Ehrenerklärung des Reichspräsidenten von Hindenburg für den Soldaten des Ersten Weltkrieges, die dieser anläßlich der Einweihung des Tannenberg-Denkmals am 10 September 1927 abgab:
„Das Tannenberg-Nationaldenkmal gilt in erster Linie dem Gedächtnis derer, die für die Befreiung der Heimat gefallen sind. Ihr Andenken, aber auch die Ehre meiner noch lebenden Kameraden verpflichten mich dazu, in dieser Stunde und an dieser Stätte feierlich zu erklären: Die Anklage, daß Deutschland schuld sei an diesem größten aller Kriege, weisen wir, weist das Deutsche Volk in allen seinen Schichten einmütig zurück. Nicht Neid, Haß oder Eroberungslust gaben uns die Waffen in die Hand. Der Krieg war uns vielmehr das äußerste, mit den schwersten Opfern des ganzen Volkes verbundene Mittel der Selbstbehauptung einer Welt von Feinden gegenüber. Reinen Herzens sind wir zur Verteidigung des Vaterlandes ausgezogen und mit reinen Händen hat das Deutsche Volk das Schwert geführt.“
In der Ehrenerklärung für den deutschen Soldaten, die am 22. Januar 1951 von General Eisenhower, dem damaligen Oberbefehlshaber der NATO in Europa abgegeben wurde, heißt es:
„Ich war 1945 der Auffassung, daß die Wehrmacht, insbesondere das deutsche Offizierskorps, identisch mit Hitler und den Exponenten seiner Gewaltherrschaft sei — und deshalb auch voll mitverantwortlich für die Auswüchse dieses Regimes. Genauso wie ich mich damals eingesetzt habe gegen die Bedrohung der Freiheit und Menschenwürde durch Hitler, so sehe ich heute in Stalin und dem Sowjetregime dieselben Erscheinungen. Ich habe damals in solchen Gedanken gehandelt, denn ein Soldat muß ja für seinen Glauben kämpfen. Inzwischen habe ich eingesehen, daß meine damalige Beurteilung der Haltung des deutschen Offizierskorps und der Wehrmacht nicht den Tatsachen entspricht, und ich stehe daher nicht an, mich wegen meiner damaligen Auffassungen — sie sind ja auch in meinem Buch ersichtlich — zu entschuldigen. Der deutsche Soldat hat für seine Heimat tapfer gekämpft. Wir wollen alle für die Erhaltung des Friedens in Europa, das uns allen ja die Kultur geschenkt hat, gemeinsam eintreten.“
Am 3. Dezember 1952 gab Bundeskanzler Dr. Adenauer vor dem Deutschen Bundestag die Erklärung ab:
„Wir möchten heute vor diesem Hohen Haus im Namen der Regierungen erklären, daß wir alle Waffenträger unseres Volkes, die im Rahmen der hohen soldatischen Überlieferungen ehrenhaft zu Lande, zu Wasser und in der Luft gekämpft haben, anerkennen. Wir sind überzeugt, daß der gute Ruf und die große Leistung des deutschen Soldaten trotz aller Schmähungen während der vergangenen Jahre in unserem Volk noch lebendig geblieben sind und auch bleiben werden. Es muß auch gemeinsame Aufgabe sein, und ich bin sicher, wir werden sie lösen, die sittlichen Werte des deutschen Soldatentums mit der Demokratie zu verschmelzen.“
Zu den Ehrenerklärungen gehört auch ein Brief Konrad Adenauers, den er am 17. Dezember 1952 an Generaloberst der Waffen-SS a.D. Paul Hauser richtete. Dieser lautet:
„Sehr geehrter Herr Generaloberst! Einer Anregung nachkommend, teile ich mit, daß die von mir in meiner Rede am 3. Dezember 1952 vor dem Deutschen Bundestag abgegebene Erklärung für Soldaten der früheren deutschen Wehrmacht auch die Angehörigen der Waffen-SS umfasst, soweit sie ausschließlich als Soldaten ehrenvoll für Deutschland gekämpft haben.
Mit dem Ausdruck vorzüglicher Hochachtung bin ich Ihr
gez. Adenauer.“
©: Kultur und Geschichte-Archiv der Zeit e.V. , Rosenheim 2000
Liebe Freunde,
von diesen Ehrenerklärungen ist nur die des Herrn Reichspräsidenten von Hindenburg ohne Hintergedanken, von reinem Herzen kommend, als Danksagung an seine Kameraden zu werten.
General Eisenhowers Erklärung ist unter dem Gesichtspunkt der Gewinnung von Freunden, insbesondere im Hinblick auf den „Kalten Krieg“, zu verstehen.
Bei Dr. Adenauers Erklärungen blitzt seine Schlitzohrigkeit hervor. Galt es doch für die anstehende Wiederbewaffnung die öffentliche Meinung „Nie wieder Krieg“ zu unterlaufen. Von wem als von den Front erfahrenen Soldaten und Offizieren sollte die Bundeswehr gebildet und geführt werden? Etwa von den emigrierten, nach 1945 in Deutschland einströmenden Helden des Widerstandes?
Horst Zaborowski