 1 Million Deutsche wegen des wachsenden polnischen Drucks fliehen mußte. Auch andere Minder­heiten wurden unter­drückt; so flohen etwa 500 000 Juden wegen des polnischen Anti­semitismus. Dies veranlaßte die deutschen Regierungen der Weimarer Republik immer wieder zu heftigen Protesten (z. B. preußischer Minister­präsident Braun, Reichs­außen­minister Gustav Stresemann). (s. Anlage 5)

Von den Massakern und Ver­schleppungs­märschen während des „Bromberger Blut­sonntags“ im September 1939 ganz zu schweigen, als etwa 6000 Deutsche ermordet wurden. (s. Anlage 6)

Im Gegensatz dazu wird von „einer brutalen Zwangs­umsiedlung infolge der West­verschiebung Polens nach dem Zweiten Weltkrieg“ gesprochen. Bei der sog. West­verschiebung mußte Polen lediglich wider­rechtlich und gewalt­tätig angeeignete Gebiete zurück­geben. 1920 hatte Polen, unterstützt von Frankreich, Kriege gegen Litauen, die Ukraine und Rußland begonnen und im Friedens­vertrag von Riga 1921 seine Grenze 250 km über die Volkstums­grenze hinaus (Curzon-Linie!) nach Osten verschoben. In diesem sog. Ostpolen waren die Polen in der Minderheit.

Was ist das übrigens für eine absurde Rechts­auffassung, die suggeriert, daß derjenige, dem etwas weg­genommen wurde, sich bei einem anderen schadlos halten könne und zwar mit Raub, Vertreibung und Mord! (s. Anlage 7)

In Warschau wurde die „barbarische Zerstörung durch die deutsche Wehrmacht“ beklagt. Während des Polen­feld­zuges war Warschau eine umkämpfte Stadt, ebenso während des Warschauer Aufstandes. In beiden Fällen waren die Zerstörungen durch die Kämpfe bedingt und wurden von beiden Seiten in Kauf genommen; sie waren keineswegs Akte der Willkür.

Wenn aber schon von „barbarischer Zerstörung“ gesprochen wird, so trifft dies auf den Luft­kriegs­terror der Engländer und Amerikaner zu. Sie zerstörten mit einem aus­geklügelten System von Spreng-, Brand- und Phosphor­bomben gezielt Wohngebiete, schonten weder Kultur­denkmäler noch Kirchen und brachten dabei etwa 600.000 Deutsche insbesondere Frauen, Kinder und ältere Menschen um. (s. Anlage 8)

Noch immer scheint die Selbst­über­schätzung der Polen groß zu sein, denen schon 1938 der Danziger Völker­bund­hoch­kommissar Burckardt „ein Gran Narrheit“ bescheinigte. Auch 1981 klagte noch Jan Jozef Lipski, polnischer Literatur­historiker und PEN-Mitglied: „Die falschen Vor­stellungen von der eigenen Geschichte sind eine Krankheit der Seele der Nation, sie dienen haupt­sächlich der Fremden­feindlich­keit und dem nationalen Größenwahn.“ Nur so kann man das wenig gast­freundliche Verhalten der Polen verstehen, mit dem sie sich über den Klang der mit ihrer härteren Vokal­aussprache verfremdeten Mutter­sprache ihrer Gäste mokierten. (s. Anlage 9)

Die kurzen Anmerkungen und die Photokopien aus verschiedenen Büchern regen vielleicht an, die in der veröffent­lichten Meinung höchst einseitig kol­portierte Geschichts­darstellung zu hinterfragen. Diese Ein­seitig­keit des Zeitgeistes ließ schon P. Leppich S J 1984 ausrufen: „Die Polen sind bei uns eingebrochen. Breslau ist keine polnische Stadt; ich bin das Gerede von der Schuld der Deutschen satt. Unser Schuldgefühl ist pervers!“ Diese Perversität hat zu einem nicht nur unnatürlichen, sondern auch unchrist­lichen „Nächsten­haß“ und vice versa zu einer „Fernsten­liebe“ geführt. In unserer Zeit mit ihrer weltweiten medialen Vernetzung, wobei aber nur einige wenige die Medien beherrschen, und der Diabolos, der Durch­einander­werfer, mit Lügen, Halb­wahrheiten, Über­spitzungen von Wahrheiten und Vertuschen von Tatsachen virtuos jonglieren kann und so der Krieg auf psycho­logischer Ebene weiter­geführt wird, ist allerdings die Unter­scheidung der Geister nicht einfach. Trotzdem muß derjenige, der die „Ver­gangenheit, die nicht vergehen will“ (Ernst Nolte), ehrlich auf­arbeiten will, sich Wider­ständen und Anfeindungen zum Trotz selbst um Fakten bemühen, Ursachen und Wirkungen aufspüren und die Geschehnisse im Kontext betrachten.

Die Frage: „Wer ist Opfer, wer ist Täter, und warum?“, ist stets neu zu stellen und gestattet keine Aus­schließlich­keit der Schuld­zuweisung.

Statt eines Ausrichtens nach dem „guten Zweck“, das die Wurzel unseres sittlichen Seins zerstören und einem psycho­logischen Terror Tür und Tor öffnen würde, müssen die Wahrheit und die Suche nach ihr stets das oberste Prinzip sein. Nur so, verbunden mit der Liebe zum eigenen Volk und der Menschheit insgesamt, kann eine Ver­brüderung gelingen.


