BGD - Bund für Gesamtdeutschland

Unsere Deutsche Heimat

Ausgabe 67  ¦  Januar – März 2004


Brief an Erzbischof Sandri

Gundelfingen 28.11.03

Sehr geehrter Herr Erzbischof Sandri!
Das Grußwort von Seiner Heiligkeit Papst Johannes Paul II an die Teilnehmer am Tag der Heimat 2003 in Berlin kursiert bei uns Vertriebenen. In diesem Grußwort schreibt der Papst: „Niemand weiß mehr als die Betroffenen, welche es schmerzlich missen mußten, wie kostbar jenes Grundrecht, im Lande seiner Kindheit leben zu dürfen, an den Gräbern der Vorfahren sich des familiären Erbes vergewissern zu können und aus der landsmannschaftlichen Verwurzelung Lebensfreude und Selbstbewußtsein zu schöpfen.“

Wie wahr und wie zutreffend ausgedrückt! Jedoch im nachhinein folgt der Satz „Unsere Heimat aber ist im Himmel!“

Im Himmel also — und unsere Vertreiber haben sich in unserer angestammten Heimat häuslich niedergelassen und Hab und Gut in Besitz genommen…

Unserer Vertreibung hat die polnische Amtskirche wohlwollend zugesehen. Bischof Adamski betonte, daß die deutschen Priester ein Hemmnis bei der Entdeutschung dieser Gebiete seien und daher auszuweisen sind. Kardinal Wyszinski erklärte in einer Predigt 1948, daß „die Kirche bei Euch war, als die Stunde der Abrechnung für dieses Jahrhundert geschlagen hatte.“ Prälat Kominek forderte deutsche Geistliche brieflich auf, Polen zu verlassen, weil sie „unverbesserliche Deutsche“ seien. Geistliche wirkten auch bei der Vertreibung der deutschen Bevölkerung mit, wobei sie polnische Siedler darin bestärkten, daß die Wegnahme deutschen Eigentums weder Raub noch Diebstahl, sondern gottgewollt sei.

Dem hochgepriesenen um Vergebung bittenden und vergebenden polnischen Bischofsbrief vom November 1965 ließ das Episkopat nach Angriffen von Staat und Partei Mitte Februar 1966 einen in Deutschland weithin unbekannten Fastenhirtenbrief folgen, der den Brief von 1965 weitgehend entsubstantiierte. Das Grußwort des Papstes 2003 wäre für ihn eine Gelegenheit gewesen, eine Vergebungsbitte für das den Vertriebenen angetane Unrecht auszusprechen — wie er dies schon in zahlreichen anderen Fällen getan hat. Die Chance, als Papst der Versöhnung zwischen Polen und Deutschen in die Geschichte einzugehen, hat er leider nicht ergriffen. Noch nicht? Können wir noch darauf hoffen?


UDH Nr. 67

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