BGD - Bund für Gesamtdeutschland

Unsere Deutsche Heimat

Ausgabe 103  ¦  Mai – August 2013


Das Sommerfest

Zur Erntezeit sollte für alle kleinen Tiere, auf den Feldern und Wiesen im nahen Umkreis ein Sommer­fest stattfinden. Das hatten sich ein Eichel­häher und ein Kauz ausgedacht. Also flog der Häher in den höchsten Baum­wipfel und ver­kündete mit seiner krächzenden Stimme dieses Vorhaben folgender­maßen. „Am Abend findet deshalb, so bald der Mond aufgegangen ist, eine Versammlung statt, und zwar am Waldrand wo der Bach sich weiter ins Tal schlängelt! Viele kamen, auch die Glüh­würmchen mit ihren Laternchen zum Leuchten.

Nun sprach der Kauz, denn er hatte die Regie über­nommen. „Wie ihr gehört habt, wollen wir morgen alle lustig sein; an diesem Tage ist das Morden unter­einander streng verboten. Der Festplatz ist das Weizen­feld neben der Wiese. Sobald es anfängt zu tagen, wird von den Amseln, den Drosseln und Finken ein Morgen­lied als Weckruf für die Lang­schläfer zu hören sein; die Lerchen folgen mit dem Morgen­gebet. Wenn alle Teil­nehmer da sind, gibt es Frühstück, danach stimmen Grillen und Grashüpfer ihre Instrumente und begleiten den Tanz der Mücken!” Nach diesen Anord­nungen schwieg er, denn es herrschte lauter Jubel unter den Zuhörern, sie freuten sich alle auf das morgige Fest.

Nach kurzer Nachtruhe brach man auf. Wer Flügel hatte war als Erster da, es krabbelte und hüpfte heran. Die Vögel und die Mäuse taten sich an den Ähren gütlich, die Bienen tranken Honig, die Käfer labten sich am Tau. So ging es friedlich bis zum Nach­mittag zu.

Da der Häher als Wach­posten auf einem hohen Ast saß, stieß er plötzlich einen Warnruf aus, denn ein rummelndes Ungeheuer kam direkt in das Weizen­feld hinein­gefahren. Die Vögel flogen davon, die Mäuse schlüpften in ihre Löcher, die Grillen auch und die Gras­hüpfer machten lange Sprünge auf die Wiese zu. Nur die kleinen Käferlein hatten es schwer, ihr Leben zu retten. Der Kauz verdrehte die Augen, blieb gelassen und sagte: „So ist diese Welt!”

Vorbei waren Kirmes Tanz und Schmaus. Am Abend standen nur noch die Stoppeln und die Krähen kamen zur Nachlese.

Gertrud Bell


UDH Nr. 103

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