BGD - Bund für Gesamtdeutschland

Unsere Deutsche Heimat

Ausgabe 102  ¦  Januar – April 2013


Die älteste Ketten­hänge­brücke Europas über die Malapane

Über die Geschichte der Heimat, über die Schätze und Werte der Heimat oder über die Kunst und den Pionier­geist unserer Vor­fahren zu erfahren, führen oft seltsame Wege zum Ziel. So hat auch dieser Bericht über die älteste Hänge­brücke Europas, die in unserer Heimat zu bewundern ist und war, die Hänge­brücke über den rechten Neben­fluß der Oder, über die Malapane, eine etwas seltene Geschichte.

Im Spätsommer 1992 habe ich mit meiner Frau einen Urlaub in Langen­argen/Bodensee, verbracht. Bei der Begrüßung durch den Herrn des Städt. Verkehrs­amtes in Langen­argen wurden uns einige sehr schöne Bilder aus der Umgebung gezeigt. Unter diesen Bildern befand sich auch eine Hänge­brücke in Largen­argen, sie ist die älteste in Deutschland.

Eine noch ältere aber befindet sich in Malapane, meinte dieser Herr. Ich habe ange­nommen, daß ich mich verhört habe. Nach dieser Vor­stellung bin ich zu diesem Herrn hin­gegangen und bat um die Erklärung. Dieser bestätigte mir, daß es sich um die älteste Ketten­hänge­brücke in Europa handelt, sie befindet sich in dem Ort Malapane und über­spannt den Fluß Malapane in Ober­schlesien.

Diese Aussage war für mich ein „Signal”, denn als ein Ober­schlesier muß man doch das Bauwerk unserer Vor­fahren sehen. Auf meinen Fahrten nach Ober­schlesien komme ich doch an diesem Ort, heute eine Stadt mit dem Namen Ozimek, vorbei. Diese Brücke zu sehen und sie aber auch zu foto­grafieren, habe ich mir für die nächste Reise vor­genommen. Doch vom Wollen zum Voll­bringen ist es ein weiter Weg. Darüber aber am Ende des Berichtes.

Friedrich der Große erteilte 1754 den Auftrag, in Malapane ein Stahl­werk zu bauen. Es war nicht das erste in Ober­schlesien, sondern das erste in Preußen.

Seit 1790 hat man sich dort mit der Her­stellung von Brücken, anderen Eisen­konstruk­tionen und Bau­maschinen beschäf­tigt. Schon 1796 wurde die erste Brücke für Berlin gegossen. So hat man auch darüber nach­gedacht, um auch über die Malapane, die den Fluten dieses Flusses stand­halten sollte, zu bauen. Diese Ketten­brücke war auch das erste größere Bauwerk in Preußen. Projek­tiert wurde sie von dem Maschinen­inspektor Schottelius, sie wurde 1827 voll­endet. Sie diente auch als „Bau­muster” für die Kabel­hänge­brücke in Langen­argen, die erst 70 Jahre später gebaut und 1897 dem Verkehr über­geben wurde.

Die Brücke befindet sich in der Mitte zwischen der Provinz­haupt­stadt Oppeln und der nach 1922 gewordenen Kreis­stadt Gutten­tag in Ober­schlesien. Bis 1938 stand sie auf diesem Abschnitt der verkehrs­reichen Straße zur Ver­fügung. Für die Her­stellung der Brücke benötigte man: 14,19 t Schmiede­eisen und 53,31 t an Gußeisen.

Die Kosten beliefen sich am Anfang nur 4.166 Reichs­taler. Nach einer vorge­nommener Änderung, die eine Ver­stärkung der Ketten­schlüsse und des Funda­mentes notwendig machte, erhöhte sich der Betrag auf 8.221 Reichs­taler. Die Änderung erfolgte im Jahr 1854.

Diese Kettenbrücke war in der damaligen Zeit ein kühner Plan. Die Versuche und Proben auf die Halt­bar­keit bei der Her­stellung der einzelnen Ketten­glieder waren sehr interes­sant. Besonders zu diesem Zweck hat man eine Wasser­presse konstruiert. Die Kraft, mit der die einzelnen Ketten­glieder geprüft wurden, betrug 15,0 t. (15.000kg).

Nach der Fertig­stellung wurde sie einer Belastungs­probe unter­zogen, um die Trag­fähig­keit fest­zustellen. Zunächst wurde eine gedrängte Vieh­herde über die Brücke getrieben. Danach schickte man einen schwer­beladenen Heu­wagen zum anderen Ufer. Da diese Brücke diesen Belastungen stand­gehalten hatte, fuhr der Ober­hütten­verwalter von Schlesien Johann Friedrich Julian Reil, als erster über die Brücke und übergab sie am 12. September 1827 dem Verkehr. Die Spann­weite beträgt 30 Meter, die Breite 6 Meter, die Höhe 6 Meter. Durch diese „Pionier­leistung” aus Malapane, hat sich später der Bau der Brücke über Argen in Langen­argen/Bodensee durch Karl v. Leib­brand aus­gewirkt. Mit großem Interesse verfolgte Ing. Othmar Herrmann Ammann diesen Brückenbau. Er wanderte 1904 in die USA aus und war dann einer der ent­scheidend­sten Berater des Konstruk­teurs Joseph Strauß für den Bau (1933 - 1937) der größten Hänge­brücke der Welt, der Golden Gate Brigde in San Franzisko, mit einer Spann­weite von 1.280 Metern und ihren Stahl­türmen von 227 Metern Höhe.

Im Jahre 1945 über­querten die russischen Panzer T 34 die Brücke, sie wurde schwer beschädigt. Später repariert und dient nur noch als Fuß­gänger­brücke von der Stadt ins Hütten­gelände.

Die Stadt Malapane (Ozimek) führt diese Hänge­brücke im Wappen und auf den Orts­schildern, die auf den Haupt­straßen in der Stadt auf­gestellt sind.

Bei meinem letzten Besuch in Ober­schlesien im Mai 1993 habe ich „Anlauf” genommen um diese Brücke zu sehen aber auch zu foto­grafieren. Das war nicht so einfach, es wurde mir erst abgelehnt. Nachdem ich aber einige Bilder von der Golden Gate Brigde auf den ich zu sehen war vor­gezeigt habe, wurde ich eine „Etage” weiter vor­gelassen, auch dort die gleiche Ablehnung. Hier wieder die gleichen Bilder zur Hilfe. Ich wurde danach gefragt, woher ich komme, meine Antwort: Ich bin in Ober­schlesien geboren, wohne aber seit fast 50 Jahren in Deutsch­land. Von der Gegen­seite kam die Bemerkung: „Ein hart­näckiger Ober­schlesier, machen sie ein Bild und werden sie damit selig.” Ich durfte unter Aufsicht die Brücke foto­grafieren und sogar über­queren. Somit habe ich die drei wichtigsten Hänge­brücken gesehen, foto­grafiert und über­quert. Mein großer Wunsch ging in Erfüllung. So ist auch die Hänge­brücke von Malapane für mich ein Stück, wenn auch „ziemlich” spät, erforschter Heimat­geschichte. An dieser Stelle möchte ich allen Betei­ligten ein herz­liches „Danke­schön” sagen, die dazu beige­tragen haben, um hier meine „Bildungs­lücke zu schließen.

Florian Mierzwa


UDH Nr. 102

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