BGD - Bund für Gesamtdeutschland

Unsere Deutsche Heimat

Ausgabe 100  ¦  Mai – August 2012


Das offene Wort

Friedliches Zusammenleben von Deutschen und Polen

Liebe Freunde
In unserer Ausgabe Januar-März 2012 - Nr. 99 hatte ich einen Gedanken­austausch unter dem Oberbegriff: → „Das offene Wort“ angeregt. Zu dieser Zeit hatte bereits Herr Dr. med. Bonifaz Ullrich aus Blieskastel seinen Artikel, der in „Unsere Deutsche Heimat“ Nr. 99 [] auf den Seiten 25 bis 28 veröffent­licht wurde, an Herrn Friedrich Asschenfeldt gesandt.

Herr Asschenfeldt hatte im „Kollegbrief 2011/12“ einen Artikel veröffentlicht unter der Überschrift „Alle Menschen werden Brüder“. Der Artikel beschreibt ein Seminar „Auf Grenzen gehen“ fördert deutsch-polnische Ver­ständigung, wobei diese dar­gestellte Ver­ständigung als Einbahn­straße ein­gefordert wird. Bitte den nach­folgenden Schrift­verkehr lesen.

Horst Zaborowski


St. Blasien, den 28.1.2012

Sehr geehrter Herr Dr. Ullrich,
Ihre ausführliche Reaktion auf unseren Artikel „Alle Menschen werden Brüder“ haben wir erhalten.

Unser Anspruch war nicht historische Voll­ständigkeit, es ging um eine Reise und das, was wir dort gesehen haben. Die historische Richtigkeit der dar­gestellten Ereignisse ist indes unbe­stritten und entspricht dem aktuellen Forschungs­stand.

Wir können Ihre Darstellung nicht nach­vollziehen. Sie erscheint uns teils wirr, teils vor­eingenommen. Die von Ihnen benutzten Quellen sämtlich aus Verlagen, die für ihre national­istische Lesart bekannt sind - läßt nicht auf eine unab­hängige Beurteilung schließen, die für das Finden der Wahrheit so wichtig wäre.
Warum man das Bombardement Dresdens thema­tisieren soll, wenn man nach Polen fährt, ist uns nicht ersichtlich.

Was ein friedliches Zusammen­leben zwischen Deutschen und Polen zwischen dem 15. Jahrhundert und 1939 angeht, haben Sie die Teilungen und die preußischen Eroberungs­kriege auf polnischem Grund offenbar völlig vergessen. Ihre Lesart der Geschichte erscheint wegen der Auslassung dieser wichtigen Ereignisse besonders unglaub­würdig. Ihre Verharm­losung der deutschen Reaktion auf den Warschauer Aufstand ist abscheulich.

Die Deutsch­kenntnisse der Polen, nach denen Sie fragten, waren auch ohne den Vergleich zu den Polnisch­kenntnissen der Deutschen bemerkens­wert. Warum Ihnen die deutschen Todesopfer so viel wichtiger sind als die polnischen (immerhin etwa vier Millionen), ist uns nicht klar, für uns zeugt es von einem anachro­nistischem Nationalismus, den wir nicht teilen. Während Sie Flucht und Vertreibung thematisieren, erwähnt Ihre ein­seitige Darstellung den dafür kausalen National­sozialismus als eine menschen- und friedens­verachtende Ideologie in keinem Wort. Sie drohen so die Verbrechen des National­sozialismus zu relativieren.

Mit so einem natio­nalistisch gefärbten, undif­ferenzierten Geschichts­verständnis wird der Friede, den Sie am Anfang nannten, keine Chance haben.

Mit europäischen Grüßen
F. Asschenfeldt

P.S. Aufgrund Ihrer Empfehlung haben wir kein Interesse an einem Vortrag über die deutsch-polnische Geschichte von Ihrem Freund.


Dr. Bonifaz Ullrich
Blieskastel, 10.02.12

Sehr geehrter Herr Asschenfeldt,

vielen Dank für Ihre Antwort auf meine Aus­führungen. Zwar hatte ich nicht erwartet, daß Sie diesen vor­behaltlos zustimmen würden, da Ihnen einige Zusammen­hänge wahrscheinlich nicht bekannt sind. Trotzdem war ich doch erstaunt, wie stramm und blind­lings Sie das kolportierte Geschichts­bild ver­innerlicht haben und daher auf die vor­gebrachten Argumente nur mit all­gemeinen Anschul­digungen und Aussagen reagierten. Ergebnisse inter­nationaler Forscher, sei es aus England, Rußland, Polen, USA, Frankreich, ...., Deutschland, scheinen Sie nicht zu interessieren. Mit der inquisi­torischen Über­heblichkeit, mit der Sie nicht genehme Autoren und Verlage einfach ablehnen und sie nicht nach ihrem Wahrheits­gehalt beurteilen, wird mental schon der Weg zu einer weiteren Bücher­verbrennung gebahnt. Audiatur et altera pars!

Es zeugt schon von einem sehr verqueren Denken, wenn Vaterlands­liebe und enge Beziehung mit dem eigenen Volk als „anachro­nistischer Natio­nalismus“ abgetan wird. So wie man zu seinen engsten Verwandten (noch ?) eine besondere Liebe verspürt, so fühlt man sich normaler­weise auch mit seinem eigenen Volk durch die gemeinsame Abstammung, Geschichte, Kultur, Sprache besonders eng verbunden. Dieses ganz natürliche Empfinden scheint aber in Deutschland zunehmend durch eine gezielte „Charakter­wäsche“ ausgemerzt zu werden.

Inwiefern kann man „rela­tivieren“ als etwas „Drohendes“ empfinden? Nichts Irdisches ist absolut, alles Irdische ist relativ, ist relati­vierbar, kann zu etwas anderem in Beziehung gesetzt werden. Nur so kann abgewogen werden, kann Verständnis entstehen. Geschichte ist außerdem nichts Statisches, sondern bietet durch neue Erkennt­nisse stets neue Sicht­weisen, vor allem bei unserer „besonderen Vergangen­heit“, die einem verminten Gelände gleicht, und wo vieles noch unter Verschluß gehalten wird.

Da ich für Subsidiarität und für ein „Europa der Vater­länder“ (de Gaulle) eintrete, die EU jedoch eine monetäre Plan­wirtschaft und einen politischen Zentralismus anstrebt, erwidere ich Ihren inter­national­istischen und undemo­kratischen Gruß nicht.

Ich wünsche Ihnen aber zum einen viel Erfolg bei Ihrem Studium und zum anderen, daß Sie „Mut haben, sich des eigenen Verstandes zu bedienen“ (Immanuel Kant).

Ullrich

Liebe Freunde,
diese folgenden Zeilen schrieb mir Herr Dr. med. Bonifaz Ullrich als Erklärung auf die [] Stellung­nahmen der Herren Dr. med. Bohn und Siegbert John auf den Artikel von Dr. Ullrich in [] „Unsere Deutsche Heimat“ Seiten 25 bis 28.

Dr. med. Bonifaz Ullrich
Blieskastel, 12.06.12

Mit freundlichen Grüßen
Ullrich

PS. Zu Ihrer Information lege ich Ihnen hier Foto­kopien des Reise­berichtes „Alle Menschen werden Brüder“, der Antwort des Kolleg­schülers Herrn Asschenfeldt und meiner Erwiderung bei.


UDH Nr. 100

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