BGD - Bund für Gesamtdeutschland

BGD — Unsere Deutsche Heimat

Nr.74 (3. Quartal 2005)
Nr.75 (4. Quartal 2005)

Auszug


Auf Spurensuche in Ostpreußen

 

Teil 3

Wenn man sozusagen mit offenen Augen durch unseren deutschen Osten per Auto fährt, kann man mehr erkunden als per Bus. So sahen wir jetzt in Dorfnähe nur hier und da mal eine kleine Viehherde. In den Vorjahren traf man noch mehr Kühe an. Brache Feldflächen tauchen hier und da auf. Auf unbeackertem Land in Waldnähe breitet sich der Wald aus. Chausseegräben sind nicht gereinigt, Drainage vermutlich versickert, so bilden sich Wassertümpel. Da freuen sich die Störche wegen der Frösche. Auch nehmen diese keinen Anstoß an der Fremdherrschaft unseres Gebietes. Unsere Kornkammer droht zu versteppen. So sprechen manche kurzsichtige und kurzdenkenden Touristen von einer noch unberührten Natur, die dort anzutreffen sei. Auch erzählen diese Leute, daß unsere Städte weiter ausgebaut werden. Also in Polen werde auch tüchtig gebaut. Dabei übersehen diese Leute, daß unsere Dörfer schwinden und eine Landflucht besteht. So müssen Wohnblöcke in der Stadt geschaffen werden. Das Material der abgetragenen Dörfer wird eben dafür verwendet. In den Dörfern — mit Ausnahme von Kirchdörfern — sieht man kaum noch junge Menschen. Auch werden neue Unterkunftsmöglichkeiten, genannt Hotels, nach westlichem Stil — vielleicht auch mit westlicher Hilfe — für den Tourismus erstellt. Es erweckt den Eindruck, als kalkuliert die polnische Regierung, vom Tourismus und den Subventionen aus Brüssel bestehen zu können.

Gelände an Seen oder auch dahinter — höher gelegenes mit Blick auf einen See, ist an Finanzhaie aus Warschau verkauft, oder es stehen noch Landstriche zum Verkauf an, darauf weisen Werbetafeln hin. Dort entstehen Ferien häuser, manche gar massiv, rundum einige Quadratmeter Gelände, fest eingezäunt. So ist zu manchem See kein Zugang mehr möglich.

Polen, die sich in der BRD auf irgendeine Art Euro erwerben, diese dann in ihren Geldwechselstuben in Zloty eintauschen, erhalten z.Zt. das 4,4fache. Hier nur ein Vergleich: Wir zahlen für das Pfund Brot bis zu 1,29 Euro im Global-Laden, beim Bäcker kostet es noch mehr. Bei den Polen kostet ein Pfund Brot = 1 Zloty.

Auf der Suche nach den Abbau-Gehöften (außerhalb der Dörfer) unserer Verwandten, die wir selbst nicht mehr finden konnten, da sie nicht mehr existieren, mußten wir uns an in unmittelbarer Nähe wohnende Polen wenden. Diese verwiesen uns (heute freundlicherweise, im Gegensatz zu 1945 und danach) an verbliebene Deutsche. Vor ca. 10 bis 20 Jahren sollen diese Gehöfte noch völlig in Takt gestanden haben. Nun sind sie vom Erdboden verschwunden, und es weisen entweder nur noch die Strommasten oder aber Überreste von Obstbäumen und Fliederbüschen darauf hin. Die Zufahrtwege sind in diesen Fällen mit umgepflügt. Ebenfalls die Dorffriedhöfe weisen einen geschändeten, verwahrlosten Zustand auf, überwuchert von Bäumen und diversem Gestrüpp.

In meiner Heimatkreisstadt Lyck/Ostpreußen, wo ich geboren und in der evangelischen Kirche getauft wurde, ist diese wie auch alle anderen jetzt katholisch. Die auf unserer breiten Hauptstraße, der Kaiser-Wilhelm-Straße, unterirdisch eingerichtete Toilettenanstalt wird von den Polen betrieben. Die Straße selbst hat man durch einen Grünstreifen getrennt. Das ebenfalls gegenüber der Kirche auf dem Kirchenvorplatz stehende Kriegerdenkmal von 1870/71 steht zwar, ist aber der Gedenktafel beraubt und auf polnisch umfunktioniert. Aber die drei Abstimmungssteine davor, die auf das Abstimmungsergebnis vom 11. Juli 1920 hinweisen, da Polen unser Gebiet schon damals begehrte, sind entfernt worden.

