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BGD — Die Neue Deutsche Mitte

PES: Privat-Eigentums-Sicherung

2005


Offenbach, den 6. Dezember 2005

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,
unter „Angela Merkel hält Linie“ lese ich in der heutigen Offenbach-Post, daß auch Ihre Regierung Klagen von Vertriebenen zur Rückgabe von Eigentum in der Tschechei oder Polen nicht unterstützen werde. Dies sollen Sie dem tschechischen Ministerpräsidenten Jiří Paroubek versichert haben. Ist das christliches Gedankengut der CDU von heute? Wenn ja, dann haben wohl Sie und Ihre Funktionäre sich von den demokratischen Rechtsprinzipien, von Recht und Gerechtigkeit, verabschiedet, und die CDU wäre dann, zumindest von Bundesbürgern mit stark ausgeprägtem Rechtsempfinden, wohl nicht mehr wählbar.

Ihnen, der Tochter eines evangelischen Pastors, dürften die „Zehn Gebote Gottes“ nicht unbekannt sein. Oder? Im neunten Gebot heißt es doch: „Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus.“ Unsere östlichen Nachbarn, die besonders fromm geprägten (katholischen) Polen, mißachten es, wie auch das siebente Gebot, das da lautet: „Du sollst nicht stehlen.“ Sie, sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, decken mit Ihrer Einstellung den Raub der Deutschen Ostgebiete und stellen sich damit als Hehlerin dar, die sich als Bundeskanzlerin weigert, die Interessen der Vertriebenen zu vertreten, was übrigens Ihre Pflicht ist. Vor Übernahme Ihres Amtes haben Sie nach Artikel 56 Grundgesetz vor dem Deutschen Bundestag folgenden Amtseid abgelegt:

Wohlgemerkt: Gerechtigkeit gegen jedermann !!! Hierbei ist Ihnen Gottes Hilfe sicher. Was aber verstehen denn „Sie“ unter „jedermann“?

Fallen die Heimatvertriebenen etwa nicht unter diesen Begriff? Sind sie in Ihren Augen etwa „Menschen dritter Klasse“, Menschen, die allein die Kriegsfolgen zu tragen und den Verlust der Heimat,mit allem Drum und Dran, ohne Wiedergutmachungsansprüche hinzunehmen haben?

Der designierte Präsident der Republik Polen, Lech Kaczyński, fühlt sich durch die Wiedergutmachungsforderungen der von seinem Volk auf die brutalste Weise aus ihrer ihnen von Gott zugewiesenen Heimat Davonjagten provoziert und ist mit dieser chauvinistischen Einstellung auch in den Wahlkampf gezogen. Er drohte uns an, weitere Entschädigungsforderungen zu stellen, wenn die Bundesrepublik sich erdreisten sollte, bei Entschädigungsansprüchen den Antragstellern Unterstützung zukommen zu lassen. Solche Worte sind Balsam auf die Seele der Polen und wurden von ihnen honoriert. Ich habe mir erlaubt, dem künftigen Polenpräsidenten Kaczyński Nachhilfeunterricht in den deutsch-polnischen Beziehungen in den Jahren zwischen den beiden Kriegen zu erteilen. Da auch Sie, wie er, mit der „Gnade der späten Geburt“ beglückt, und demzufolge diese Beziehungen Ihnen auch nicht bekannt sind, erlaube ich mir, eine Ablichtung des Schreibens zur Kenntnisnahme und zur Verwendung bei Ihren künftigen Zusammenkünften mit Polen zu überreichen. Oder fehlt Ihnen der Mut, dieses Thema anzusprechen? Keine Bange, Gott wird Ihnen helfen. Sie baten ihn doch darum.

Ich bitte Sie nun höflichst, mir, nach Kenntnis des Inhalts meines Schreiben an ⇒ Herrn Kaczyński, mitzuteilen, ob Sie auch weiterhin nicht gewillt sind, Forderungen der Heimatvertriebenen nach Wiedergutmachung für den Verlust des ihnen von Polen geraubten Eigentums zu unterstützen.

Ich danke Ihnen.

Mit freundlichen Grüßen.
Friedrich Kurreck.



UDH Nr. 76
PES-Archiv

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