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2005


Exzellenz Lech Kaczyński

Friedrich Kurreck
Offenbach am Main, den 9. November 2005

Euer Exzellenz,
am 23. Dezember 2005 treten Sie nach gewonnener Wahl das Amt des Präsidenten der Republik Polen an und ziehen zum Präsidieren in das Schloß Belvedere. Für Ihre Amtszeit wünsche ich Ihnen eine stets glückliche Hand zum Wohle nicht nur Ihres Volkes, sondern auch zum Wohle aller anderen Völker in der Europäischen Union, und Gottes Beistand für ein gutes Gelingen. Im Vorfeld der Wahlen hatten Sie, Euer Exzellenz, aber etwas geäußert, was zwar wie Balsam in den Ohren Ihres Volkes wirkt, was aber nicht einem friedlichen Miteinander in der Europäischen Wertegemeinschaft dienen dürfte: „Provokationen durch anhaltende Ansprüche von deutscher Seite können wir keineswegs hinnehmen“. Mit diesen Ansprüchen meinten Sie die Forderungen der von Ihren Vorfahren aus den ihnen von unser aller Herrgott als Heimat zugewiesenen Gebieten jenseits von Oder und Neiße ausgetriebenen Deutschen. Mit „Recht und Gerechtigkeit“, so doch die Losung Ihrer Partei, ist das nach meinem Rechtsempfinden nicht in Einklang zu bringen. Um die nach Recht und Gesetz durchaus berechtigten Forderungen der Vertriebenen entkräften zu können, haben Euer Exzellenz die Schäden des im Zweiten Weltkrieg fast völlig zerstörten Warschau berechnen lassen und wollen diese Deutschlands notfalls auch in Rechnung stellen, wenn die von Ihrem Volk ihrer Heimat Beraubten nicht auf ihre Forderungen an Polen verzichten sollten. Hieraus ist zu schließen, daß Euer Exzellenz die wahren Ursachen, die am 1. September 1939 zur kriegerischen deutsch-polnischen Auseinandersetzung, dem Einmarsch deutscher Truppen in Ihr Land, zwangsläufig auch zur Zerstörung der „Festung“ Warschau führten, nicht bekannt sein dürften. Ein Grund für mich, einem 91jährigen Ostpreußen, Ihnen nachstehend einige Sachverhalte aufzuzeigen.

Ist Euer Exzellenz wirklich nicht bekannt, daß Ihr Land sich seit dem März 1939 in einer sich ständig steigernden Kriegsstimmung befand, daß in zahlreichen Aufsätzen und Leserbriefen in Zeitungen der Krieg dringend gewünscht wurde, daß durch Aktionen wie die Meldung zu einem Kommando „lebender Torpedos“ nach mißverstandenem japanischen Vorbild und durch Vorträge polnischer Offiziere, die die Qualitäten polnischer Soldaten in den Himmel hoben und die deutsche Ausrüstung als minderwertig bezeichneten, eine Stimmung erzeugt wurde, die von einem Marsch nach Berlin träumen ließ? Ist Ihnen auch nicht folgende Passage aus der Rede bekannt, die der polnische Marschall Rydz-Smigly im Juni oder Juli 1939 bei einer von ihm besuchten Versammlung polnischer Offiziere, Reserveoffiziere und Offiziersanwärter in der Gegend zwischen Krakau und Kattowitz gehalten hat?

„Polen will den Krieg mit Deutschland, und Deutschland wird ihn nicht vermeiden können, selbst wenn es das wollte“.

Wie, Euer Exzellenz, hätte Deutschland denn bei den ständig sich steigernden Provokationen Ihres Volkes uns gegenüber den Krieg vermeiden können? Können Sie mir eine Nation nennen, die sich derartiges auf Dauer hätte gefallen lassen? Ihr Volk bestimmt nicht.

Ist Euer Exzellenz auch nicht bekannt, daß die damaligen Politiker Ihres Landes ihre Politik der Verletzung der Minderheitenrechte bis zu den letzten Tagen des Bestehens Polens als unabhängige Nation fortsetzt und, mit der Ausrottung der deutschen nationalen Volksgruppe in Polen beschäftigt, verfehlten in Betracht zu ziehen, daß ihr westlicher Nachbar, das Deutsche Reich, auf Dauer nicht gezwungen werden konnte, regungslos zuzusehen, was „drüben“ geschah?

