BGD - Bund für Gesamtdeutschland

Unsere Deutsche Heimat

Ausgabe 103  ¦  Mai – August 2013


Offener Brief an ehemalige deutsche Kriegsgefangene in Lagern der US-Armee

Merrit P. Drucker 7507 12th Street NW
Washington, DC 20012 druckersloss@aol.com 202 722 6716
July 11.2011

Sehr geehrte Herren!

Ich übermittele allen ehemaligen deutschen Kriegs­gefangenen für die Zeit ihrer Gefangen­schaft im Gewahrsam der US-Armee in Deutsch­land und Frank­reich in den Jahren 1945 und 1946 meine Ent­schuldigung und mein Einge­ständnis des Geschehenen.

Mit großer Trauer habe ich von den Zuständen in den Rhein­wiesen­lagern erfahren. Alle Unter­lagen, die ich gefunden habe, zeigen, daß die brutalen Bedingungen, unter denen Sie gefangen gehalten wurden, eine Ver­letzung der Genfer Konvention dar­stellten, ungerecht­fertigt nach jedweder moralischen Regel und politisch sowie militärisch unnötig waren. Die Gefangen­haltung wurde geplant und durch­geführt mit ein­maliger Brutalität zu einer Zeit, als die USA die Kapazitäten hatten, um eine ange­messene Behandlung sicher­zustellen.

Jener, die ihr Leben verloren haben, laßt uns im Gebet gedenken.

Jene, die als Vermißte in Gräbern ohne Kenn­zeichnung liegen, wollen wir nicht ver­gessen.

Mit jenen, die krank und fast ver­hungert waren, freue ich mich über ihre Wieder­genesung und wünsche ihnen und ihren Familien gute Gesund­heit.

Jenen, deren Eheringe, Uhren und persön­liche Besitz­tümer gestohlen wurden, wünsche ich Segen für ihre Ehe und biete meine Erinnerung an persön­liche Verluste an.

Gegenüber jenen, denen ihre Soldbücher, Erkennungs­marken, Dienst­grad­abzeichen und Aus­zeichnungen für Tapfer­keit und Dienst­leistung weg­genommen wurden, erkenne ich die Bedeutung dieser Gegen­stände für Soldaten aller Nationen an.

Bitte akzeptieren Sie diese Ent­schuldigung und diesen Brief des Ein­geständ­nisses als einen kleinen und ersten Schritt zu der offi­ziellen Ent­schuldigung und dem Einge­ständnis von seiten hoch­rangiger Vertreter der US-Armee und -Regierung, auf die ich hoffe. Ich habe meine Regierung darum gebeten.

Ich habe in der US-Armee in Rhein­berg (ehe­malige Reichel-Kaserne) von 1987 bis 1990 gedient; dort habe ich im Stadt­archiv und am Denkmal auf dem Stadt­friedhof von Annaberg von den Rhein­wiesen­lagern erfahren. Man weiß fast nichts davon in den USA, und genaue Beschrei­bungen fehlen in unserer offiziellen Militär-Geschichts­schreibung.

Bitte nehmen Sie zur Kenntnis, daß meine Bemühungen, der Welt die Beding­ungen Ihrer Gefangen­schaft bekannt zu machen, fort­gesetzt werden.

Obwohl nichts, was ich sagen oder tun kann, etwas an dem ändern kann, was am Ende des Krieges geschehen ist, nehmen Sie bitte zur Kenntnis, daß Ihr Schicksal und Ihr Leiden nicht vergessen sein werden.

Merrit P. Drucker Major,
Infantry US Army (Retired)


Liebe Leser und Freunde,

über diese Stellung­nahme von Major Merrit P. Drucker konnte ich leider keine weiteren Einzel­heiten in Erfahrung bringen. Vielleicht können einige Freunde über drckerloss@aol.com etwas in Erfahrung bringen.

1945 hatte ich mich der Gefangen­schaft entzogen und wurde, wie viele meiner Kameraden die dieses Glück hatten, von den Alli­ierten mit Auf­rufen auf großen Plakaten nach geflohenen deutschen Soldaten, gesucht.

Aus diesem Grunde habe ich die Nähe der Rhein­wiesen in Rheinberg gemieden, obwohl ich nur wenige km entfernt im Unter­grund lebte.

Selbst wenn dieses Schreiben von Major Drucker echt sein sollte und dieser Major der US Army sich einsetzt, um die an den deutschen Kriegs­gefangenen begangenen Ver­brechen der ameri­kanischen Öffent­lichkeit bekannt zu machen — es bleibt:

Alle alliierten Verant­wortlichen für diese und auch für alle anderen auf deutschem Boden begangenen Kriegs­verbrechen sind bis auf den heutigen Tag nicht angeklagt worden — wie dies mit hundert­tausenden Deutschen geschehen ist.

Eine Welt in der zweierlei Recht gang und gäbe ist kommt nicht durch eine einzelne Stimme zur Ruhe. Es bedarf der Aner­kennung des begangenen Unrechts durch die Verant­wortlichen, die dieses Unrecht begangen haben und leider auch heute immer noch begehen. Wann kommt dieser Tag?

Horst Zaborowski


UDH Nr. 103

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