Unser Lyck ist eine deutsche Garnisonsstadt. 1784 stationierte das Inf.-Regiment. Nr. 45 in ihr. In kultureller Hinsicht trug ihr einen Teil General von Günther bei. Er veranlaßte die Gründung des Schullehrerseminars, des 3. in Preußen, im Jahre 1799. Zu seinen Ehren um die Verdienste der Stadt setzte diese ihm auf der Kaiser-Wilhelm-Straße, unweit der ev. Kirche, in östlicher Richtung ein Denkmal, das Günther-Denkmal, mit Eisengittern eingezäunt. Selbiges Denkmal sah ich im Februar 1945, da ich mit anderen Deutschen von zwei Sowjets zu Pferde zur NKWD-Kommandantur getrieben wurde, sehr demoliert. Vermutlich mit eine Tat der zuvor (Januar 1945) einmarschierenden Rotarmisten. Der Stadtfriedhof ist voll belegt mit polnischen Gräbern, einfach auf die Deutschen drauf. Wo hat man die Gebeine der deutschen Toten gelassen?

Das endgültige Stadtwappen von Lyck haben die Polen nicht übernommen. Es ist der Januskopf mit dem Doppelantlitz, der also nach innen schauen soll — als gewissenhafter Verwalter des kurfürstlichen Amtes und zugleich als Wächter des Landes an der Pforte nach Polen und Litauen. Dieses Wappen verlieh der Große Kurfürst am 23.8.1669 anläßlich der Stadtrechte dem Ort Lyck. Das erste Wappen, ein Gerichtssiegel, zeigt einen springenden Hirsch, rechts einen Busch. Dieses Wappen übernahm dann die Stadt Ortelsburg, und das führen die Polen heute für unsere Stadt Lyck. Das o.a. paßt ja nicht in ihren Kram.

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Teil 4 und Schluß

Ja, was an deutsche Tapferkeit und Heldenmut erinnert, war auch den Polen ein Dorn im Auge. Die Sowjets haben im Januar 1945 das General–von Günther–Denkmal in ihrem Zerstörungswahn stark demoliert. Die polnischen Räuber brachten es mehr zum Verfall. Und nach behördlicher Besetzung unserer Amtshäuser durch Polen wurden die zerstörten Reste davon völlig entwendet. Es existiert also an der Stelle kein Stein mehr. General von Günther war in Jahren von 1780 bis 1795 in Lyck Garnisonskommandant. Er war es, der für Frieden und Sicherheit sorgte in der Zeitperiode der polnischen Aufstände, die unter Leitung des Insurgenten (Aufstandsführer) Kosciuszko standen. Aus Dankbarkeit der Lycker Einwohner dafür und anderer Verdienste wurde am 16. Juni 1841 das Günther-Denkmal enthüllt. Diese polnische Aufstandsbewegung gegen Russen und Preußen bewies einmal mehr den Drang der Polen auf Nachbarland. Trotz Entfernung deutscher Tapferkeitsmerkmale existieren auch heute noch Bauten, die deutsch sprechen! Besondere steinerne deutsche Zeugen aus Backstein sind das Land- und Amtsgerichtsgebäude, die Kasernen, das Landratsamt, die beiden Kirchen, ev. und kath. u.a.m. Das seinerzeit schon modern eingerichtete Krankenhaus, obwohl über Jahre genützt, steht jetzt verwaist da.

Wir besuchen auch die Begegnungsstätte, unseren Wasserturm, der in der Stadt Lyck und Land verbliebenen Deutschen. Diese Stätte wird durch Spenden von den in Westdeutschland lebenden Lyckern finanziert. Der Wasserturm regelte ab 1895 die städtische Wasserversorgung.

Nachdem wir unsere Stadt Lyck/Ostpreußen (jetzt polonisiert) in groben Zügen in Augenschein nahmen, uns von ihr verabschiedeten, traten wir die Rückfahrt an. Doch zuvor machten wir noch einen kurzen Kaffeebesuch bei dem in Fließdorf jetzt amtierenden polnischen katholischen Pfarrer, auf seine Einladung hin. Selbiger spricht ein gutes Deutsch, da aus der Danziger Gegend stammend. Er führte uns auch in die evangelische Fließdorfer Kirche, (heute polnisch katholisch) die vom Deutschen Orden 1487 erbaut wurde. Wir besuchten die Wolfsschanze. Das Bilderspalier von angeblich Auschwitz an dem Zugangsweg zu den Führerquartierruinen von 1985, wie ich es erlebte, existiert nicht mehr. Zuviel sollen Besucher daran Anstoß genommen haben. So kam man auf die Idee, ein Restaurant, eine Übernachtungsmöglichkeit und Kioske, sogar eine Postabfertigung aufzustellen; das bringt doch mehr ein!