Ist Ihnen nicht bekannt, daß am 15. Juni 1932 im britischen Oberhaus eine ausführliche Aussprache über die Minderheitenpolitik Ihres Landes stattfand, in der u.a. folgendes hervorgehoben wurde:

Lord Cecil, der als Delegierter der britischen Regierung an der Aussprache im britischen Oberhaus teilgenommen hatte, hat die Anwendung des Terrors in der polnischen Minderheitenpolitik als das „Gewissen der Menscheit erschütternd“ bezeichnet und abschließend festgestellt: „Nur mit großem Widerstreben kritisiert man einen befreundeten Staat. Wie die Beratungen im Völkerbund gezeigt haben, wird aber nichts gewonnen, wenn man den Bruch der Verträge ignoriert, falls diese Vertragsbrüche abgestellt werden können. Wir dürfen nicht vergessen, daß Polen ganz besondere Ursachen hat, diese Verträge zu achten, denn die ihm zugestandenen Annexionen wurden ihm nur unter der Bedingung gestattet, daß es diesen Gebieten Autonomie gewährt.

Ihre Politiker, Euer Exzellenz, interessierte diese Rüge nicht. Sie fuhren mit ihrer Ausrottungspolitik der deutschen Volksgruppe unbeirrt fort und steigerten sie sogar, als sie Ende März 1939 von England eine Garantiezusage in ihren Händen hatten, die den Schutz der polnischen Grenze garantierte. Wie sich dann später beim Einfall sowjetischer Truppen in Ostpolen herausstellte, war die polnische Ostgrenze in diese Garantie nicht eingebunden. Erwähnt werden müssen in diesem Zusammenhang noch einmal die permanenten Grenzverletzungen, die Polen seit seiner Auferstehung als unabhängige Nation sich fortwährend leistete, ungeachtet des Danktelegramms an den deutschen Kaiser Wilhelm II. und an den österreichisch-ungarischen Kaiser Franz Josef I. wegen der Befreiung Polens aus dem zaristischen Joch. Dieses hatte folgenden Wortlaut: „An diesem Tage, wo das polnische Volk erklärt, daß es frei sei und einen selbständigen Staat mit eigenem König und eigener Regierung erhalten wird, durchdringt die Brust eines jeden freiheitsliebenden Polen das Gefühl der Dankbarkeit gegen diejenigen, die es mit ihrem Blut befreiten und zur Erneuerung eines selbständigen Lebens berufen haben… Daher senden wir den Ausdruck unserer Dankbarkeit und die Versicherung, daß das polnische Volk seinen Bundesgenossen die Treue zu bewahren imstande sein wird…“

Wie diese polnische Dankbarkeit aussah, das erlebten wir dann in den Jahren 1918 bis 1939. Die Politiker der Weimarer Republik und wir, die im Osten des Deutschen Reiches Beheimateten, lebten fortan in dauernder Sorge vor weiteren polnischen Einfällen mit anschließender Annexion unseres Landes durch Polen. Hier nur eine der Aussagen deutscher Reichskanzler der Weimarer Republik für das internationale Militär-Tribunal (IMT) in Nürnberg, die eidesstattliche Aussage des ehemaligen deutschen Reichskanzlers Dr. Josef Wirth:

Ich erinnere mich noch gut an das Jahr 1927, in dem erneut eine Welle großer Angst durch unser Ostpreußen ging. Ich war damals gerade 13 Jahre alt und auch von Furcht nicht frei. Bei einer Zusammenkunft in Locarno am 10. Dezember 1927 sagte Ihr Präsident, Marschall Pilsudski, ein großer Staatsmann übrigens, unserem Außenminister Stresemann beruhigende Worte und bat ihn, uns folgendes auszurichten: „Sehen Sie, Herr Minister, das habe ich schon als Kind gewußt: Da sind wir Kinder oft von unserer litauischen Heimat aus über die damals russisch-deutsche Grenze mit unserem Vater nach Ostpreußen gefahren, über die Grenze, die nicht nur zwei Länder, sondern zwei Welten schied. So ganz anders erschien uns das benachbarte Ostpreußen, in dem alles deutsch war, selbst die Masuren, die damals noch mehr als heute ihren slawischen Dialekt sprachen. Nein, Ostpreußen ist ein unzweifelhaft deutsches Land! Das ist von Kindheit an meine Meinung, die nicht erst der Bestätigung durch eine Volksabstimmung bedurfte. Und daß dies meine Meinung ist, können Sie Ihren Ostpreußen in einer öffentlichen Versammlung in Königsberg mitteilen.“

Ganz anderer Meinung dagegen waren seine Nachfolger. Für sie gehörten große Teile Deutschlands bis in die Nähe von Berlin zu Polen, des weiteren Böhmen, Mähren, die Slowakei und ein riesiger Teil Rußlands, wie die neuen Landkarten von Polen aufzeigten, die der belgische Journalist Ward Hermanns bei seinem Besuch Polens im Sommer des Jahres 1939 bewundern konnte und die ihn zu der Feststellung kommen ließen, daß Polen ein großes Irrenhaus geworden sei.

