BGD - Bund für Gesamtdeutschland

Unsere Deutsche Heimat

Ausgabe 102  ¦  Januar – April 2013


Gratwanderung

Wir wollen sein ein einzig Volk von Brüdern,
in keiner Not uns trennen und Gefahr.
Wir wollen frei sein, wie die Väter waren,
eher den Tod, als in der Knecht­schaft leben.
Wir wollen trauen auf den höchsten Gott
und uns nicht fürchten vor der Macht der Menschen.

Der Rütlischwur, so er uns in unseren Schultagen beein­druckte, hat durch diese Zusammen­fassung im Drama Wilhelm Tells in Ver­bindung mit Schillers Gestaltung der Sage bei vielen Völkern auf dieser Welt Gedanken ange­stoßen. Gedanken und Ereig­nisse die, bei einer wort­getreuen Schilderung der Ereignisse, der Legende nach im Jahre 1291 auf der Rütli-Wiese am Vierwald­stätter­see sich ereigneten, nicht ausgelöst worden wären.

Unter Realisten wird diesem Gedanken eine weitere Betrachtungs­weise hinzu­gefügt, daß in einem geographisch günstigen Teil, in einem kleinen Land dieser Zündfunke Freiheit um sich greifen konnte, jedoch in unserer Zeit der welt­umspan­nenden Informationen und bei dieser welt­weiten Einbindung die Zündkraft nicht aus­reichen könnte.

Den Natur­gesetzen folgend, ist ein Zündfunke mit einem Schnee­ball vergleichbar, der auf einem hohen mit Schnee bedecktem Gipfel ins Rollen gebracht wird. Die sich ent­wickelnde Kraft ist ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr beherrsch­bar, weder vom Menschen noch von der Natur selbst.

Und - weil Natur­gesetze von Menschen zwar beeinflußt, jedoch nicht außer Kraft gesetzt werden können, wird der Zündfunke Freiheit letzt­endlich seine Kraft entfalten. Jeder, der unge­duldig vorprescht, nimmt durch seine Aktivi­täten den sich ansam­melnden Druck aus der Ent­wicklung heraus. Ein weiteres Hemmnis ist, wenn mit Argumenten geworben wird, die vom jeweiligen Staate unter Strafe gestellt worden sind. Leichter kann man es den Unter­drückern nicht machen.

Die Verbreiter dieser Argumente werden „aus dem Verkehr“ gezogen und können sich in der Zwischen­zeit nicht für „ihr Ziel“ einsetzen. Auf den Gandhi-Effekt zu hoffen ist in unserer Zeit der schnellen Infor­mationen ein Trug­schluß. Dazu kommt noch die Gefährdung von Anhängern und Freunden, in Aktionen des Staates gegen die Verbreiter der unter Strafe gestellten Argumente mit hinein­gezogen zu werden.

Horst Zaborowski


UDH Nr. 102

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