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Freistaat Schlesien


August der Starke 66 Jahre König von Polen

28.09.2004

Werter Herr Bundeskanzler Schröder!

Warum entgleisen Sie so oft, wenn es um die berechtigten Belange der Heimatvertriebenen geht, nur um sich bei den Polen anzubiedern? Ihre mehrfachen Äußerungen über die „Ewig Gestrigen“ wird manchen Vertriebenen schwer treffen, aber es sind ja „blos“ 25% der Einwohner Niedersachsens. Ich dagegen empfinde es als Auszeichnung, besagt es doch, daß die von gestern noch etwas von Deutscher Geschichte wissen und die Polen besser kennen, bei denen Sie sich auf billige Art und Weise anbiedern. Ich hoffe und glaube allerdings nicht, daß Sie in die Fußtapfen von Dietrich Genscher treten und sich diese Liebedienerei mit ebenfalls 500.000,– DM und Orden bezahlen lassen.

Ich kann Ihnen nur raten, befassen Sie sich ganz objektiv mit der Deutsch-Polnischen Geschichte, die keineswegs nur Krieg, Haß und Streit kannte. Warum regierten August der Starke und sein Sohn 66 Jahre lang als gewählter König die Polen? Warum siedelten ganze deutsche Dörfer bei Warschau und anderswo und wurden ins Land gerufen? Warum war die Grenze zwischen Schlesien und Polen über Jahrhunderte die beständigste in Europa?

Bis zum ersten Weltkrieg gab es kaum Konflikte, und obwohl Deutschland 1916 aktiv mithalf, daß Polen wieder einen eigenen Staat bekam, denn 125 Jahre war es kaum auf einer Landkarte mehr zu finden und größtenteils durch eigene Schuld. Doch danach setzte bei den Polen ein unbeschreiblicher Landhunger ein, und sie nahmen uns nicht nur Posen und das zu 90% Deutsche Westpreußen weg, sie nahmen Ost-Oberschlesien (59,7% für Deutschland abgestimmt), sie nahmen den Tschechen Land wie den Litauern, und sie eroberten mit Waffengewalt das zu Rußland gehörende „Ostpolen“, wo keine 20% Polen wohnten! Aber sie hatten weit bessere Diplomaten, als wie sie Deutschland seit Bismarck je hatte (bis heute, Stresemann ausgenommen), und sie konnten stets das Mitleid der halben Welt erobern. Schade, daß Sie auch darauf hereingefallen sind.

Wenn jemand nach dieser grauenhaften Vertreibung eines ganzen Volksstammes mit über 2 Millionen Ermordeten etwas für die Verständigung zwischen unseren Völkern getan hat, dann sind es die immer noch an ihrem Heimatverlust leidenden Vertriebenen selbst. Wir und ich sind ständig seit 1972 (vorher durften wir nicht) in die Schlesische Heimat gefahren, erst vorige Woche war ich das 47. Mal dort und haben stets Vieles für die dort  Notleidenden mitgenommen. Ich selbst gründete mit zwei anderen ein „Notkonto“, und wir verteilten dieses gespendete Geld zu 100% an die am meisten Not leidenden Deutschen. Es sind über 80.000 DM und zusätzliche Waren von sicher auch 20.000 DM. Haben Sie etwa auch nur einen Fall gehört, wo ein Vertriebener etwa Rache genommen hat für den Raub seiner Heimat und des gesamten Eigentums? Wir Vertriebenen sind die größten Friedensstifter in ganz Europa und hätten den Friedens-Nobel-Preis schon lange verdient! Da gehen Sie hin und prangern Ihre eigenen Landsleute an, blos weil sie ihr Recht fordern? Sie haben beim strikten „Nein“ zum Irak Krieg sehr viel Weitblick bewiesen und greifen hier so schäbig daneben? Es paßt nicht zusammen.

Meine Vorfahren stammen „nur“ 430 Jahre aus Steinkunzendorf im schlesischen Eulengebirge, und ich habe noch keine materiellen Forderungen an Polen gestellt, denn sie können mir meine Heimat nicht ersetzen, aber ich habe volles Verständnis für Grundbesitzer, deren Vorfahren dieses schöne Land in über 700 Jahren kultiviert und entwickelt haben, um dann wie räudige Hunde davongejagt zu werden, nur weil wir einen Tiefpunkt hatten. Polen hat auf unser Schlesien nicht so viel Anrecht, wie unter dem Fingernagel Platz hat! Keiner der Vertriebenen will etwas durch Krieg verändern, aber wir verlangen, daß unsere Regierung mit diplomatischen Mitteln Teillösungen anstrebt, wie z.B. Rücksiedlungen ermöglicht und uns nicht noch zu Tätern stempelt, wo wir doch wahrlich Opfer sind. Selbst heimatvertriebene Deutsche können in Polen immer noch nicht Hausbesitzer sein. Das ist doch rassistisch.

Warum besuchen Sie nie Deutsche Heimatgruppen in Schlesien oder anderswo, wie es Ihre Pflicht wäre.

Sie kennen den Spruch sicher genau: Nichts ist auf Dauer geregelt, was nicht gerecht geregelt ist! Wer die Vertreibung von Menschen aus ihrer angestammten Heimat nicht ständig ächtet, ermuntert andere zu neuen Vertreibungen und macht sich schuldig. Auch Freunden muß man sagen, was sie Unrechtes getan haben!

Jetzt und neulich in Warschau haben Sie unklug geredet, und es paßt überhaupt nicht zu Ihrem Mut, den Sie ansonsten bei den nötigen Sozial-Reformen beweisen. Haben Sie Achtung vor dem Weg, den Rudi Pawelka geht, vorausgesetzt, daß er nicht Privatinteressen verfolgt, und legen Sie ihm keine Steine in den Weg. Es ist auf keinen Fall unsere Aufgabe, den Polen ihr schlechtes Gewissen zu erleichtern, was sie zum Teil jetzt haben.

Nicht wir, sondern Polen ist an der Reihe, ein Zeichen des guten Willens zu setzen, um nicht mehr und nicht weniger geht es. Ich kann Ihnen nur raten, machen Sie sich nicht noch mehr Feinde, als Sie ohnehin schon haben.

Wann werden wir endlich mal wieder eine Deutsch denkende und Deutsch handelnde Regierung haben? Ich denke keineswegs an einen übersteigerten Nationalismus, aber ein gesunder Patriotismus würde unserer geglückten Wiedervereinigung sehr gut tun!

In diesem Sinne grüßt Sie mit gebührender Hochachtung.
Johannes Leuchtenberger


UDH Nr. 72
Schlesien-Archiv

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