Auch in unserem Medien-Zeitalter hat der Satz aus der Jugendzeit unserer Erlebnisgeneration: „Es hat doch in der Zeitung gestanden”, seine gläubigen Anhänger. Dieser „Glaube” wird heutzutage in leider oft zu vielen Fällen auch auf das Medium Fernsehen übertragen.
Wer sich um Erkenntnisse bemüht, die geschichtliche Wahrheit sucht ist — auf seine eigenen Wahrnehmungen, sein persönlich Erlebtes, angewiesen. Die wenigsten von uns können auf eigene Aufzeichnungen zurückgreifen. In den allermeisten Fällen sind wir dabei auf unsere Erinnerungen angewiesen.
Um wieviel schwerer gestaltet sich die Suche nach der geschichtlichen Wahrheit für Menschen, die nicht über entsprechende „Erfahrung” verfügen? Der Wahrheitssuchende ist gezwungen, bevor er mit der Suche beginnt, den Hintergrund zu erforschen. Wenn er Erkenntnisse vorliegen hat sollte er sich fragen „wem nützen diese Erkenntnisse?” In welchem Besitz sind die Quellen aus denen die Erkenntnisse stammen? Wenn ein Widerspruch zwischen Erkenntnissen aus unterschiedlichen Quellen vorhanden — steht der Suchende in großer Verantwortung. Er kann versuchen, den Widerspruch aufzuklären oder sich für eine Variante entscheiden. Entscheidet er sich für eine Variante, hat er sich bereits von der geschichtlichen Wahrheit entfernt. — Er gibt seine Meinung als die geschichtliche Wahrheit aus.
Besonders schwierig gestaltet sich die Suche nach der geschichtlichen Wahrheit, wenn die Ereignisse um die Kriege im 19ten und 20ten Jahrhundert erforscht werden. Beteiligte und auch neutrale Staaten halten in den allermeisten Fällen ihre Archive verschlossen. Aus diesem Umstand heraus darf die Behauptung aufgestellt werden, daß mit dem frei zugänglichen Archivmaterial die geschichtliche Wahrheit von diesen Staaten verschleiert wird.
Was bleibt also zu tun? Wer sich um Versöhnung bemüht ist in einer Zwickmühle. Er kann Versöhnung mit Unterwerfung verwechseln — oder seine Erkenntnisse bis zu einem Gegenbeweis der anderen Seite als geschichtliche Wahrheit in die Gespräche einbringen.
Leider sind in 60 Jahren BRD-Geschichte Beispiele, aus denen eine Haltung ersichtlich wurde, die geschichtliche Wahrheit zu verteidigen und sich nicht der Meinungsbildung zu unterwerfen, an einer Hand abzuzählen.
In besonderem Maße vertrauenshemmend stellt sich die „Lupen-Masche” dar. Bei den eigenen Argumenten wird die Lupe so entfernt gehalten, daß diese sehr groß erscheinen — bei den Argumenten der anderen Seite wird die Lupe in so großer Entfernung gehalten, daß die Ansicht nur in einzelnen Buchstaben zu erkennen ist. Diese Lupen-Masche erleben wir in der Diskussion um die Stiftungen: „Zentrum gegen Vertreibungen” und „Flucht, Vertreibung, Versöhnung.” Erneut werden Millionen Heimatvertriebener — und, was noch verwerflicher ist, auch die Nachfahren, die selber diesem millionenfachem Völkermord nicht entkommen mußten, in eine trügerische Sicherheit gelullt.
Als letzte unabhängige Instanz der Interessen deutscher Menschen aus den Ostgebieten des Zweiten Deutschen Reichs fordert der Bund für Gesamtdeutschland:
Offenlegung aller Archive der Alliierten des Zweiten Weltkrieges. Auf Grundlage dieses Archivmaterials Erforschung durch unabhängige Sachverständige aus am II. Weltkrieg nicht beteiligten Staaten. Gefragt wird nach:
- Zahl der Bombenopfer in Dresden
- Zahl der Bombenopfer in gesamten Gebiet des Zweiten Deutschen Reichs.
- Die Zahlen der bei der Vertreibung aus den im Osten des Zweiten Deutschen Reichs ermordeten Deutschen.
- Zahlen der 1945 in Gefangenschaft genommenen Deutschen Soldaten.
- Zahl der von den Alliierten des II. Weltkrieges auf ihre Territorien verschleppten Deutschen beiderlei Geschlechts.
- Zahlen der Deutschen, die aus Gefangenschaft oder Verschleppung lebend heimgekommen sind.
- Zahl der auf dem Reichsgebiet ab 1945 vergewaltigten deutschen Frauen.
Erst wenn diese Zahlen öffentlich bekannt gegeben und auch von den Vertreiberstaaten anerkannt worden sind, besteht eine Verhandlungsgrundlage für Versöhnung.
Horst Zaborowski
→ UDH92
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