BGD - Bund für Gesamtdeutschland

BGD — Unsere Deutsche Heimat Nr.77 (2. Quartal 2006)

Offener Brief an Dr. Friedbert Pflüger

24.2.2006

Friedrich Kurreck
Offenbach, den 24. Februar 2006

Hallo Mister Pflüger,
wie ich soeben erfahren habe, sollen Sie scharf auf das Amt des „Regierenden Bürgermeisters“ der Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland sein. Nachdem sich Ihre Parteivorsitzende im Kanzleramt eingenistet hat und sich dort wohlzufühlen scheint, beabsichtigen Sie, es ihr im schönen Berlin gleich zu tun. Für mich ein weiterer Beweis, daß deutsche Politiker, auch die der CDU, ohne Skrupel sind, wenn es um lukrative Pöstchen geht, die letztendlich der deutsche Steuerzahler finanziert, ungeachtet dessen, ob diese in ihren Ämtern Gescheites zu leisten überhaupt in der Lage sind.

Es bleibt in der Demokratie selbstverständlich jedem überlassen, das zu tun, was er gerne tun möchte, auch wenn er, einmal im Amt, den größten Mist verzapft. Nur sollte der Betreffende noch über soviel Ehrgefühl verfügen, um erkennen zu können, daß er schon in der Vergangenheit sich für diesen Posten disqualifiziert hat. Aber über diese zweifelsohne unstreitige Voraussetzung für einen Politiker verfügen Sie anscheinend nicht. Deshalb erlaube ich mir, Sie an ihre politische Vergangenheit zu erinnern.

Der Berliner CDU-Politiker Uwe Lehmann-Brauns berichtet in seinem Buch „Die verschmähte Nation“ von einer Begebenheit, die sich 1989 in Stanford zugetragen hat. Nachdem sich Ihre Noch-Ehefrau ziemlich ablehnend gegenüber einer Wiedervereinigung äußerte, erwiderten Sie, daß Sie so weit nicht gehen wollten, betonten aber, daß auch Sie gegen eine Wiedervereinigung sind, weil sie sich „Sorgen um die demokratischen Errungenschaften der Bundesrepublik“ machen. So ist es dann nur folgerichtig, daß Sie sich 1991 gegen Berlin als Regierungssitz der Bundesregierung aussprachen. Ihr politisches Credo damals gipfelt in den Worten: „Mein politisches Vaterland ist die Bonner Demokratie… Ich habe unser Parlament lieber im Bundestag als im Reichstag…“ Und nun wollen Sie auf einmal Berlin zu Ihrer politischen Heimat machen und bewerben sich um den Posten des „Regierenden Bürgermeisters“ in Berlin, der Stadt, der Sie den Sitz der Bundesregierung einst verweigerten? Seltsam, äußerst seltsam! Aber so sind sie nun einmal, die deutschen Politiker.

Auf Ihre Zeit als „Ghostwriter“ des Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker, der seinem Volk mit seiner berühmt-berüchtigten Rede vom 8. Mai 1985, mangels genügender Kenntnis der geheimen Geschichte, die nach Honoré de Balzac die wahren Ursachen der Ereignisse birgt, die Büßerkappe aufs Haupt stülpte und zudem glaubte, auch noch kommende Generationen in die Pflicht nehmen zu müssen, hier einzugehen, will ich mir ersparen. Aber eines möchte ich hierzu feststellen: Ihre auf Lug und Trug aufgebaute deutsche Nachkriegspolitik ist die Ursache leerer Kassen, unter denen die Rentner nun zu leiden haben, unter diesen auch jene, die als Soldaten der Deutschen Wehrmacht einst ihre Knochen hingehalten haben, damit die Völker des westlichen Europa mit den „Segnungen des Bolschewismus“ nicht Bekanntschaft zu machen brauchten. Die Verursacher dieser leeren Kassen aber setzen sich ab in den „wohlverdienten Ruhestand“ und können sich einen genüßlichen Lebensabend leisten, selbstverständlich auf Kosten von uns Deppen.

Ich hätte nun von Ihnen gerne gewußt, ob das, was ich dem Buch Ihres Parteifreundes Uwe Lehmann-Brauns „Die verschmähte Nation“ entnommen habe, den Tatsachen entspricht. Ich hoffe, daß Sie mir diese Frage beantworten werden, obwohl das bei den meisten der mit der „Gnade der späten Geburt“ beglückten Nachkriegspolitiker nicht üblich ist.

Friedrich Kurreck


UDH Nr. 77

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