BGD - Bund für Gesamtdeutschland

Unsere Deutsche Heimat

Ausgabe 71  ¦  Oktober – Dezember 2004


Auf Spurensuche

[Teil 2]

Zu den so sehr bewegten Abstimmungstagen muß ich hier etwas weiter ausholen. Es ist mir schwer verständlich, daß ein sogenanntes friedliebendes Volk wie das polnische, das sich selbst so bezeichnet und auch so von unserer jetzigen Führungskaste sowie den Reportern so bezeichnet wird, die vor 1920 verzogenen Südostpreußen, Westpreußen und Oberschlesier (nach überwiegend Westdeutschland, ja bis nach Übersee) während ihrer Anreise zu den Abstimmungstagen — sie waren dazu berechtigt — großen Schikanen ausgesetzt hatten, durch z.B. schikanöse Kontrollen des Gepäcks, dadurch verpaßte Zuganschlüsse oder durch sogar Zurückweisungen der Reisenden! So geschehen durch das Versailler Diktat vom 28.06.1919 auf dem west­preußischen Boden geschaffenen polnischen Korridor. Als sich die diversen Behinderungen steigerten, mußten die Reisenden notgedrungen den Seeweg wählen. Kann man ein solches Verhalten friedliebend nennen?

Doch dank der italienischen Entente-Beobachter wurde ein gerechtes Ergebnis der Treuebekundungen in Süd-Ostpreußen bekanntgegeben, so daß Polen hier die Raffgier auf deutsche Erde aufgeben mußte. Weitaus nachteiliger fielen die Ergebnisse in den anderen Provinzen, die unter französischer Besatzung standen, aus.

Mehr könnte ich hier aus meiner 9jährigen Zwangsarbeiterzeit unter polnischer Annexion berichten, aber das würde den Rahmen meines eigentlichen Berichtes sprengen.

Als wir immer näher in die Gegend meines Heimatkreises Lyck kamen, standen mir plötzlich sämtliche brutalen Geschehnisse von 1945 und danach vor Augen, die ich miterlebte, selbst erlebte und überlebte. Zu sehr haben sich das bestialische Verhalten der Rotarmisten und der Polen, die danach folgenden Raubüberfälle — bis hin mit tödlichem Ausgang — in meiner Seele eingebrannt. Meine Wunden sind zwar vernarbt, aber nicht geheilt!

Ich mußte mich jetzt sehr im Zaume halten und konnte dankbar sein, mit einem behutsamen Begleiter, wie meinem Groß-Neffen, unser Ostdeutschland noch einmal in einer weitaus weniger gefahrvollen Zeit wiederzusehen, trotz der vielen negativen Eindrücke. Beim 1. Anlauf zur Sichtung des elterlichen Hofes, hatte ich nicht die Courage, auf ihn zuzugehen. Mein verständnisvoller Begleiter mußte ein 2. Mal nach dort hinsteuern. Der Besitz meiner Eltern ist zwar bewohnt, aber nicht das, was er mal war.

Authentisch von außen ist nur noch ein Stall mit seinem stabilen Mauerwerk. Die Heu-Klee-Luken klapprig, Türen nicht minder. Die anderen Gebäude sind verkleinert. Es fehlen der Eiskeller mit dem darüber liegenden Abstellraum für die Wäschemangel, Fahrräder und anderes mehr und nochmals darüber ein Taubenhaus. Es fehlen der Wagenschuppen, der Holzschuppen und die Feldscheune ebenfalls. Keine Zaunstakete ist mehr vorhanden, keiner der schönen Obstbäume. Die schöne, alte Linde rechts der Toreinfahrt mit der Bank davor — ist auch nicht mehr, wo wir Kinder und Jugendlichen an Sommerabenden unsere Volkslieder sangen. Sie war eines der Wahrzeichen des Dorfes Ramecksfelde. Ein zweites Wahrzeichen war beim Nachbarn, eine hundertjährige Eiche, worauf Störche jedes Jahr nisteten. Unsere Vieh-, Pferdetränke und Badestelle sind wesentlich kleiner geworden durch Zuwachsen von Kalmus und Weidengestrüpp, wie auch andere Seen kleiner werden, und an den Seerändern breiten sich Erlenbäumchen aus.

Ach es tut weh, wenn man vor dem Eigentum steht und weiß, statt von den eigenen Angehörigen erwartet, empfangen zu werden — meist war es die Mutter, wohnen jetzt Menschen einer Nation darin, deren Elterngeneration mit uns Deutschen unmenschlich umgingen, ja manchmal die letzten Habseligkeiten aus der Hand rissen.

Polen, sich der Tatsache sicher, mit den BRD-Regierenden, den Parteien, die zwar 1964 noch äußerten: „Verzicht ist Verrat“, Verträge gemäß ihren Wünschen abschließen zu können, sich heute den Fluky, Schwaby „won stont“! (1945 und noch danach), was zu deutsch heißt: Rotzlinge, schwarze Mistkäfer „raus von hier“!, freundlich zeigen. Ja, die Heimweh-Touristen und ihre Mitreisenden bringen doch Devisen für ihren Staat und privat noch was extra. Erfreut nahm unser Auge unsere noch vorhandenen Baumalleen an einigen Straßen auf. Auch einige noch vorhandene Stumpen von Korbweiden erschienen mir wir kranke Lotosblumen in meiner Heimatgegend. In allen Dörfern klaffen Lücken völlig verschwundener Gehöfte, bspw. in Lübeckfelde Krs. Lyck waren 65 Anwesen, heute stehen da nur drei triste einzelne Wohnhäuser, kein Schutt, nur Sprösslinge aus Fliederwurzeln weisen auf einstige Gehöfte hin. Wo sind die geblieben? Abgetragen nach wohin? — Und Häuser, die stehen, bewohnt sind, sind ungepflegt. Ein recht trister Anblick, wenn man auf ein Dorf zukommt. Etwas freundlicher, vertrauter wirken Gehöfte von verbliebenen Deutschen. Doch die, soweit wir erfahren haben, sind nur zu 50 % Deutsch, da eine Ehehälfte polnisch. Deren Vor- und Nachnamen wurden gleich 1945 polonisiert, sie mußten für Polen optieren, wenn sie das elterliche Eigentum erhalten wollten. Warum aber lassen sich diese Menschen das heute noch gefallen, da sie einen deutschen Paß haben können? Ähnlich ist die Situation bei der guten Frau Gertrud, bei der wir bei guter, alter ostpreußischer Art unsere Ganztagsbeköstigung einnehmen konnten.

Fortsetzung folgt:
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Gerda Saborowski-Baltruschat,
Oktober 2004


UDH Nr. 71

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