Sicher wird Ihnen, Euer Exzellenz, das erstmals 1927 erschienene Buch des polnischen Generalstabsoffziers Henryk Baginski „Poland and the Baltic“ bekannt sein, weil es immer und immer wieder neu aufgelegt wurde. Für den Fall, daß es Ihnen nicht bekannt sein sollte, folgende Passage daraus:

Um den Brief nicht ausufern zu lassen, will ich es mit den Ihnen vorstehend aufgezeigten Sachverhalten bewenden lassen. Wenn dieser Brief Ihnen, Euer Exzellenz, Anlaß geben sollte, nun über die „wahren“ Ursachen einmal nachzudenken, die zum Ausbruch des Krieges zwischen unseren beiden Ländern führten, der dann in einen zweiten, weitaus schrecklicheren Krieg auf europäischem Boden ausartete und in dessen Folge das eintrat, worüber der polnische Botschafter Potocki seiner Regierung aus Washington zu berichten wußte, die Zerstörung Ihres Landes, dann hat er meinen Wunsch erfüllt.

In diesem Zusammenhang noch etwas sehr Interessantes vom damaligen Botschafter Ihres Landes in Washington, Jerzy Potocki: „Im Westen gibt es allerlei Elemente, die offen zum Krieg treiben; die Juden, die Großkapitalisten, die Rüstungsfabrikanten. Alle stehen heute vor einer glänzenden Konjunktur, denn sie haben einen Ort gefunden, den man in Brand stecken kann: Danzig, und eine Nation, die bereit ist zu kämpfen: Polen. Auf unserem Rücken wollen sie Geschäfte machen. Die Zerstörung unseres Landes würde sie gleichgültig lassen. Im Gegenteil: Da später alles wieder aufgebaut werden müßte, würden sie auch daran verdienen.“ (Szembek-Journal S.475.)

Exakter kann die damalige Lage doch wohl nicht beschrieben werden. Deshalb mache ich mir, als Deutscher, auch Gedanken darüber, warum, trotz dieses in Aussicht stehenden Infernos, ihre damaligen Politiker dennoch einen Krieg dem Frieden vorgezogen haben. Können Sie als Pole, Euer Exzellenz, mir diese Frage beantworten? Meine Vermutung ist, daß ihre Politiker der Zwischenkriegsjahre das in ihrem Hinterkopf hatten, was Henryk Baginski in seinem Buch „Poland and the Baltic“ forderte, nämlich die Zurückeroberung aller polnischen Länder, die, aus ihrer Sicht, noch außerhalb Polens liegen und die heimgeholt werden müssen. Sehen Sie, Euer Exzellenz, es nicht auch so?

Einen Vorfall, der mich lehrte, kritisch gegenüber den Medien zu sein, anstatt ihnen alles bedenkenlos abzunehmen, möchte ich Ihnen, Euer Exzellenz, nicht vorenthalten. Natürlich habe auch ich, Jahrgang 1914, am Polenfeldzug teilgenommen. Als wir über Bromberg nach dem dort stattgefundenen „Blutsonntag“ bis an die Weichsel vorgestoßen waren, wurden wir in der Thorner Gegend von rot-weißen Armbinden tragenden polnischen Zivilisten stürmisch begrüßt. Überschwenglich fielen sie uns um den Hals. Diese „Deutschenkiller“ wie wir später erfuhren, küßten uns gar, ein Schauspiel, das wir alle als widerwärtig empfanden. Das änderte sich schlagartig, als nach geraumer Zeit Volksdeutsche aus ihren Verstecken hervorgekrochen kamen und das Rätsel, vor das wir urplötzlich gestellt waren, lösten.

