BGD - Bund für Gesamtdeutschland

Unsere Deutsche Heimat

Ausgabe 103  ¦  Mai – August 2013


Kalkreuth bei Großenhain/Sachsen

Sylvio Feistl, Warnsdorf

Die Erst­erwähnung der Siedlung hieß Ka(a)kruthe und bezeichnet damit den Gerichts­stand­ort, denn der Kaak ist im heutigem Sinne ein Pranger (Das Deutsche Wort, Georg Dollheimer-Verlag Leipzig, 1933, Richard Pekrun, S. 49: Kaak, der; — (e) s, -e: mundartl. Pranger, Schand­pfahl). Die Ruthe wird heute als Raute bezeichnet und ist ein altes Rechts­sinnbild. Als Wappen kann man sich eine blaue (Blau = Treue = Schwur oder Eid) Säule (siehe auch Ortrand: Blauer Stein beim Gerichte, in: „Der Schraden”, Böhlau Verlag, 2001) mit einer roten Raute vor­stellen.

Der Name der Siedlung, wenn es über­haupt ursprüng­lich eine war, wandelte sich schnell von 1284 bis 1303 zu Calik­ruthe / Kallik­ruthe, und dann folgten allein bis 1588: Kalcke­rath, vierzehn Lesarten des Namens. Das Regest der Original­urkunde vom 17. Dezember 1284 aller­dings spricht, laut Ursprungs­text, von einem Heinrich von Kalck­reuth, was in sich ein Wider­spruch ist (aus „Kalk­reuth 1284-1984”, VOB Gutenberg­druck Großen­hain)! „Die Herren von Kalck­reuth waren im 12./13. Jahr­hundert als deutsche Siedler mit Bauern aus dem Dorf gleichen Namens bei Nürnberg gekommen („575 Jahre Pauls­mühle 1418-1993”, Arbeits­kreis der Kalk­reuther Heimat­freunde). Deren Wappen zeigt eine „Kalk­reute: ein Werkzeug zum Brechen des Kalk­steins, ehe derselbe in den Kalkofen geworfen wird” (aus: „Die Bilder­schrift der Ario - Germanen”, G. v. List, Kommission bei E. F. Steinacker Leipzig).

Trotz der Veränderung über die Jahr­hunderte, bewahrt der Siedlungs­name — bis auf die Ausnahmen von 1509 Kalkart und 1547 Kalckerda — die „Rechts­titel”: -ruth, -reuth, u. a.: 1342 — Kalcruthe, 1356 — Kalkrute, 1378 — Kalgrut, 1406 — Kalgriet. 1450 — Kalckreut, 1479 — Kalgrett, 1503 — Kalkreuth. 1509 — Kalkreyt,1539 — Calckrath, 1555 - Kaligreuth und 1588 Kalckerath.

Für die Siedlung war also von Beginn an der Thing — Gerichts­standort prägend und wurde später von dem Namen derer von Kalckreuth über­lagert bzw. abgelöst; die geschicht­lichen Zeugnisse scheinen das zu ver­deutlichen. Eine Möglich­keit wäre auch, daß die Herren von Kalck­reuth die Berechtigung hatten, eine Gerichts­barkeit an der Kaakruthe durch­zuführen. Das Pranger­eisen, das der zu Läuternde um den Hals bekam, (man sagt heute noch „Kaak am Hals haben!”), konnte die Form einer Raute haben.

Vielleicht besteht hier auch ein Bezug zur nahen Pauls­mühle als einem älteren Thing-Gerichts­platz?

Wappen für Kaakruthe und Kalckreuth

(Manuskriptauszug: S. Feistl, Ganzheitliche Siedlungs­namen­forschung)


UDH Nr. 103

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