BGD - Bund für Gesamtdeutschland

BGD — Unsere Deutsche Heimat

Nr.69 (2. Quartal 2004)

Auszug


Wissen die Deutschen noch, wer sie sind?

Dr. Erdmuthe Idris-Schimmel

Vornamen aus fremden Sprachen liegen heute voll im Trend. Zwar hat es solche Fremdlinge schon seit Jahrhunderten gegeben; mit dem Christentum, vor allem mit der Luther-Bibel, kamen alttestamentarische Namen jedoch so sehr in Mode, daß man sie heute kaum noch als fremd empfindet. Sie gehören zur Tradition. Ein modischer Neukömmling dürfte allerdings „Tobias“ sein. Seine Bevorzugung verdankt er aber wohl eher der Nichtkenntnis als der Kenntnis des alten Testaments. [Ich könnte mir denken, daß jemand, der die Tobias-Geschichte kennt, vielleicht lieber nicht so heißen möchte.]

Eine alte Meinung besagt, daß der Name eine Aufgabe für seinen Träger mit sich bringt, eine Aufforderung, seiner Bedeutung gerecht zu werden. Deshalb sollten Vornamen sehr sorgfältig ausgewählt werden; es sollten auch nicht zu viele sein, weil dies ihren Träger überfordern könnte. Beim Adel war es üblich, Kinder mit einer ganzen Reihe von Vornamen zu versehen. Sollte sich das irgendwie ausgewirkt haben? — [Der britische (Noch-)Thronfolger Prince of Wales bekam zum Beispiel vier Vornamen: Charles Philip Arthur George. Das war noch relativ wenig….]

Nach fast 60 Jahren Umerziehung scheinen die Deutschen vergessen zu haben, wer sie eigentlich sind und welche Aufgaben sie erfüllen sollen. Modische nichtssagende ausländische oder gar selbsterfundene Namen sind an die Stelle der althergebrachten getreten. An Familienanzeigen läßt sich das ablesen. Ein beeindruckendes Beispiel bietet der „Weihnachtsbrief“ der katholischen Pfarrgemeinde eines oberbayerischen, am Alpenrand gelegenen Dorfes, in dem man sich zu Urlaubszwecken gerne aufhält [und das sich ansonsten ganz traditionell gibt]. 80 Täuflinge waren es im vergangenen Jahr. 34 erhielten Doppel- oder Dreifachnamen. Unter insgesamt etwa 120 Vornamen befanden sich fünf(!) deutsche: Emma (die Mächtige, Kräftige), Richard (mächtig und stark), Hubert (hervorragender Denker), Günter (Herr im Streite), Frieda (die Befriedende, Beschützende).

Zwar handelt es sich im übrigen weit überwiegend um schon lange in Deutschland gebräuchliche, z.B. Heiligennamen, und modische Fremdnamen kamen selten vor, aber nur zweimal war der deutsche Name auch der Rufname. Etwas besser sah es bei der nächstälteren Generation aus:
22 Hochzeitspaare, 46 Vornamen, sieben deutsche, davon fünf als Rufname: Heinz (mächtig in Haus und Hof), Ferdinand (kühner Beschützer), Ludwig (ruhmvoller Kämpfer), Dieter (des Volkes Kämpfer), Reinold (im Rate Waltender), Rudolf (ruhmvoll und stark), Uwe (Erbe und Heimat).

Unter den 50 Verstorbenen, den Alten, deren Sterbealter jedoch nicht angegeben war, fanden sich immerhin noch 18 deutsche Vornamen. Der Rest bestand überwiegend aus biblischen und Heiligennamen.
Unter den Bedeutungen der deutschen Namen tauchen Begriffe wie Kampf, Kühnheit, Ruhm, Stärke, Macht und Kraft häufig auf. Politisch korrekte „Erzieher“ des deutschen Volkes werden hier wahrscheinlich herauslesen mögen, daß die Deutschen eben doch streitsüchtige Militaristen seien. Wer tiefer blickt, erkennt, daß mit diesem Kampf nicht der Krieg, sondern der Lebenskampf gemeint ist, das Sichbewähren an den Aufgaben des Daseins. Dazu passen vor allem die vielen Namen, die mit Schutz, Rat, Klugheit, Erbe und Heimat zu tun haben: Name als Anspruch und Aufgabe.

Die Umerziehung hat auch auf diesem Gebiet ganze Arbeit geleistet. Die Deutschen vergessen, wer sie sind und worin ihre althergebrachten Tugenden bestehen, Leitbild wurde die ethisch völlig unverbindliche Spaßgesellschaft, deren Quellgebiet der globalisierende Amerikanismus ist. Auf der gleichen Ebene liegt die Verhunzung der deutschen Sprache durch oft un- oder mißverstandene englische Brocken.

Solche Phasen der Verwirrtheit hat Deutschland schon öfter durchgemacht. Im 17. Jahrhundert kämpfte der schlesische Dichter Friedrich von Logau um die Reinheit der deutschen Sprache; er pries ihre Schönheit und starke Ausdruckskraft. Ein anderer schlesischer Dichter, Friedrich Bischoff, hat Friedrich von Logau in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts in einem Sonett ein sprachliches Denkmal gesetzt:

Bleibt eine Frage: Kann ein Volk, in welchem der Vorname Friedrich (Friedensfürst, mächtiger Befrieder) zeitweilig zu den beliebtesten gehörte, ein Volk der „Kriegsverbrecher“ sein ?

Quellen:
Das Gedicht stammt aus Friedrich Bischoff, „Schlesischer Psalter“. Propyläen-Verlag, Berlin 1943.
Heinz Wamser: Die Deutschen Vornamen. Eckartschriften Heft 81.


UDH Nr. 69

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