P.S.: Vielleicht wäre Herr Dr. Schickel zu einem Vortrag über die deutsch-polnische Geschichte bereit, wenn das Kolleg ihn dazu einladen würde. Herr Dr. Schickel ist Leiter der Zeit­geschicht­lichen Forschungs­stelle Ingolstadt und war ebenfalls Schüler des Kollegs St. Blasien.
Adresse: Dr. Alfred Schickel, 85110 Dunsdorf


Anlagen

  1. „Der Deutsche Osten“, Richard Suchenwirth, Türmer-Verlag S. 66/67
  2. „Der Deutsche Osten“, S. 89, 90, 92, 93
    „Ostdeutschland“, Südwest-Verlag, S. 7, 41
  3. „Der Deutsche Osten“, s.o., S. 101
    „Hindenburg“ Werner Maser, Ullstein-Verlag, S. 104, 105
  4. „Deutsche und Polen“, Alfred Schickel, Lübbe-Verlag, S. 68
    „Erbe des Abendlandes“, Oberstufe Teil III, Neuzeit 1, S. 108
  5. „Deutsche und Polen“, s.o., S. 185,189, 198,199
    „Polens Marsch zum Meer“, B. Frhr. v. Richthofen/ R. R. Oheim, Arndt-Verlag, S. 111, 112, 113, 132, 133, 181, 182, 87, 88, 89
  6. „Schwarzbuch der Vertreibung 1945 bis 1948“, Heinz Nawratil, Universitas-Verlag, S. 45
  7. „Vertreibungsverbrechen an Deutschen“, S. 73, 74, 75
    „Schwarzbuch der Vertreibung 1945 bis 1948“, S. 79, 80, 198, 199, 144, 145
  8. „Polens Marsch zum Meer“, s. o. S. 250, 251
    „Bilanz der Kriegsgeneration“, Erich Schwinge, Elwert-Verlag, S. 65-69
    „Churchill und Roosevelt“, S. 45, 52, 53
    Ingolstädter Vorträge 1984, Aus den Akten Kardinal Michael von Faulhabers, Hirtenbrief des Erzbischofs von Mecheln und Primas von Belgien, Kardinal von Roey
  9. „Von Versailles bis Potsdam“, Hugo Wellems, v. Hase & Koehler, S. 113, 114
    „Stalins Vernichtungskrieg 1941 – 1945“, Joachim Hoffmann, Herbig-Verlag, S. 19-22, 13-18
„Angenommen, die deutsche Wehrmacht hätte am 22. Juni 1941 nicht die Sowjet­union ange­griffen?“
„Das wäre eine Katastrophe für Europa gewesen. Stalin hätte Europa ange­griffen. Deutsch­land und Osteuropa wären von der Roten Armee wohl rasch über­rannt worden. Sie dürfen nicht vergessen: Das Deutsche Reich hatte kein riesiges Territorium zum Ausweichen wie Rußland und verfügte zudem kaum über nennens­werte Reserven. Innerhalb weniger Monate hätten Stalins Soldaten wohl an der portu­giesischen Atlantik-Küste gestanden.“
Der russische Historiker Dimitri Zmelnichy, Herausgeber wissen­schaftlicher Sammel­bände über Stalins Kriegs­pläne und -vorbe­reitungen gegen Deutschland und den Westen.
„Zuerst“, Mai 2011

„Es ist weniger entscheidend, wer den ersten Schuß abgegeben hat, sondern was diesem vorausging“.
Asher Ben-Nathan, ehem. israelischer Botschafter in Deutschland

Liebe Freunde,
wir können Herrn Dr. Ulrich für diese ausge­wogene Dar­stellung nur danken. Zu dieser „neutralen“ Haltung werden sich sicherlich viele unserer Leser nicht aufraffen können. Es steht zuviel erlittenes Leid im Raum.

In den vergangenen zwei Jahr­zehnten haben uns Freunde verlassen, die bis zu ihrem letzten Atemzug ihr erlittenes Schicksal vor Augen hatten. Ihnen zu Ehren können wir nicht zur Tages­ordnung übergehen. Versöhnung ist keine Einbahn­straße.

Worte reichen nicht — es müssen Taten folgen!

Deutsche Nach­kriegs­generationen werden bis auf den heutigen Tag in Verant­wortung genommen, für Gescheh­nisse in der Kriegszeit. Diese einseitig aufge­bürdete Last können wir ihnen und auch den noch folgenden Generationen nicht überlassen.

Eine ernsthafte Verständigung mit Polen kann nur beginnen, wenn auch die polnische Seite die von ihren Mitbürgern in den Kriegs- und Nachkriegs­jahren begangenen Völker­rechts­verletzungen eingesteht. Dieses über Jahrzehnte andauernde „heraus­mogeln“ aus der geschichtlichen Verantwortung ist eine Sackgasse.

In jedem Volk leben und lebten Bürger, die persönlich keine Untaten begangen haben. Jedoch, genauso wie unser deutsches Volk in seiner Gesamtheit immer und immer erneut erinnert wird, genau so erinnern wir auch das polnische Volk.

Wir fordern Anerkennung des an Deutschen begangenen Völker­mordes!
Wir fordern freie Verfüg­barkeit über das Privat-Vermögen deutscher Eigentümer.

Horst Zaborowski


UDH Nr. 99

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