Der Warschauer Sender hatte gemeldet, daß Engländer, Ihre Grenzgaranten, Euer Exzellenz, in Gdingen gelandet seien und nun weichselaufwärts marschierend in den Kampf um Warschau befreiend eingreifen würden. Zumindest an unseren Stahlhelmen hätten sie uns doch als Deutsche erkennen müssen. Bedauernswerte Opfer einer Falschmeldung?

Der Name Ihrer Partei „Recht und Gerechtigkeit“ (PiS) Euer Exzellenz, sollte allen Ihren Landsleuten, zumindest aber deren Mitgliedern, Ansporn sein, Recht und Gerechtigkeit zu üben an allen Geschöpfen Gottes, nicht nur gegenüber den Polen. Und zu dieser Gerechtigkeit gehört eben auch eine Wiedergutmachung durch Polen für das Eigentum derer, die von Ihrem Volk unter menschenunwürdigen Umständen aus ihrer deutschen Heimat getrieben wurden, wobei 2 000 000 elendiglich verreckten. Menschen, deren Vorfahren einst aus der Wildnis durch harte Arbeit und einer Jahrhunderte währenden Kultivierung ein fruchtbares Land geschaffen haben.

Ihrer Notfallsforderung, Euer Exzellenz, stelle ich unsere Forderung, die Forderung der Ostdeutschen, gegenüber:

Annektierte reindeutsche Gebiete:

Dazu: Annektierte Häuser, Bauernhöfe, Güter und Rittergüter samt Inventar, Kirchen, Dome, Gewerbebetriebe, Fabrikanlagen, Werften, Kanalisationen-, Elektro- und Straßennetze, gepflegte Wälder usw. usw.

Es wäre angebracht, wenn auch die Regierung der Bundesrepublik Deutschland sich, wie Sie, Euer Exzellenz, die Mühe machen würde, den Wert zu ermitteln von all dem, was Ihr Land an deutschem Eigentum alles annektiert hat. Es dürfte eine Summe herauskommen, die den von Ihnen angegebenen Wert Ihrer zerstörten Metropole Warschau gewaltig übersteigen würde, ein Schaden, den doch die verursacht haben, die Warschau zur „Festung“ erklärten und jene, die glaubten, sich 1944 gegen die Besatzungsmacht erheben zu dürfen. Das sollte sechs Jahrzehnte nach Kriegsende doch jedem klar sein. Was glauben Sie, was Ihre amerikanischen, englischen und französischen Freunde in solchen Fällen wohl gemacht hätten? Genau dasselbe, wie die deutsche Wehrmachtsführung.

Sie, Euer Exzellenz, und Ihr Volk mögen sich drehen und wenden wie sie wollen, es ist nichts dran an dem „Unschuldslamm Polen“. Aus den vorstehend aufgezeigten Fakten wird doch klar ersichtlich, daß das erfundene „Polnische Unschuldslamm“ von Anbeginn eine Mißgeburt gewesen ist. Es wurde erfunden zu dem alleinigen Zweck, zu den schon geraubten reindeutschen Gebieten auch noch Milliarden über Milliarden DM als Wiedergutmachungsleistungen aus uns herauszupressen, was, bei der fatalen Unkenntnis der deutsch-polnischen Beziehungen deutscher Nachkriegspolitiker ja auch bestens gelungen ist. Unter lautem Jubel der Mitglieder des Deutschen Bundestages und des DDR-Parlaments wurde dann der Schlußstrich gezogen und die von Stalin gezogene Oder-Neiße-Linie als neue Grenze zu Polen anerkannt. Eine wunderbare Leistung der Vertreter der Interessen des deutschen Volkes im Deutschen Bundestag für die Republik Polen. In den Parlamenten anderer Länder, vor allem in Ihrem Sejm, Euer Exzellenz, wären, bei solchen Anlässen, Jubelstürme dieser Art undenkbar.

Ihr Land, Euer Exzellenz, ist inzwischen nun auch Mitglied der Europäischen Union, Mitglied einer Völkergemeinschaft, in der Recht und Gerechtigkeit sowie die Gleichbehandlung aller Mitglieder einen hohen Stellenwert einnehmen. Ich bin der Auffassung, daß auch Polen sich von diesen Vorgaben sollte leiten lassen, anstatt für ewige Zeiten nach Extrawürsten zu gieren. Wer einen dauerhaften Frieden in Europa ernsthaft anstrebt, der verhält sich einsichtig, um dieses hohe Ziel nicht zu torpedieren.

Mit vorzüglicher Hochachtung
gez. Friedrich Kurreck


UDH Nr. 76
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