BGD - Bund für Gesamtdeutschland

Unsere Deutsche Heimat

Ausgabe 102  ¦  Januar – April 2013


Stumme Zeugen der Geschichte

Bei meinem letzten Besuch in der ober­schlesischen Heimat führte mich der Weg nach Oppeln. Ich hatte dort bei Bekannten Grüße „abzuliefern”.

Mein Wunsch war, auch auf dem Halben­dorfer Friedhof nach stummen Zeugen der deutschen Geschichte Aus­schau zu halten und diese auf den Film zu bannen.

Es regnete an diesem Tage nicht schlecht, man war aber bereit, mit mir die Fahrt zu diesem Friedhof zu machen, obwohl mir aber sofort gesagt worden ist, daß meine Suche nach Zeugen der deutschen Geschichte fast Null sein wird.

Auf diesem Friedhof wurde in den Jahren 1945 und danach eine sehr gründ­liche „Säuberung” durch­geführt. Da Oppeln als besonders polnische Stadt damals hinge­stellt wurde, gaben sich die soge­nannten „Auf­ständischen” (Powstance) die „Ehre” und voll­brachten ihre „Arbeit”, ohne sich zu kümmern, daß dieses Gelände doch ein Gottes­acker ist und man solle den Toten die ewige Ruhe gönnen.

Sie ließen die deutschen Grab­steine mit Zement zuschmieren, oder die Inschriften aus­meißeln oder sogar die Grab­steine zerstören.

Die uns begleitende Dame sagte, daß sich auf diesem Friedhof nur ein einziges Grab befindet, das eine deutsche Inschrift hat. Es ist das Grab von Alfred Nowinski. Mir hat dieser Name gereicht, um wenigstens das Grab zu finden. Die Dame führte uns zu diesem Grab, ein schlichtes Kreuz, das Grab mit Blumen bepflanzt. Ich mußte meinen Regen­schirm auf­spannen, man half mir dabei, damit ich eine, lieber nicht sehr gute Aufnahme statt gar keine, machen konnte.

Doch ich war angenehm über­rascht, als ich nach meiner Rückkehr fest­stellen konnte, daß diese Aufnahme verwendbar ist. Auf diesem Kreuz steht eine schlichte Gravur:

Darunter, fast schon in den Blumen versteckt:
Alfred Nowinski
geb. 18.08.1881
gest. 19.01.1933

Die Inschrift auf diesem Kreuz hat inzwischen ein Holz­schnitz­künstler aus Leschnitz (Zygfryd Gross) unent­geltlich restauriert, mit den schlichten Worten: „Ich mache es für Nowinski, das sind wir ihm schuldig”.

Das Kreuz mit der deutschen Inschrift und dem Refrain des Liedes „Du obers­chlesische Heimat” hat die „Säuberungs­aktionen” nur überlebt, weil eine Frau auf den Gedanken gekommen ist und das Kreuz vor der „Säuberungs­aktion” der soge­nannten „Auf­ständischen” umgedreht hat.

Dieses hat die Frau als Geheimnis über vier Jahr­zehnte bewahrt, erst kurz vor ihrem Tode hat sie es an eine Bekannte verraten. Wie das Schicksal manchmal im Leben spielt, die „Pflege­frau” dieser Grab­stätte pflegt auch das Grab des „polnischen Auf­ständischen” Koschyk, der vielen Ober­schlesiern bekannt war.




In Treue will ich dich lieben,
mein Schwur sei heiliges Pfand;
du oberschlesische Heimat,
du wälderrauschendes Land”.

Am 19. Januar 1945 über­schritten sowjetische Truppen die alte Provinz­grenze östlich von Kreuzburg und Rosenberg. Somit wurde Ober­schlesien erst­mals seit 1807 wieder Kriegs­schauplatz.

Mit der Flucht und der Ver­treibung der deutschen Ober­schlesier und der Besitz­nahme ihrer Heimat durch polnische Zuwanderer endet im Jahre 1945 die fast 700jährige Geschichte des deutschen Ober­schlesiens.

Hundert­tausende flüchten vor der Sowjet­armee, Tausende werden ver­trieben, Hundert­tausende müssen in der Heimat bleiben, um in Industrie und Gruben schwere Arbeit als Fach­kräfte zu leisten. Tausende werden in Arbeits­lagern (Ver­nichtungs­lagern) zusammen­getrieben, die Zahl der Todes­opfer ist sehr hoch.

Zehnt­ausende werden in die Weiten Rußlands deportiert, was leider auch die betroffen hat, die sich ein polnisches Ober­schlesien wünschten. Sie wurden deportiert, um dort unter unmensch­lichen Zuständen zu arbeiten. Nur wenige kehrten zurück!

Dennoch:
„Bewundernd blicken wir Ober­schlesier auf den Fleiß unserer Vorväter. Schon im Mittel­alter haben sie einen erfolg­reichen Anlauf genommen. Und seit knapp zwei Jahr­hunderten haben sie aus einem ent­legenen Waldlande ein Industrie- und Wirt­schafts­gebiet von Welt­format geschaffen.”

Florian Mierzwa




Ostpreußisches Liebesgestammel

von Gustav A. Goerke

Quelle: „Lustige Schabberei”


UDH Nr. 102

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