Dann noch einen Abstecher zur Wallfahrtskirche Heiligelinde, die ebenfalls im Kreis Rastenburg liegt. Bestimmt wurde sie zu unserer Zeit nicht so oft besucht wie heute von all den Touristen. Die Freundlichkeit der Polen uns Deutschen, heute als Devisenbringer, gegenüber, überschlägt sich ins Unermeßliche. Für mich nur schwer begreifbar. Dagegen sprechen meine Erfahrungen von 1945 und noch fast 10 Jahre danach. So erlebte ich im Herbst 1945 — die Kriegshandlungen endeten bereits im Frühjahr 1945 — daß ein 16-jähriger deutscher Jüngling eines Nachts von Polen grundlos erschossen wurde. Vom Hörensagen weiß ich von zwei folgenden Fällen: Ein erwachsener junger Mann, der nicht zur Wehrmacht eingezogen wurde, da er nur ein Augenlicht besaß, wurde 1947, also zwei Jahre nach Kriegsende, von Polen totgeschlagen. Hier vermutet man den Grund dafür, daß Hans Gerhard in Schönhofen, Kreis Treuburg, öffentlich mit den deutschen Kindern sprach. Der nächste Fall trug sich in Brennen, Kreis Johannisburg, am Abbau zu. Zwei polnische Männer erschienen bei einer Mutter und forderten, ihr Jüngling möge ihnen den Weg durch den Wald zu einem nächsten Ort zeigen. Der Jüngling kam nicht wieder. Im Wald fand seine Mutter ihn erschlagen.

Mir fällt es schwer, von unserer, deutschen Seite, fortwährend Versöhnung zu üben, während Polen uns weiterhin mit Forderungen konfrontiert und dabei vergißt, daß es deutsche Gebiete mit lebendem und totem Inventar übernommen hat, und die Vertreibung der Deutschen ihrerseits eine Zuwiderhandlung der Haager Landkriegsordnung war.

Und wieder genossen wir auf unserer Rückfahrt teilweise auf den Transitstrecken noch unsere Baumalleen. Noch ein kleiner Sprung zurück: Nicht zu vergessen, daß wir während unseres Ostpreußenaufenthaltes vom 4. bis 10. Juli 2004 auch den Wachtberg bei Thalussen besuchten. 90 Stufen sollten es sein, die bis zur Ruhestätte deutscher und russischer Gefallener vom 1. Weltkrieg 1914 bis 1918 hinaufführten. Leidlich gepflegt war er, jedenfalls vom Wildwuchs befreit. Soweit gepflegt wahrscheinlich vom Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge.

Auf BRD-Territorium angekommen, fuhren wir die Kampfstelle von 1944/45 des 2. Weltkrieges, der Seelower Höhen, an. Eine Tafel weist die Gefallenen aus: = 55 Tausend Sowjets, 12 Tausend Deutsche, 5 Tausend Polen. Inmitten der Anhöhe sieht man hochragend ein Standbild eines russischen Soldaten. Um dieses herum die Sowjets und Polen bestattet. Die deutschen Soldaten sollen zur Westseite am Fuße dieses Denkmals beigesetzt worden sein.

Es waren erlebnisreiche Tage, die in Erinnerung bleiben.

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Gerda Saborowski-Baltruschat, Remecksfelde jetzt Celle.


Ostpreußen, meines Vaters Heimat

Mein Vater Max aus Garbassen in Ostpreußen kommend heiratete meine Mutter Anna Ponnwitz aus Fürstlich Niefken (dem Teil Schlesiens, der nach dem ersten Weltkrieg abgetrennt wurde) am 3. Oktober 1925 in Duisburg/Rheinland. Nach dem Tode meiner Mutter 1928 zog mich meine Oma, Henriette Zaborowski, in Duisburg auf. 1940 brachte ich meine Oma vor den Bombenangriffen nach Ostpreußen in Sicherheit. In Treuburg angekommen, war ich von der Größe überrascht. Dies hatte ich selbst in Berlin so gesehen. Kirche Rathaus usw. in der Mitte des Platzes. Rundherum Platz, daß acht Fuhrwerke nebeneinanderfahrend das Rathaus umkreisen konnten. An den Rändern des Platzes Häuser über Häuser. Mein Onkel holte meine Oma und mich in einer offenen Kutsche ab. Er bog querfeldeinfahrend von der Chaussee ab. Auf meine Frage, „ob er dann das darf“ — seine Antwort „das ist meins“. Nach ca. einer halben Stunde erreichten wir seinen Hof. Auf dieses weite, schöne Land Ostpreußen, der Heimat von Generationen, werden wir nicht verzichten.

Horst Zaborowski


UDH Nr. 74
UDH Nr. 75

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